Wie die renovierte Orgel im Heilbronner Deutschordensmünster klingt

Heilbronn  Neue Klangerlebnisse in der mit Spenden renovierten und erweiterten Orgel im Heilbronner Deutschordensmünster: Die Peter-und-Paul-Gemeinde weiht ihre "Königin der Instrumente" mit einem Vespergottesdienst ein.

Von Arkadius Guzy
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Über ein Jahr hinweg reinigten, renovierten und ergänzten Mitarbeiter der Firma Resch aus Lauffen die Münsterorgel. Kostenpunkt: rund 250.000 Euro. Foto: Archiv/Mugler

"Und bewundert deine Werke!" Münsterkantor Michael Saum zog nicht nur beim Klassiker "Großer Gott, wir loben dich" alle Register. Mit einem ausgesprochen musikalischen Vespergottesdienst und ganz neuen Klangerlebnissen feierte die Heilbronner Deutschordengemeinde St. Peter und Paul jetzt die Renovierung und Erweiterung ihrer Seifert-Orgel. "Endlich ist der Tag der Wiedereinweihung da", frohlockte Pfarrer Roland Rossnagel. Etwas mehr als ein halbes Jahr hatten die Heilbronner Innenstadt-Katholiken und ihre oft vielen Besucher aus dem Umland auf die Klänge des 1996 bei der Kirchensanierung installierten Instruments verzichten müssen.

Kostenpunkt: 250.000 Euro

"Orgelmusik kann uns zur Schönheit bringen, sie kann uns über uns selbst hinaustragen", erklärte Rossnagel. Nach der Wiedereinweihung des Instruments konnten die Gäste der Feier diese Wirkung erleben: Insbesondere bei einer Improvisation über das Kirchenlied "Großer Gott, wir loben dich" demonstrierte Kantor Michael Saum die erweiterte Klangfülle. Denn während der auf rund 250.000 Euro veranschlagten Generalüberholung wurde die Orgel nicht nur gereinigt und repariert, sondern sie bekam auch drei neue Register dazu. Diese waren beim Einbau vor 24 Jahren frei geblieben. Ergänzt wurde die Königin der Instrumente nun um die sogenannte Celesta. Dieses Register besteht aus Klangplättchen aus Metall, die angeschlagen werden. So entstehen zarte, glockenspielartige Klänge.

Konzert an diesem Samstag

Das erste Meisterkonzert nach der Orgelrenovierung im Deutschordensmünster gibt es an diesem Samstag, 17. Oktober, um 18 Uhr.

Über 200 einzelne Spenden

Spenden machten die Renovierung erst möglich. Vor fast genau einem Jahr war die Aktion gestartet worden, wie Oberbürgermeister Harry Mergel erinnerte. Als Schirmherr der Renovierung freute er sich über mehr als 200 Spender - für ihn ein Beispiel für den Zusammenhalt der Stadtgesellschaft. Auf der Seifert-Orgel hätten schon viele, teils berühmte Musiker aus dem In- und Ausland gespielt, wie das Gästebuch des Instruments belege. Weitere könnten nun "alle Register ziehen", sagte Mergel.

"Wenn die Orgel spielt, hat es etwas Transzendentes", erklärte Thomas Strobl. Der Innenminister von Baden-Württemberg ist direkter Nachbar des Münsters. In seinem Grußwort verteidigte er die Corona-Maßnahmen, auch wenn sie unter anderem Einschränkungen der Religionsfreiheit mit sich brächten. Strobl sagte: "Ich danke den Kirchen für ihre Kreativität" und nannte dabei zum Beispiel die Gottesdienste unter freiem Himmel, die den Deutschhof belebten.

Königin der Instrumente im Heilbronner Münster

Münsterkantor Michael Saum zog bei der feierlichen Orgeleinweihung alle Register, darunter auch die neue Celesta, die wie ein Glockenspiel klingt.

Foto: drs/Guzy

Organist auf Video-Leinwand

Philipp Neßling, Geschäftsführer und Inhaber des mit der Renovierung betrauten Unternehmens Rensch Orgelbau aus Lauffen, erläuterte den Aufbau der Seifert-Orgel. Sie setze sich aus zwei Gehäusetürmen zusammen. Neßling verglich sie mit zwei Häusern, in denen je eine Familie wohnt. In diesem Bild stelle jedes Register einen Verwandtschaftsgrad dar, angefangen mit großen Prospektpfeifen als der Großvätergeneration. Münsterkantor Saum schlug dazu jeweils einige Takte an. Eine Kamera auf der Empore filmte sein Spiel, das die Gäste dadurch nicht nur akustisch, sondern zudem über eine Leinwand visuell verfolgen konnten.

Pfarrer Rossnagel dankte nicht zuletzt der Kulturstiftung der Kreissparkasse Heilbronn, der Gesamtkirchengemeinde und dem Orgelkreis. Im Anschluss an die Vesper fanden zwei Orgelkonzerte statt.

 


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