Heilbronner-Stadtrat kämpft wortgewaltig um Viehweide-Antrag für "sein" Böckingen

Heilbronn  Eine emotional-humorvolle Debatte entwickelte sich im Gemeinderat über die künftige Nutzung der Viehweide in Böckingen. Die SPD sähe dort gerne einen Recyclinghof, das Betriebsamt und die Freiwillige Feuerwehr. Die Verwaltung erarbeitet jetzt einen Rahmenplan.

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Was einmal aus diesem Teil der Viehweide wird, interessiert die Böckinger: Kommen der Recyclinghof, die Feuerwehr und der Betriebshof hierher?

Fotos: Ralf Seidel

Wie einst Arnold Schwarzenegger als Terminator kämpfte in der letzten Sitzung des Gemeinderats SPD-Stadtrat Herbert Tabler wortgewaltig um "sein" Böckingen. Im Kern ging es darum, Lösungen zu finden, wie die Brachfläche an der Hohlstraße zeitnah mit Wohn- und Geschäftshäusern gestaltet werden kann und welche Rolle dabei die Viehweide spielt.

Anfang August hatten die Böckinger SPD-Stadträte Tabler und Harald Pfeifer die Verwaltung aufgefordert, für die Viehweide einen Bebauungsplan aufzustellen. Enthalten sollte das Planwerk folgende Nutzungen: Ansiedlung der Freiwilligen Feuerwehr, des Betriebsamts und des Recyclinghofs. Außerdem sollte der Bau einer Kaltsporthalle auf den Flächen der TG Böckingen auf den Weg gebracht werden.

Argumente der Verwaltung ziehen

Schon einmal, im Jahr 2017, hatte Tabler einen vergleichbaren Antrag gestellt. "Doch passiert ist nichts", kritisierte er jetzt die Verwaltung. Deshalb sei der Antrag nun erneut notwendig. Warum keine Bewegung in die Sache kam, begründet die Verwaltung in der Drucksache mit "sich mehrmals geänderten planerischen Anforderungen" und damit einhergehender Neufassung der Konzepte. Unter anderem, so heißt es, "musste 2019 die Planung für den Recyclinghof komplett überarbeitet werden", und 2020 hatte der Bauhof Böckingen "einen deutlich höheren Flächenbedarf angemeldet", was zu neuen Planungen geführt habe.

Vom Vorschlag der SPD, einen Bebauungsplan "Viehweide" aufzustellen, hält die Verwaltung wenig. Als Argumente werden unter anderem angeführt, dass für das Gelände "keine grundlegenden Änderungen" geplant seien und sich Nutzungsansprüche wie beispielsweise von der Freiwilligen Feuerwehr Böckingen noch ändern könnten.

Viehweide soll grünes Freizeitareal bleiben

SPD scheitert mit Viehweide-Antrag

Die Brachfläche an der Hohlstraße/Klingenberger Straße soll überbaut werden. Nur wann, das steht noch nicht fest. Solange bleibt der Platz ein Schandfleck.

Stattdessen will die Verwaltung die Viehweide über einen sogenannten Rahmenplan unter den Gesichtspunkten Sport, Freizeit, Verkehr und Freiraum weiterentwickeln. Wichtig ist dabei, dass der Charakter der Viehweide als grünes Freizeitareal gesichert wird.

"Die SPD hat mit ihrem Antrag einen rosaroten Luftballon gestartet, dem jetzt die Luft ausgeht. Das war ein wunderbares Sommerloch-Thema", reagierte der aus Böckingen kommende CDU-Stadtrat Karl-Heinz Kübler auf die Tabler"schen Emotionen. Auch von der Böckingerin Ulrike Morschheuser (Grüne) bekam Tabler keine Unterstützung: "Der Rahmenplan definiert Ziele, die nach und nach realisiert werden." Sie appellierte an die Verwaltung, die Planungen "nicht zu lange hinauszuziehen".

Es gibt Wichtigeres als die Viehweide

Dass die SPD zuletzt ihren Antrag als Bitte an die Verwaltung umformuliert hat, entlockte AfD-Stadtrat Alfred Dagenbach (Böckingen) "ein Schmunzeln": "Da kann die Verwaltung doch jetzt machen, was sie will." "Es gibt angesichts von Haushaltsresten in Höhe von 144 Millionen Euro Wichtigeres als die Viehweide", rückte ungewohnt auch FWV-Stadtrat Herbert Burkhardt vom Vorstoß seines Kumpels Herbert Tabler ab.

Der wiederum konterte gereizt: "Wenn es in Neckargartach so eine Brachfläche wie in Böckingen an der Hohlstraße gäbe, würdest du anders sprechen." Kein Verständnis für den SPD-Antrag hatte auch FDP-Stadtrat Gottfried Friz: "Es besteht absolut kein Grund, ihn jetzt auf die Überholspur zu setzen. Es gibt andere Dinge, die gemacht werden müssen."

 

Joachim Friedl

Joachim Friedl

Stv. Leiter der Stadtkreis-Redaktion

Joachim Friedl arbeitet seit Ende 1979 bei der Heilbronner Stimme. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Kommunalpolitik.

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