Weindorf-Auslese mit Kabarett Sauvignon im Heilbronner Schießhaus

Heilbronn  Schriftsteller und Kabarettist Thomas M. Breuer begeistert bei der Heilbronner Weindorf-Auslese mit Wortwitz, parodistischen Kabinettstückchen und kritischen Zwischentönen.

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Im Rokoko-Saal des Schießhauses erntete der ebenso wortgewaltige wie feinsinnige Kabarettist und Schriftsteller Thomas C. Breuer viel Applaus.

Foto: Michael Möhle

"Kabarett Sauvignon": So lautet der Titel des Buches, das Thomas C. Breuer am Ende eloquent bewirbt, und wie einen kühlen Weißwein an einem Sommerabend unters Volk bringt. Die dezente Anspielung auf die Sorte Cabernet Sauvignon bringt das Programm des Kabarettisten besser auf den Punkt, als das Motto, mit dem dieser Abend im Rahmen der Weindorf-Auslese überschrieben ist. "

Alles ist Rausch" lässt befürchten, dass sich da einer mit stammtischhaft-saufigen Anspielungen auf die berauschende Wirkung der Rebensäfte beschränkt. Tatsächlich kann sich der in Eisenach geborene, 20 Jahre in Heidelberg wohnhafte und heute "in den schwäbischen Karpaten", Rottweil, beheimatete Breuer, eindimensionale Alkohol-Anspielungen nicht verkneifen. Doch im Laufe des zweistündigen Abends erntet er im ausgebuchten Schießhaus vor allem für seine Wortakrobatik, für parodistische Kabinettstückchen, kritische Zwischentöne und scharfe Analysen von 70 Gästen viele Lacher und kräftigen Schlussapplaus.

Witziger Ritt durch die Stadthistorie

Zum Auftakt nimmt der gut vorbereitete Reingeschmeckte die Heilbronner in einem satirischen Parforceritt durch die Stadtgeschichte hoch. Nahtlos schwenkt er in eine Parodie aufs Ländle über, sein Heilix Blechle, seine Weine, Speisen, Eigenheiten. Kostprobe: "Spare in der Not, dann hast du nach dem Tod." Später frotzelt der Thüringer über die Schwaben-Badner-Rivalität, um bald einen trinkfesten Politiker beim Wahlkampf durch das trinkfreudig-standfeste Weinländle zu begleiten. Topaktuell.

Ein Wein namens Fuck you Covid

Über frühere Krisen kommt Breuer zur Corona-Pandemie, die auf manche Winzer inspirierend wirke: in der Pfalz gebe es sogar "Fuck you Covid"-Etiketten, im Rheingau "Corona Rosé". Auch die virtuell-virtuosen Online-Weinproben nimmt Breuer hoch: "untenrum mit Netzstrumpfhosen". Franzosen und Italiener werden nicht verschont, wegen inflationärer Pseudo-Grand-Cru-Tropfen und banaler "Schiantis, die wir nur wegen der Bastflasche gekauft haben". Auch Sterneköche bekommen ihr Fett ab. Und: Chinesisches Fingerfood betitelt er kurzerhand als Nägelkauen.

Auch fachlich auf der Höhe

Wie der gastgebende Heilbronn-Marketing-Chef Steffen Schoch feststellt, überzeugt der ehemalige Buchhändler nicht nur durch Wortwitz, sondern auch durch Fachwissen bis hin zu weinbaulichen, önologischen und bezeichnungsrechtlichen Spitzfindigkeiten. Zu Hochform auf läuft der große Verballhorner bei abstrusen Weinbesprechungen im Sommelier-Slang.

"Mundlese" mit Wein und Sekt

Zwischen Breuers Kabinetstückchen nimmt der gut gelaunte Co-Moderator und Weingärtner Martin Heinrich gerne die Bälle auf, lässt sich von Breuers doppelbödig-feinsinnigem Humor inspirieren, aber auch von der "Mundlese" mit Lauffener Sekt, Brackenheimer Lemberger, Heilbronner Trollinger von G.A. Heinrich und der Genossenschaftskellerei, der Weißweincuvée von Schäfer-Heinrich und von Felix Springers Gewürztraminer.

 


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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