Situationen, an denen selbst Schiedsrichter verzweifeln

Fußball  Im Fußball geht es für Unparteiische nicht nur um Foul, Abseits oder Handspiel. Spezielfragen beim Stimme-Lesersommer.

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Handspiel ja oder nein? Abseits, oder doch nicht? Vor dem Fernseher oder am Wochenende als Zuschauer auf dem Fußballplatz: Über Schiedsrichter-Entscheidungen lässt sich ausgiebig diskutieren. Um die ganz speziellen Regeln, die nur in ganz seltenen Fällen zum Tragen kommen, ging es bei der Lesersommer-Aktion der Heilbronner Stimme im Stadion des FC Union Heilbronn am vergangenen Samstag.

Acht Leser und Leserinnen der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung/Kraichgau Stimme hatten auf der Tribüne des Stadions an der Viehweide Platz genommen und lauschten interessiert den Ausführungen von Verbandsliga-Schiedsrichter Danny Kapell, der für die Spfr Tiefenbach pfeift und der Gruppe Kocher/Jagst angehört.

Bettina Bär und Hans Peter Hafner schneiden am besten ab

Im Mittelpunkt der 90 Minuten plus Nachspielzeit stand ein Quiz mit sechs außergewöhnlichen Fragen zur Regelkunde, mit jeweils drei Antwort-Möglichkeiten. "Es braucht sich definitiv niemand schämen, weiß er die Antworten nicht", nahm Kapell den Teilnehmern die Angst. "Ich bin mir sicher, es gibt Schiedsrichter, die an der einen oder anderen dieser speziellen Regelfragen scheitern würden." Am Ende gab es zwei Sieger. Hans Peter Hafner aus Heilbronn und die einzige Frau in der Runde, Bettina Bär aus Bad Wimpfen. Beide lagen je vier Mal richtig. "Da war sehr viel Bauchgefühl dabei", freute sich Bettina Bär über ihr Top-Ergebnis. "Selbst für mich als Frau war die Veranstaltung sehr interessant und unterhaltsam."

Danny Kapell stand anschließend für weitere Fragen rund um die Schiedsrichterei zur Verfügung und erklärte, dass man in diesem Metier im Amateurbereich nicht reich werden kann. "Pfeift man ein Spiel in der B-Liga, gibt es 33 Euro Aufwands-Entschädigung, in der Bezirksliga sind es 40. Hinzu kommt noch das Fahrtgeld, 30 Cent pro Kilometer", erzählte der Berufschullehrer, dass der Zeitaufwand mit Anreise eine Stunde vor Anpfiff, Heimfahrt und der Nachbereitung mit Spielbericht auch schon mal sieben bis acht Stunden betragen kann. "Da ist dein Sonntag kaputt", sagte Kapell, der pro Saison 80 bis 100 Spiele leitet. Man müsse schon mit dem Herz dabei sein, sonst würde man sich das nicht aufbürden - bei all den Anfeindungen und Beleidigungen, denen man mitunter ausgesetzt ist.

Danny Kapell nimmt eine Anregung mit

Die Lesersommer-Aktion kam gut an. "Danke für den nicht alltäglichen Einblick in die Schiedsrichterei", sagte der Leingartener Jan Löding, und der 14-jährige Kilian Herold aus Forchtenberg merkte an: "Sehr tolle Aktion, es war für jeden etwas dabei." Hans Peter Hafner meinte, er sei trotz der Hitze gerne da gewesen. Auch Herbert Bielohoubek (Heilbronn), Hans Jörg Bär (Bad Wimpfen) und der Öhringer Rolf Endreß waren zufrieden, habe man doch einiges gelernt.

Bettina Bär gab Danny Kapell noch eine Anregung mit auf den Heimweg, um vielleicht mehr Nachwuchs zu gewinnen: "Warum macht ihr Schiedsrichter solch eine Aktion nicht auch einmal bei den Vereinen vor Ort?" Kapell nahm diesen Tipp dankend an.

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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