Runder Tisch der Religionen in Deutschland tagt in Heilbronn

Heilbronn  Impfdebatte, Rassismus, Moschee-Neubauten: Mit brandaktuellen Themen meldet sich der Runde Tisch der Religionen in Deutschland zu Wort. Die Initiative tagt erstmals in Heilbronn.

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Der Runde Tisch der Religionen in Deutschland im Heilbronner Rathaus mit (von links) Roswitha Keicher, Norbert Hackmann, Dr. Franz Brendle, Prof. Dr. Johannes Lähnemann, Bischof Bertram Meier und Dr. Alexander Kalbarczyk.

Foto: Mario Berger

Religionen sind eigentlich für die Ewigkeit zuständig, mag man meinen. Doch durch ihre zeitlosen Werte wie Freiheit, Verantwortung und vor allem Nächstenliebe können sie mitunter auch ganz schön aktuell sein. Dies zeigte sich am Donnerstag beim Tag der Religionen, dessen zentrale Tagung für Deutschland in Heilbronn stattfand: tags mit internen Beratungen, abends bei einer öffentlichen Veranstaltung im Rathaus und mittags bei einer Pressekonferenz. Die aktuelle Impfdebatte, Anfeindungen gegen Juden und Muslime, aber auch der Gebetsruf des Muezzin und Moschee-Neubauten in deutschen Städten sorgten am Rande für rege Debatten.

Auch Verantwortung für andere

Gleich zum Auftakt ruft der Runde Tisch der Religionen dazu auf, "die Chancen der Impfung wahrzunehmen": angesichts von weltweit Millionen Toten, schwerer Verläufe von Covid-Erkrankungen und oft gravierenden Nachwirkungen, aber auch wegen der Belastung von Ärzten und Pflegekräften. Und: Nicht zuletzt angesichts der wissenschaftlich nachgewiesenen Tatsache, dass nur konsequentes Impfen - zusammen mit den Hygiene- und Distanzmaßnahmen - der Pandemie ein Ende setzen könnten.

"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" - Dieses Gebot ziehe sich wie ein roter Faden durch die Grundüberzeugungen aller Religionen. "Es geht eben nicht nur um mich selber", sagte Geschäftsführer Dr. Franz Brendle, "so wie wir selbst um unsere Gesundheit besorgt sein sollen, sollen wir uns für den Schutz und die Bewahrung des Lebens der Anderen einsetzen".

"Wir setzen da stark auf Information und Aufklärung", gleichzeitig wolle man aber Menschen, die sich aus welchen Gründen auch immer, nicht geimpft sind, nicht ausschließen, sagte die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs. So sind etwa auch die Gottesdienste in Württemberg für alle Menschen unabhängig von ihrem Corona-Immunisierungsstatus zugänglich, aber nur bei Einhaltung eines Hygienekonzeptes. Solche Konzepte gelten natürlich für alle Gotteshäuser, wie Prof. Dr. Assaad Elias Kattan als Mitglied der Orthodoxen Bischofskonferenz und Murat Sahinarslan von der Kölner Zentral-Moschee betonten.

Gegen jede Form von Ausgrenzung

Gleichzeitig verurteilen Fehrs, Brendle und andere Mitglieder jede Form von Rassismus und Ausgrenzung, sei es im Alltag gegen Kippa- oder Schleierträger, vor allem aber bei Angriffen und Anschlägen auf Synagogen oder Moscheen. Dass "nach dem Holocaust und dem Aufbau unserer den Menschenrechten verpflichteten Demokratie wieder die Saat rechtsradikaler Ideologie aufgehen kann, trifft uns ins Herz". In einer Erklärung ruft der Runde Tisch dazu auf, "jedem Extremismus und jeder rassistischen Hetze in Zusammenarbeit mit allen zivilgesellschaftlichen Kräften entgegen zu wirken" sowie in Politik, Bildung, Begegnung und Zusammenarbeit "die Werte der Solidarität, der wechselseitigen Anerkennung und Achtung, der Partnerschaft und Freundschaft mit Leben zu füllen, frei von jedem Hass".

Offene Fragen zum Moschee-Neubau klären

Über die Debatte, ob Muezzin-Gebetsrufe in deutschen Städten möglich sein sollten und die laut Brendle ständig wiederkehrende Frage, ob Minarette höher als Kirchtürme sein dürfen, kam am Rande auch der in Heilbronn geplante Moschee-Neubau zur Sprache. Norbert Hackmann von Religions for Peace, der nach einer ablehnenden Gemeinderatsentscheidung im Frühjahr die Religionsfreiheit angemahnt hatte, und Roswitha Keicher von der Stabsstelle Partizipation und Integration erinnerten, dass "der Gesprächsfaden nicht gerissen" sei. Stadt und Bauherr Ditib würden derzeit Kritikpunkte abarbeiten, wobei einem Verkehrsgutachten die Schlüsselrolle zukomme. "Da geht es rein ums Baurecht, das darf man nicht mit politischen Aspekten vermischen."


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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