Warmer Samstag rettet das Einkaufs-Wochenende in der Heilbronner City

Heilbronn  Händler sind erleichtert über die volle Innenstadt am Samstag. Die Stimmung unter den Händlern ist sehr unterrschiedlich: Modehäuser sind in großer Sorge, Anbieter von Waren, die das Wohnen angenehmer und komfortabler machen, sind optimistisch.

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Weihnachtsgeschäft bei Seel: Am Samstag waren die Geschäfte in der Heilbronner Innenstadt gut besucht.

Foto: Berger, Mario

Am Samstag war die Heilbronner Innenstadt so prall gefüllt, als gebe es kein Corona. Auch in den Geschäften herrschte rege Betriebsamkeit. Dabei waren die Erwartungen an das Einkaufswochenende sehr unterschiedlich. Die geschlossene Gastronomie würde die Laufkundschaft aus den Straßen fegen, hatten viele Einzelhändler befürchtet.

"Im Anbetracht der Begleitumstände war die Situation erfreulich", urteilte der Sprecher der Stadtinitiative Thomas Gauss. "Wir mussten mit schlechteren Frequenzen rechnen." Auch wenn die Einzelhändler aufgrund des sonnigen Wetters  mit einem blauen Auge davongekommen sind, so ist die Stimmung je nach Sortiment unterschiedlich.

 

Warum gerade Mode so wenig gefragt ist

Anbieter von Waren, die dazu geeignet sind, das eigene Heim angenehmer oder komfortabler zu machen, seien vom Teil-Lockdown nahezu unberührt. Modehäuser seien schlimmer dran. "Am meisten tun mir die Reisebüros leid", sagt Gauss. "Aufgrund der Stornierungen müssen sie das, was sie zuvor mühsam verdient haben, wieder an die Kunden zurückzahlen."

Dass die Modehäuser in diesen Tagen hart getroffen sind, bestätigt Axel Palm, Juniorchef des gleichnamigen Modehauses. "Im Homeoffice brauchen Sie kein neues Sakko." Und ohne Veranstaltungen seien Frauen kaum daran interessiert, ein neues Kleid zu kaufen. Bis zu 40 Prozent weniger Umsatz, so schätzt Axel Palm, habe der Familienbetrieb seit Beginn der Pandemie im März erwirtschaftet. Seine Lehre aus der Pandemie? "Wir müssen digitaler werden." Seit drei Wochen baut Palm einen Vertriebszweig auf Zalando auf.

Was zur Zeit ganz gut läuft

Im Schreibwaren-Fachgeschäft Seel habe das Weihnachtsgeschäft wie auf Knopfdruck am Freitag eingesetzt. Das berichtet Geschäftsführerin Eva Schnepf mit einer gewissen Erleichterung. Seit Beginn des Teil-Lockdowns sei das Geschäft dagegen eher zäh verlaufen. "Von der zweiten Oktoberhälfte bis Anfang November haben wir nur den halben Umsatz erzielt." Deshalb sei die Hälfte der Belegschaft in Kurzarbeit.

Was derzeit gut laufe, sei Zubehör für Hobbys, die man zuhause ausüben kann: Künstlerbedarf, Malen, Basteln. Auch Ausstattung für das Homeoffice stehe hoch im Kurs. Seel setzt jetzt stärker auf Online-Vermarktung. "Wir sind auf allen Social-Media-Kanälen vertreten und liefern unsere Ware, weihnachtlich verpackt, an die Kunden."

Warum sich Kunden jetzt besonders über Zuwendung freuen

Gottfried Friz, Inhaber des gleichnamigen Bettwaren-Fachgeschäfts, versucht der Pandemie mental zu begegnen. "Wir begrüßen unsere Kunden jetzt noch bewusster mit freundlicher Zuwendung. Friz ist überzeugt, dass die Menschen dies gerade in einer Zeit eingeschränkter Sozialkontakte dankbar in Anspruch nehmen. "Wir können unsere Ziele im Weihnachtsgeschäft erreichen. Vorausgesetzt, es gibt keine weiteren Verschärfungen", so Gottfried Friz vorsichtig optimistisch.


Jörg Kühl

Jörg Kühl

Autor

Jörg Kühl arbeitet seit 2020 als Redakteur der Heilbronner Stimme.

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