300 Bürgersprechstunden: Was haben sie gebracht?

Lauffen  Seit 19 Jahren sucht die Landtagsabgeordnete Friedlinde Gurr-Hirsch aus Untergruppenbach das Gespräch mit Bürgern. Nach ihrer 300. Bürgersprechstunde haben wir die CDU-Staatssekretärin nach ihren Erfahrungen gefragt.

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Elf Einwohner nutzten das Angebot von Friedlinde Gurr-Hirsch: Die Staatssekretärin aus Untergruppenbach hielt jetzt ihre 300. Bürgersprechstunde ab.

Foto: Friedhelm Römer

Häufig sind es private Fragen, die die Menschen auf dem Herzen haben und die deshalb den persönlichen Kontakt zu Friedlinde Gurr-Hirsch aufnehmen. Seit 19 Jahren sucht die CDU-Staatssekretärin aus Untergruppenbach den direkten Kontakt zu den Mitmenschen in ihrem Wahlkreis Eppingen. Der Bedarf ist ganz offensichtlich weiterhin gegeben.

Bei ihrer 300. Bürgersprechstunde am Mittwochvormittag im Bürgerbüro in Lauffen nutzten elf Personen das Angebot, auch wenn einige von ihnen lediglich zum Gratulieren zu diesem runden Anlass kamen.

Vielfältige Anliegen

"Ohne die direkten Begegnungen hätte ich mir mein Amt nicht vorstellen können", sagt die 65-Jährige. Die Anliegen der Besucher sind vielfältig. Da gebe es Menschen, die möchten ihren Betrieb umstellen und wissen, welche Angebote das Land macht. Andere geben Vorschläge ab über Mitmenschen, die ehrungswürdig seien. Und: "Lärm ist ein häufiges Thema."

Es kämen Leute mit Ideen, wie vor vielen Jahren eine fünffache Mutter aus Eppingen, die auch Erzieherin ist, aber ein Angebot zur Kinderbetreuung in der Stadt vermisste. Daraus sei später der Verein Eppinger Kindernest entstanden, der eine Ganztagsbetreuung von null bis zehn Jahren anbietet.

Orgelbauer auf den Barrikaden

Oder als sich der Lauffener Orgelbaumeister Christhard Rensch 2012 an Gurr-Hirsch wandte. "Herr Rensch kam damals mit einer großen Wut." Es sollte eine EU-Richtlinie auf den Weg gebracht werden, die die Verwendung von bleihaltigen Stoffen in Elektro- und Elektronikgeräten aus Umweltschutzgründen beschränkte. Gurr-Hirsch: "Dabei hatte man natürlich nicht an die Orgelbauer gedacht." Laut Rensch wäre durch die Richtlinie ein ganzer Berufszweig gefährdet gewesen. Gurr-Hirsch stellte im Landtag einen Antrag unter dem Titel "EU lässt Orgelpfeifen zittern". Erst 2017 gab es Rechtssicherheit, war das Aus der Orgelbauer abgewendet.

Sie hat Anregungen zur Naturbildung für Kinder aufgegriffen. Die PH Heidelberg entwickelte daraufhin ein pädagogisches Konzept, und 2000 Grundschulen erhielten Hochbeete, damit die Kinder einen direkten Bezug zur Natur bekommen. Gurr-Hirsch hat auch Kinder-Unis im ländlichen Raum organisiert: Mit dem Astronauten Ernst Messerschmid und einer Pferdeflüsterin.

Ob draußen in Siegelsbach und Beilstein oder in den größeren Städten wie Brackenheim, Schwaigern, Lauffen, Eppingen und Bad Rappenau: Überall hat die Politikerin ihre Sprechstunden abgehalten. In der Regel seien sie gut angenommen worden. Wutbürger nutzten dagegen nicht dieses Format. "Die schreiben eher Mails."

Frühzeitige Problemerkennung

"Durch meine Bürgersprechstunden nehme ich Probleme der Menschen wahr, ähnlich wie ein Seismograf." Dieser erkennt frühzeitig die Bodenerschütterungen von Erdbeben.

In bleibender Erinnerung ist ihr der Fall von Wolfgang Heiler. Der Ilsfelder verunglückte vor 17 Jahren während des Dienstes in der Justizvollzugsanstalt in Talheim, war mit 39 Jahren blind und sollte berentet werden. "Ich wollte mich mit dieser Lösung aber nicht zufrieden geben", sagt Heiler gegenüber der Heilbronner Stimme und schiebt nach: "Friedlinde Gurr-Hirsch war der entscheidende Faktor, dass da einige Türen auf gingen." Heiler machte eine Umschulung in Stuttgart und arbeitet seit 2006 wieder an seiner früheren Arbeitsstelle in Talheim. Seitdem allerdings im Innendienst.

Termin verschoben

Ursprünglich sollte die 300. Bürgersprechstunde von Friedlinde Gurr-Hirsch bereits am 19. März in Lauffen stattfinden. Damals musste diese wegen der Vorgaben aufgrund der Corona-Krise zunächst gestrichen werden. In den vergangenen Wochen hat sich die 65-jährige Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz auf die telefonische Kontaktaufnahme beschränkt. "Aber auch außerhalb meiner Bürgersprechstunden heißt das nicht, dass ich nicht erreichbar bin", sagt die Politikerin aus Untergruppenbach, die bereits seit 2001 im baden-württembergischen Landtag sitzt. Bei der Wahl 2021 wird sie nicht mehr antreten.


Freidhelm Römer

Friedhelm Römer

Autor

Friedhelm Römer hat Ende der 80er Jahre bei der Heilbronner Stimme volontiert, kam 2001 als Sportredakteur zurück und arbeitet seit 2009 in der Landkreisredaktion. Er kümmert sich sich hier um Schwaigern, Lauffen, Pfaffenhofen und Zaberfeld. Darüber hinaus ist er Mitglied des lokalen Bildungsteams.

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