Premiere der Weindorf-Auslese sorgt für Aufregung

Heilbronn  Die Eröffnungsfeier zur Heilbronner Weindorf-Auslese löst in sozialen Netzwerken einen wahren Shitstorm aus. Die städtische Facebook-Seite ist deshalb zeitweise gesperrt. Der OB betont: Es gab keine Verstöße gegen Corona-Regeln.

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Wegen Corona fällt das Heilbronner Weindorf dieses Jahr flach. Als Alternative haben Winzer, Wirte, Heilbronn Marketing GmbH (HMG) und Verkehrsverein die Weindorf-Auslese mit 140 Events an 30 Standorten organisiert. Übers Wochenende sorgte die Eröffnungsveranstaltung vom Donnerstag in sozialen Netzwerken für Aufregung. Wie berichtet waren dazu 112 Gäste zu einer Feier am neuen Heilbronner Parkhotel geladen. Auf Facebook löste dies einen wahren Shitstorm aus, also viele kritische Kommentaren mit oft unflätiger Wortwahl und beleidigendem Inhalt.

Hauptvorwurf: Die „Großkopfeten“ feierten unter sich und würden die Corona-Regeln ignorieren. So gab es auf der städtischen Facebook-Seite rund 900 Einträge. Von Samstag auf Sonntag war die Seite zeitweise gesperrt. „Die Vielzahl der Kommentare war schwer zu beobachten und nicht mehr seriös einzuordnen, wir gehen aber wieder online“, sagte Rathaussprecherin Suse Bucher-Pinell am Sonntagmittag.

OB: Keine Verstöße gegen Schutzmaßnahmen

OB Harry Mergel meinte auf Stimme-Anfrage, „Kritik ist ein Lebenselixier der Demokratie. Das ist gut und richtig so.“ Sie sollte aber zumindest im Ansatz berechtigt sein. Dies sei hier nicht der Fall. Beim Auftakt der Weindorf-Auslese, so betont Mergel, seien alle geltenden Regeln eingehalten worden. „Wenn fälschlicherweise der Eindruck entstanden sein sollte, dass das nicht so war“, bedauere er dies.

Die dreistündige Eröffnungsfeier, die die HMG „verantwortungsbewusst“ vorbereitet und durchgeführt habe, sollte zeigen, dass Geselligkeit, unbeschwertes Zusammensein und Lebensfreude auch unter den schwierigen Rahmenbedingungen möglich seien, betont Mergel. Die Weindorf-Auslese wolle zudem zwei besonders gebeutelte Branchen, nämlich Gastronomie und Weinwirtschaft, unterstützen. Die geladenen Gäste ergäben einen repräsentativen Querschnitt von Verantwortungsträgern aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kirche, überwiegend Menschen, die sich, so der OB, „ehrenamtlich besonders für unsere Stadtgemeinschaft engagieren.“

HMG-Chef:  Wollen Zeichen des Aufbruchs setzen

Theoretisch hätte man 500 Personen einladen können, die Zahl 112 habe sich aus der Veranstaltungsfläche ergeben, so HMG-Chef Steffen Schoch. Alle seien registriert und zu einem Platz geleitet worden, an Tischen mit bis zu 20 Personen aus unterschiedlichen Haushalten. Wer aufstand, musste eine Maske tragen.

Auch die anderen Regeln seien von Gästen und Personal eingehalten worden. Essen und Wein seien von den Gastgebern, also der Weindorf-Gemeinschaft, bezahlt beziehungsweise gespendet worden. „Feiern wie diese gehören zu unserer Festkultur.“ Um so mehr schmerzt Schoch die teils ätzende Kritik, da die Veranstaltungsreihe „in schwierigen Zeiten eigentlich ein Signal des Aufbruchs“ setzen wolle. Gleichzeitig zeigt er angesichts der vielen unterschiedlichen Corona-Schutzmaßnahmen Verständnis, „wenn manche verunsichert sind und sich kritisch äußern, allerdings sollte man dabei anständig bleiben."


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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