Waldpatenaktion: Junge Menschen retten junge Bäume

Heilbronn  Waldpaten engagieren sich in den Schulferien für die Wiederaufforstung kahler Flächen im Stadtwald. Mehr als 500 Wildlinge haben die Schüler des Mönchsee-Gymnasiums gesammelt.

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Breite Unterstützung erhielt Maximilian von der Herberg (dritter von rechts) vom Forstamt und Mitschülern am Aktionstag der Waldpaten, bei dem rund 500 Eichen-Wildlinge gesichert wurden.

Foto: Sebastian Kohler

Auf dem Weg zum Abitur erscheint ein Sozialpraktikum nicht gerade als Meilenstein in der Schullaufbahn. Pflicht ist es in der neunten Klasse auf dem Mönchsee-Gymnasium trotzdem. Weil pandemiebedingt kaum eine soziale Einrichtung Verwendung für Schüler hat, initiierte Maximilian von der Herberg vergangenen Herbst das Waldpatenprojekt.

Anpacken in den Ferien

Zwar wurde es zunächst zum Klassen-, später gar zum Schulprojekt hochgestuft, ob es letztlich ersatzweise als Sozialpraktikum anerkannt wird, ist noch unklar. "Ich befinde mich deswegen in Gesprächen mit der Schulleitung und der Praktikumsbeauftragten", erklärte der 15-Jährige.

Anerkennung hin oder her, im Heilbronner Stadtwald fanden sich am Dienstag dennoch sieben Schüler des Mönchseegymnasiums, die gemeinsam mit Forstamtsmitarbeitern eine von den Jugendlichen angestoßene Waldpflegeaktion durchführten. Forstamtsleiter Stephan Drescher freute sich über die Aktion: "Wenn das Bewusstsein der Jugend in den letzten Jahren auch merklich gestiegen ist, dass soviel Eigeninitiative an den Tag gelegt wird, ist außergewöhnlich und verlangt großen Respekt." Bereits im Frühjahr hatte sich die Gruppe um das Biotop Wald verdient gemacht, als sie 35 von der Lebenswerkstatt für Menschen mit Behinderung gebastelte Nistkästen im Stadtwald verteilte.

Nicht nur der Wald profitiert

Rund 550 Eichen-Wildlinge sammelten die mit Hohlspaten ausgerüsteten Schüler zwischen zehn und 18 Jahren am Aktionstag. Diese werden nun über den Sommer gepäppelt, damit sie im Herbst oder Frühling an einem geeigneten Ort verpflanzt werden können. "Ohne Max wäre das nie zustande gekommen", sagt am Aktionstag auch Forst-Azubi Tobias Schaudt. Im Boot sind mittlerweile auch eine Heilbronner katholische Kirchengemeinde sowie der Nabu-Ortsverein. "Dass es so groß wird", gibt Max zu, "hätte ich auch nicht erwartet." Besonders erfreut ist er aber, dass er innerhalb der eigenen Schule auf tatkräftige Unterstützung trifft: "Schön ist, dass sich so viele in den Ferien ehrenamtlich für die Umwelt engagieren."

Abgesehen von den in blauen Pflanzencontainern umgetopften Baumsetzlingen ging es auch um den bereits vorhandenen Baumbestand. So wurde etwa Müll eingesammelt sowie alte Verbissschutzhülsen, die junge Blätter vor Fressfeinden schützen. "Teil der Aufgabe ist es auch, Zukunftsbäume zu identifizieren und zu markieren", erklärt Drescher. "Anschließend werden die Bäume mit hohem Qualitätspotenzial freigeschnitten, damit sie Platz zur Entfaltung bekommen." So profitiert nicht nur der Wald, auch die Jugendlichen lernen noch etwas dazu. Eigentlich sei der Arbeitseinsatz gar nicht vorgesehen gewesen, erklärt Max: "Wir hatten uns für den EnBW-Macherbus beworben." Bei der karitativen Ausschreibung erhält der Gewinner 5000 Euro sowie zahlreiche Helfer, die an einem Tag ehrenamtlich für Arbeitseinsätze zur Verfügung stehen. "Jetzt müssen wir das Geld eben wieder reinholen, indem wir selbst Hand anlegen", sagt der Schüler. Die ausgestochenen Wildlinge werden nun von Max zu Hause mit viel Wasser und Geduld über den Sommer gebracht, "einmal wöchentlich brauchen die mindestens Wasser".

Prominente Schirmherrschaft

Wann und wie viele der Nachwuchs-Eichen in einem geeigneten Waldstück in und um Heilbronn gesetzt werden können, ist noch nicht klar. "Etwa fünf von den gesammelten Wildlingen werden statistisch gesehen eines Tages ebenfalls Z-Bäume", erklärt Drescher die Relation zwischen Aufwand und Ertrag.

Kaum 15 Zentimeter hoch ragen die Eichen-Wildlinge auf einem Stück Wald am Parkplatz auf der Waldheide. Zu 90 Prozent bestehen die gesammelten Nachwuchs-Bäumchen aus Eichen, der Rest setzt sich aus Buchen zusammen, auch einige Ahorn-, Walnuss- und Douglasien-Setzlinge sind dabei. "Im Herbst wollen wir diese dann bei einem großen Aktionstag verpflanzen", sagt Maximilian von der Herberg. Auf dem Waldstück hätte großer Konkurrenzkampf geherrscht. "So hätten nur wenige Bäume gedeihen können", erklärt Stephan Drescher vom Forstrevier Ost. Für den Tag der Verpflanzung hat sich Max prominente Unterstützung gesichert. Zu den Unterstützern der Waldpaten gehört etwa Landesinnenminister Strobl, Oberbürgermeister Harry Mergel hat die Schirmherrschaft übernommen. Auch Gesundheitsminister Manne Lucha (Die Grünen) ist Schirmherr - und hat bei einem Besuch in Heilbronn zugesagt, selbst bei der Pflanzaktion zur Schaufel zu greifen.


Kohler

Sebastian Kohler

Volontär

Sebastian Kohler arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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