Weihnachtsmarkt-Veranstalter stehen vor schweren Entscheidungen

Region  Was Veranstaltungen betrifft, steht das Jahr 2020 unter keinem guten Stern. Damit wenigstens ein besinnlicher Jahresabschluss gelingt, müssen sich die Trägervereine von Weihnachtsmärkten etwas einfallen lassen. Ob und wie geplant wird, zeigt der Blick nach Bad Friedrichshall, Eppingen und Heilbronn.

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Dicht an dicht drängten sich 2019 die Besucher auf dem Weihnachtsmarkt in Bad Wimpfen. Ob dieses Jahr eine Neuauflage stattfindet, ist ungewiss.

Foto: Archiv/Veigel

"Ganz absagen wollen wir den Kochendorfer Weihnachtsmarkt auf keinen Fall", stellt Katrin Neumann klar. Dennoch, das Risiko im Corona-Jahr 2020 wird in Bad Friedrichshall ernst genommen. Es findet eine "Planung mit Vorbehalten" statt. Die Leiterin des Bad Friedrichshaller Stadtmarketings hebt die Wichtigkeit der Veranstaltung hervor: "Weihnachtsmärkte sind fester Bestandteil unserer Kultur, nicht nur hier, sondern im ganzen Land."

Eigentlich sollte die Veranstaltung vom 27. bis zum 29. November auf dem Kochendorfer Kirchplatz stattfinden. Doch dieses Jahr macht sich Verunsicherung breit. "Die Vereine kommen langsam aus der Sommerpause, die Nachfragen häufen sich", sagt Neumann. Für verbindliche Aussagen sei es zu früh.

Alternativprogramm ins Auge gefasst

Weil der Platz auf dem Kirchplatz so eng bemessen ist, sei eine Austragung höchst problematisch. Deshalb fasse man bereits Alternativen ins Auge: "Eine weihnachtliche Stadtführung oder ein Weihnachtskonzert, könnte ich mir vorstellen." Wohl zwischen 20 und 100 Personen würden für derartige Veranstaltungen in Frage kommen. Es wäre ein ähnliches Prozedere wie beim Heilbronner Weindorf, das durch eine Reihe ausgelagerter Kleinveranstaltungen ersetzt wird.

Dasselbe Schicksal wie das Weindorf ereilt den Weihnachtsmarkt im Eppinger Stadtteil Mühlbach, 2020 ist die Durchführung ob der vielen Vorschriften undenkbar. "So schade es auch ist", sagt Ortsvorsteher Theo Antritter, "mittlerweile gewöhnt man sich an die Absagen."

Vereine gehen leer aus

Man habe schnell Klarheit gewollt und daher frühzeitig die Beschicker und teilnehmenden Vereine kontaktiert. "Der Tenor war: Unter diesen Umständen machen wir das nicht", erzählt Antritter. Dabei sei nicht der wirtschaftliche, sondern der Schaden an der Gemeinschaft schwerwiegender. "Der Erlös stand für Mühlbach immer an zweiter Stelle." Er räumt aber ein: "Manche Vereine werden daran zu knabbern haben."

Schwerwiegender sei der Ausfall der Kirchweih an Pfingsten gewesen. "Das war ein echter Hammerschlag", so Antritter. Auch die Planung des Heilbronner Käthchen-Weihnachtsmarkt ist noch nicht in trockenen Tüchern.

Die Hoffnung, auf einen grünen Tannenzweig zu kommen

Dezentrale Feierlichkeiten seien beispielsweise denkbar, sagt Steffen Schoch von der Heilbronner Marketing Gesellschaft. "Da kämen etwa der Marktplatz, der Innenhof des Deutschhofs und der Platz am Bollwerksturm in Betracht." Auf einen Fußballplatz oder die Theresienwiese ausweichen? Das sei keine Alternative. "Wir wollen Frequenz in der Innenstadt schaffen, um dort die Geschäfte zu unterstützen." Für konkretere Planungen sei es noch zu früh. Außerdem wolle man noch mehr Verantwortungsbewusstsein demonstrieren, nachdem die Eröffnung der Weindorf-Auslese online für einen Shitstorm gesorgt hatte. "Letzte Woche wäre ich vielleicht euphorischer gewesen", so der Geschäftsführer der HMG, "mittlerweile gehen wir mit noch mehr Sensibilität an die Thematik."

Noch komplizierter wird der Julbock-Markt

HMG-Pressesprecherin Sara Furtwängler ergänzt: "Wir wollen Begegnungsorte schaffen und stehen deshalb im Austausch mit dem Ordnungsamt." Wichtig wäre der Käthchen-Weihnachtsmarkt auch für die Schausteller. Seit März fehlt der Branche die Geschäftsgrundlage. Womöglich kommt sie in Heilbronn auf einen grünen Tannenzweig.

Noch komplizierter als unter freiem Himmel dürften Veranstaltungen im "alten Lokschuppen" werden, wie Pfarrer Jochen Rexer das Böckinger Eisenbahnmuseum liebevoll nennt. "Man sollte nicht mit dem Julbock-Markt in seiner klassischen Form rechnen", so Rexer. In welcher Form am ersten Advents-Wochenende gefeiert werde, darüber mache man sich beim Trägerverein Böckinger Ring schon viele Gedanken. "Wir versuchen, so viel wie möglich ins Freie zu verlagern." Nach der Vorstandsklausur am 8. Oktober hofft er, klarer zu sehen.


Kohler

Sebastian Kohler

Volontär

Sebastian Kohler arbeitet seit Oktober 2019 als Volontär bei der Heilbronner Stimme.

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