Fragen und Antworten zum Heilbronner Wollhaus-Zentrum

Heilbronn  Gelingt ein entscheidender Schritt aus der verfahrenen Situation um das Heilbronner Wollhaus-Zentrum? Ein wichtiger Teil der Immobilie wird am heutigen Dienstag zwangsversteigert. Stimme.de hat die Antworten auf die zentralen Fragen zum Wollhaus zusammengestellt.

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Ungeliebtes Wahrzeichen: Beim Heilbronner Wollhaus ging zuletzt wenig voran. Jetzt haben Teile des Turms einen neuen Eigentümer - und bezüglich der Ladenpassage steht eine Zwangsversteigerung an. Foto: Mario Berger

Worum geht es bei der Zwangsversteigerung?

Es geht um die Zwangsversteigerung des Teileigentums der Wollhaus-Ladenpassage, das entspricht einem Viertel des Gesamtanteils. Verkehrswert sind 4,2 Millionen Euro. Zu möglichen Bietern ist noch nichts bekannt. Wir berichten aktuell vom Ausgang.

Wie ist das Wollhauszentrum entstanden?

Das Wollhauszentrum eröffnete 1975, erbaut wurde es im Stil des „Brutalismus“. Das Einkaufszentrum mit zehnstöckigem Turm ist nach dem historischen Wollhaus der Stadt benannt, an dieser Stelle gab es einst einen bedeutenden Wollmarkt. Die Antwort Heilbronns auf das Breuningerland in Ludwigsburg wurde als Kaufkraftmagnet und großer Wurf der Stadtplaner gefeiert. Die Ladenpassage bot mit 30 anspruchsvollen Geschäften Vielfalt, der Kaufhof hatte eine florierende Filiale, im Turm gab es Praxen und Kanzleien.


Wie ist die heutige Situation?

Jahrzehnte später steht der „Betonklotz“, der in Wirklichkeit mit Naturstein verkleidet ist, weitgehend leer, Ein-Euro-Läden und Casinos prägen das Bild. Seit mit Galeria Kaufhof der Hauptmieter kündigte, gab es viele Anläufe, den Komplex zu entwickeln oder durch Abriss Platz für Neues zu schaffen. Bisher scheiterten die Versuche an den komplizierten Eigentumsverhältnissen.


Was hat sich zuletzt getan?

Mit dem Oedheimer Wohnungsbauunternehmen Neufeld gibt es seit 2020 einen neuen Spieler in der Wollhausdebatte. Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben mehr als 1600 Häuser errichtet hat und Projekte für 200 Wohneinheiten verfolgt, hat demnach Büro- und Praxisräume im Wollhaus-Turm gekauft und versteht sich als Impulsgeber für die Entwicklung des Komplexes.


Wer sind die anderen Beteiligten?

Neufeld hält etwa zehn Prozent der Gesamtimmobilie, die sich zu mehr als 80 Prozent unter zwei Haupteigentümern aufteilt. Die Anteile eines dänischen Immobilienfonds, der die aufgegebenen Galeria-Kaufhof-Flächen übernommen hatte, und einer Frankfurter Firmengruppe stehen seit 2017 unter gerichtlicher Zwangsverwaltung. Eine Gläubigerbank hat das Verfahren beantragt, das nach Auskunft des Heilbronner Amtsgerichts nach wie vor läuft.

Weiterer Eigentümer des Komplexes aus den 70er-Jahren ist die Strabag AG, die gemeinsam mit Einkaufszentrums-Multi ECE ehrgeizige Pläne für den Abriss und einen Neubau verfolgt hatte. Gescheitert war das Konzept am Widerstand der Mehrheitseigner, die Renovierungspläne favorisierten. Optionen auf Teile des Gebäudes hat auch der Heilbronner Projektentwickler Kruck und Partner, der unter anderem das Marrahaus am Neckar realisiert hat. Man habe „ein attraktives Konzept“, so Geschäftsführer Joachim Kruck. Maßgabe für ihn seien dabei Abriss und Neubau.


Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist stellvertretender Leiter der Regionalredaktion. Er arbeitet seit 2003 bei der Heilbronner Stimme, berichtet über Verkehrsthemen, über Kommunalpolitik und Heilbronn.

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