Weniger Teilnehmer als erwartet bei "Querdenken"-Demo in Heilbronn

Heilbronn  In Heilbronn hat auf einer Rasenfläche neben dem Frankenstadion am Samstag eine Demo der örtlichen Querdenker-Bewegung stattgefunden. Im Anschluss daran unterband die Polizei zwei Spontanaufzüge. Es gab doch noch Platzverweise, eine Person wurde in Gewahrsam genommen.

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Die Stimmung vor Beginn der Demo war kurzzeitig latent aggressiv. Einzelne Demo-Besucher suchten Streit mit der Polizei, indem sie sich dem Tragen von Masken verweigerten. Sie sprachen von Schikane.

Das Anti-Konflikt-Team der Polizei versuchte sich in Gesprächen mit ihnen. Ein verärgerter Mann zog Gestapo-Vergleiche, der Polizeibeamte ärgerte sich sehr darüber. "Ich bin ein Mensch in Uniform", sagte er. Solche Gestapo-Aussagen finde er absolut unangebracht. Der Mann war später bereit, eine Maske zu tragen und konnte dann an der Demo noch teilnehmen.

Diskussion über Auflagen

Außerhalb des Geländes standen Menschen ohne Masken in Gruppen beieinander und diskutierten aufgeregt über die Auflagen. Im späteren Verlauf saßen welche neben ihren Autos auf mitgebrachten Klappstühlen und konnten von dort ohne Maske den Rednern zuhören.

Viele Menschen sind gekommen, um friedlich zu demonstrieren und halten sich daher ohne Diskussionen an die Auflagen. Er habe aber Verständnis für die Verärgerten, sagt ein Demonstrant aus dem Landkreis. "Ich empfinde die Maskenpflicht als entmündigend."

Sporttherapeut Jörg Beißmann aus Eberbach suchte das Gespräch zu den Gegendemonstranten, das er im Anschluss als konstruktiv bezeichnete. Er sehe, dass sich Teile der Querdenken-Bewegung nicht genügend distanzierten von Reichsbürgern und anderen Einflüssen. Er frage sich bloß, wo er denn dann seine Meinung vertreten könne, dass er die Maßnahmen der Regierung als übertrieben empfinde. "Es tut mir im Herzen weh, als früherer Rot-Grün-Wähler ausgerechnet von diesen Parteien die Nazi-Pauschalisierungen über Demonstranten zu hören."

Mehrere Monate lang sei er nun in Kurzarbeit gewesen und die Corona-Maßnahmen zögen sich zu lange hin, sagt Beißmann weiter. Und es sei einfach so, dass "wir momentan eine Untersterblichkeit haben, trotz Corona". Er verharmlose Corona in keiner Weise, "aber wollen wir uns zu Tode schützen?".

Die Auflagen für die Demonstration sind "ganz frisch", sagen Polizisten vor Ort. Wer auf das Rasengelände neben dem Frankenstadion will, muss Maske tragen - außer er kann ein Attest vorzeigen. Die Polizisten prüfen das, bestehen dann aber auf das Tragen eines Faceshields. Ob die Atteste möglicherweise von Ärzten leichtfertig vergeben worden sein könnten, prüfen die Polizisten vor Ort nicht. Hier müssten sie auf die Angaben der Ärzte vertrauen, die Atteste unterzeichnet haben, erklären die Polizisten.

Weil er kein Faceshield dabei hat, bekommt Demo-Organisator Alexander Staengle auf seine Nachfrage hin eines von der Polizei ausgehändigt. Er kündigte bereits eine nächste Demonstration an.

Polizeisprecher Frank Belz bezeichnete die Situation vor Ort im Verlauf der Veranstaltung als "entspannt".

Gegendemo kurzfristig angemeldet

Eine kleine Gegendemo findet auch statt, auf dem Parkplatz neben der Rasenfläche am Frankenstadion. Sie wurde nach Angaben der Polizei am Freitag kurzfristig angemeldet. Dahinter steht Niklas Rosche von der Initiative "Verstand2020". Zum gekippten Demoverbot für heute sagt er: "Ich verstehe das Ordnungsamt, das befürchtet, dass Auflagen missachtet werden." Zudem habe man ja in Heilbronn eine besonders hohe Inzidenz. Es sei aber auch so, dass das Versammlungsrecht zu sehen sei. Insofern hoffe er einfach, dass die Auflagen eingehalten werden "und es nicht so wird wie in Stuttgart". Für die von ihm organisierte Gegendemo hoffe er, "dass wir nicht so viele werden".

UPDATE Samstag 22.30 Uhr:

Im Anschluss an die Hauptkundgebung kam es gegen 17 Uhr an der Harmonie zu Unstimmigkeiten. Die Polizei unterband dort einen spontanen Aufzug.

„Die Polizei musste Platzverweise erteilen und eine Person in Gewahrsam nehmen“, teilt Polizeisprecher Frank Belz mit. Zudem habe die Polizei 22 Bußgeldverfahren wegen Verstößen gegen die Auflagen und gegen die Coronaverordnung eingeleitet.

Zunächst habe der Demo-Veranstalter im Anschluss an die Hauptkundgebung gegen 16.25Uhr einen spontanen Aufzug einiger Versammlungsteilnehmer in Richtung des Industriegebiets Böllinger Höfe angekündigt, heißt es in einem aktuellen Pressebericht der Heilbronner Polizei. Auch das wurde nach Angaben der Polizei bereits unterbunden. Gegen 16.30 Uhr sei es dann aber erneut zu einem spontanen Aufzug einiger Demo-Teilnehmer über die Badstraße in Richtung Innenstadt gekommen. In der Achtungstraße stoppte die Polizei diesen und löste ihn auf. 

Im weiteren Verlauf hätten sich einige Demonstranten in Kleingruppen entfernt, heißt es weiter. Rund 20 Personen seien durch die Innenstadt zur Harmonie gelaufen und „vermischten“ sich dort mit rund 20 weiteren Demonstranten, die zuvor auch bei der Kundgebung auf der Rasenfläche neben dem Frankenstadion dabei waren.


Adrian Hoffmann

Adrian Hoffmann

Reporter

Adrian Hoffmann ist Redakteur im Reporterteam der Heilbronner Stimme. Diese Einheit berichtet über das tagesaktuelle Geschehen in der Region und kümmert sich um investigative Recherchen.

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