Wechseln Kinder jetzt in den Einzelsport?

Region  Mannschaftssport wie Handball oder Fußball ist nicht möglich. Einzelsportarten unter freiem Himmel wie Kanu oder Leichtathletik hingegen schon. Wird das Kinder und Jugendliche zum Wechsel bewegen? Einige Vereine aus der Region stellen sich darauf ein.

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Die Leichtathleten der NSU starteten am Mittwoch mit dem Trainingsbetrieb − hier ein Foto vom Hürdentraining aus Pandemie-freien Zeiten.

Einzelsportarten dürfen seit Anfang der Woche unter strengen Schutzauflagen wieder ausgeübt werden. Was Kontakt- und Teamsport betrifft, liegt ein Trainingsstart für den Breitensport und den Kinder- und Jugendbereich wohl noch in weiter Ferne.

Setzt jetzt ein Run auf Einzelsportarten ein - womöglich auch auf solche, die bislang ein Schattendasein fristeten? Und können Vereine derzeit überhaupt neue Mitglieder aufnehmen? Die Redaktion hat sich in der Region umgehört und den Landessportbund um eine Einschätzung gebeten.

Leichtathletik statt Handball 

Seit Mittwochabend trainieren die Leichtathleten der Neckarsulmer Sport-Union wieder - zunächst dürfen Vereinsmitglieder über zwölf Jahre auf die Anlagen. "Unser Ziel war es, möglichst viele Sportler wieder starten zu lassen", sagt der zuständige Spartenleiter Marcel Frädrich.

Trainer seien genügend da, durch eine Verkürzung der Trainingszeiten sei es auch möglich, viele Kleingruppen nacheinander auf dem Gelände trainieren zu lassen. Frädrichs Ziel ist es im nächsten Schritt, auch die jüngeren Kinder wieder in den Betrieb zu integrieren.

"Viele Eltern haben schon den Wunsch geäußert, wir mögen doch die Grundschüler nicht vergessen. Sie wären froh, wenn die Kinder endlich wieder Bewegung hätten." Deswegen überlege die Abteilung jetzt auch, wie das mit den notwendigen Hygiene- und Abstandsregeln für die Kleinen umzusetzen sei. "Prinzipiell haben wir auch die Möglichkeit, neue Kinder aufzunehmen", sagt Frädrich.

Wechseln Kinder jetzt in den Einzelsport?

Ein Bild aus Zeiten, bevor Corona ein Thema war. Kinder und Jugendliche sollen auch unter den aktuellen Bedingungen bald wieder Kanufahren lernen können.

Aktive Werbung für Neumitglieder sei derzeit sicher nicht geplant, sagt Volker Jung, Abteilungsleiter Kanu und Ski bei der Union Böckingen. "Aber wenn einzelne Kinder Interesse haben, den Kanusport mal auszuprobieren, sind wir natürlich offen dafür."

Die Heilbronner Kanuten haben ein Schutzkonzept erarbeitet, das der Stadt vorgelegt und dort freigegeben werden muss. Zunächst startet der Betrieb für die erwachsenen Vereinsmitglieder, sagt Jung. Er rechnet damit, dass nach Pfingsten auch wieder Jugendliche und möglicherweise auch Neu-Interessenten das Bootfahren lernen können. "Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang und es würde uns natürlich freuen, wenn wir den einen oder anderen für den Kanusport begeistern könnten."

Vereine müssen mit der Situation zurechtkommen

"Noch keine vermehrten Anfragen nach Einzelsportarten" registriert Marcel Hetzer, Geschäftsführer der TSG Heilbronn. Er weist auf die Schwierigkeiten hin, die Vereine schon im Bestand mit der Umsetzung der Abstands- und Hygieneregeln hätten: "Das ist für alle Neuland, die Vereine müssen erstmal mit der Situation zurechtkommen." Er kann sich aber vorstellen, dass gerade die Freiluftsportarten in den nächsten Monaten noch eine verstärkte Nachfrage erleben werden. "Kontaktsport ist nicht möglich, wahrscheinlich werden andere schon profitieren."

Wechseln Kinder jetzt in den Einzelsport?

Bei der Tennisabteilung des SV Leingarten würde man sich über Neuzugänge freuen. Hier eine Aufnahme aus einem Tenniscamp früherer Jahre.

Fotos: privat

Thomas Müller vom Württembergischen Landessportbund warnt davor, dass "einzelne Sportarten nun aktiv versuchen, die unverschuldete Not der anderen für sich ausnutzen". Das widerspräche dem Solidaritätsgedanken im gemeinnützigen Sport, so Müller weiter. Er hält es trotzdem für möglich, dass es zu "Verschiebungen zwischen Individualsport und Mannschaftssport" kommt - je nachdem, wie lange die Einschränkungen noch dauern. "Aber die Erfahrung zeigt auch: Manche Kinder brauchen Bälle und ein Team um sich herum, andere fühlen sich beim Individualsport wohler." Dass Kinder "ihre Erfahrungen und sozialen Bindungen so schnell aufgeben, weil ihr Sport gerade nicht in gewohntem Umfang stattfinden kann, halte ich für unwahrscheinlich", so Müller weiter.

Tennis sei in den vergangenen Jahren leider kein so gefragter Sport mehr gewesen, sagt Wolfgang Schnabel, Abteilungsleiter Tennis beim SV Leingarten. "Wir würden uns freuen, wenn wieder mehr los wäre. Und an der Beteiligung junger Menschen sind wir sowieso immer interessiert." Sicher könne man aktuell "keine Riesenmengen von Neulingen" bewältigen, aber die Kapazitäten für einige weitere Kinder auf den acht Außenplätzen seien vorhanden und der Verein beschäftige eigene Trainer. Die Eltern seien jedenfalls froh, dass es wieder losgehe. Schnabel sagt: Die Hygiene- und Abstandsregeln sind bei uns gut umzusetzen. "Warum also nicht?"


Valerie Blass

Valerie Blass

Autorin

Valerie Blass ist Autorin im Politikressort. Ihr besonderes Interesse gilt Themen aus dem Bereich Gesundheit.

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