So will die Stadt Heilbronn künftig alte Fahrräder entsorgen

Heilbronn  Ausgediente Drahtesel blockieren zunehmend die raren Abstellanlagen in Heilbronn, vor allem am Hauptbahnhof. Die Stadt greift nun ein und legt ein spezielles Handlungskonzept vor.

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Besonders ärgerlich ist es, wenn Schrotträder Stellplätze blockieren oder gar zur Gefahr für andere werden, wenn sie den Verkehr behindern.

Fotos: Archiv/Mugler

Schrotträder, defekte Drahtesel, alte Göppel: Wie immer man sie auch nennen mag. Ausrangierte, meist fahrunfähige Fahrräder, respektive deren Einzelteile, blockieren zunehmend die raren Radler-Stellplätze, geben ein unschönes Bild ab und stellen die Straßenreinigung vor Probleme. Am Hauptbahnhof ist es mitunter ganz schlimm.

Unabhängig davon, ob sie nun einfach vergessen oder woanders gestohlen wurden. Die Stadt Heilbronn hat allein am Bahnhof im Winter 2019/20 42 solcher "Rostlauben", wie Baubürgermeister Wilfried Hajek sagt, aus dem ruhenden Verkehr gezogen. Nur sechs wurden innerhalb der Aufbewahrungsdauer von sechs Monaten von den Besitzern später abgeholt, der Rest wurde weiterverwertet oder verschrottet.

Heilbronn steuert dagegen an

Nun will die Stadt mit einem schlüssigen Konzept gegensteuern. Stefan Muth vom Amt für Straßenwesen stellte es jetzt im Bauausschuss des Gemeinderates vor. Muth wusste sehr wohl zu differenzieren, und zwar in drei Gruppen: fahrtüchtige Fahrräder, die "aufgegeben" oder nur vergessen wurden, fahruntaugliche Schrotträder sowie wild abgestellte Schrotträder, von denen sogar eine Gefahr ausgehen könnte, weil sie den Verkehr behindern. Letztere können laut Muth von der Stadt ohne Probleme "ganz legal" entfernt werden.

Bliebe die Frage, was ein Rad zum "Schrottrad" macht? Davon kann laut Muth die Rede sein, wenn mehrere der folgenden Kriterien erfüllt sind: defekte Bremsen, verrostete Kette, platte Reifen, fehlendes beziehungsweise verbogenes Vorder- oder Hinterrad, fehlender Lenker, kein Sattel, kurzum: Bei einem "allgemein desolaten Zustand, bei dem Reparaturkosten den Wert des Rads übersteigen würden", spreche man von einem "Schrottrad".

Schrott oder doch noch nicht?

Heilbronn entsorgt alte Drahtesel am Straßenrand

Dieser alte Göppel in Horkheim läuft außer Konkurrenz. Er stellt einen Willkommensgruß dar und hängt hinter der Schleuse auf der Insel.

Foto: Mario Berger

Wer den "Schrottstatus" ermittelt? Das Ordnungsamt. Gleichzeitig setze das Amt für Straßenwesen nach Bedarf Termine für Räumungsaktionen an - außerhalb der Ferien. Großaktionen würden durch die Presse angekündigt, aber auch mit Banderolen an den Rädern. Die Abfuhr selbst übernimmt das Betriebsamt - im Beisein von Vertretern des Amts für Straßenwesen, eventuell des Ordnungsamts sowie der Polizei. Vor Ort wird ein Zettel hinterlassen, der mögliche Besitzer informiert, wo ihr Rad geblieben ist. Die entfernten Schrotträder werden dokumentiert (Fundort, Zustand, Rahmennummer, Foto) und drei Monate in Containern auf der Deponie Vogelsang eingelagert. Dort prüft die Polizei, ob gestohlene Fahrräder dabei sind, wobei die Besitzer dann informiert werden. Was nach drei Monaten noch da ist, wird entsorgt.

Obacht: Ähnlich wird - ohne Ankündigung - verfahren, wenn intakte Räder die Reinigung oder Reparatur von Stellplätzen blockieren.

Rege Altrad-Debatte im Ratsrund

Im Ratsrund brachte die Sache eine rege Debatte in Gang. "Solche kriminellen Unsitten" müssten schon im Vorfeld abgestellt werden, meinte CDU-Stadtrat Karl-Heinz Kübler, der nach 40 Jahren Polizeidienst wisse, dass es sich bei den desolaten Untersätzen meist um Diebesgut handle. Ein anderer Polizist von einer anderen Partei, Harald Pfeiffer von der SPD, lobte indes das Konzept als "völlig rund und durchdacht". Das "wilde Durcheinander" sei das beste Argument für die Notwendigkeit eines Fahrradparkhauses, merkte Konrad Wanner (Linke) etwas schelmisch an.

"Guter Rat ist teuer", sagte Michael Seher von der AfD, ohne zu sagen, was er damit zum Ausdruck bringen wollte. Dass solche Räder allein am Heilbronner Hauptbahnhof elf Prozent der Stellplätze blockieren, fand Gottfried Friz (FDP) "erstaunlich". Und Eva Luderer von den Grünen meinte, auch alte Autos gehörten auf diese Art aus dem Verkehr gezogen.

 


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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