Online-Petition für Radweg durch früheren Heilbronner Bahntunnel

Heilbronn  Der Heilbronner Verein "Erlebnisweg Lerchenbergtunnel" lässt nicht locker. Er sammelt per Online-Petition Stimmen für die Erschließung des Lerchenbergtunnels. Ein Rad- und Fußweg wäre ideal. Das Rathaus hält nichts von dem Projekt.

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Der Lerchenbergtunnel machte ab 1901 vom Südbahnhof über Karlstor und Sülmertor eine direkte Schienenverbindung zum Hauptbahnhof möglich.

Foto: Archiv/Veigel

Knapp 400 Befürworter hatten bis Anfang der Woche unterschrieben, 1300 müssen es am Ende sein. Es bleiben noch fünf Monate: Anfang April hat der Heilbronner Verein "Erlebnisweg Lerchenbergtunnel" eine Online-Petition zur Erschließung des alten Bahntunnels zwischen Süd- und Oststadt gestartet. Sie richtet sich an den Gemeinderat und an den Oberbürgermeister und kann im Internet unterzeichnet werden.

Wie es auf der Homepage lerchenbergtunnel.de heißt, fordern die Initiatoren - und damit jeder Unterzeichner - von der Stadt Heilbronn zunächst den Erwerb des Geländes der einstmals sogenannten Verbindungsbahn, einschließlich des Lerchenbergtunnels. Die teils mit Gestrüpp zugewachsene, 120 Jahre alte Trasse verläuft zwischen dem ehemaligen Südbahnhof-Areal durchs Wannental zur Jägerhausstraße. Nach wie vor gehört der Geländestreifen, auf dem noch Schienen liegen, der Deutschen Bahn AG.

In einem zweiten Schritt fordert die Petition die Umwidmung dieser seit Jahren stillgelegten Bahntrasse in einen Fuß- und Radweg. Er könnte die Südstadt bequem und sicher mit der Oststadt verbinden. Darüber hinaus sollte auch der erste Teilabschnitt vom Wohngebiet Südbahnhof über die Bottwartalbahntrasse zur Sontheimer Landwehr ausgebaut werden.

Gute Vernetzung bis ins Neckartal

Damit wären Sontheim-Ost, inklusive Hochschul-Bildungscampus und Schulzentrum, sowie der Neckartalradweg vernetzt. Es entstehe ein "autofreier, naturnaher und nahezu steigungsfreier innerstädtischer Verkehrsweg, ganz ohne Abgas- und Lärmbelästigung", heißt es. Als "Sahnehäubchen" bezeichnen die Initiatoren den Anschluss an den geplanten Radschnellweg Heilbronn-Bad Wimpfen.

Online-Petition für Radweg durch Heilbronner Bahntunnel

Im Neubaugebiet auf dem ehemaligen Südbahnhof-Quartier lässt Projektentwickler Aurelis derzeit in Ost-West-Richtung einen Rad- und Fußgängerweg bauen.

Die große Mehrheit des Gemeinderats - das verschweigt der Petitionstext nicht - steht der vor Jahren angestoßenen Idee ablehnend gegenüber. Baudezernent Winfried Hajek sprach von einem "schwarzen Loch" und einem "Millionengrab". Dem entgegnen die Befürworter: Bisher sei "nie im Detail" geprüft worden. Sie regen Vergleiche zu den Kosten bestehender Bahntrassenradwege in Deutschland an. Auch den Nutzen dieses "nachhaltigen Verkehrswegs" habe die Stadtverwaltung bisher nicht näher betrachtet.

Der Verein führt nicht zuletzt die industrie- und kulturhistorische Bedeutung der beiden Bahnverbindungen in Normal- und Schmalspur ins Feld. Sie hätten um die Jahrhundertwende die Entwicklung des ersten Heilbronner Industriegebiets im Süden vorangetrieben. Auch dieser Aspekt könnte mit der Erschließung "hervorgehoben und erlebbar gemacht werden". Durch die Einbindung des 1901 eingeweihten Lerchenbergtunnels entstehe, so heißt es abschließend, "ein Erlebnisweg und eine touristische Attraktion zugleich". Andere Städte dürften Heilbronn darum beneiden.

Derzeit finanziell kaum möglich

Online-Petition für Radweg durch Heilbronner Bahntunnel

Auf Höhe des Reservats für die aus dem Südbahnhof vertriebenen Eidechsen ist der neue Weg fast fertig. Er verläuft in etwa auf der alten Bahntrasse.

Fotos: Mario Berger

Rathaussprecher Christian Britzke bleibt auf Anfrage der Heilbronner Stimme sehr zurückhaltend und äußert vor allem finanzielle und sicherheitstechnische Bedenken. Die Erschließung alter Gemäuer berge, dies zeige die Erfahrung, "mitunter viele Überraschungen". Sowohl die technische Sicherheit als auch die subjektive, etwa über Leuchten oder Kameras, hätten einen hohen Preis. Auch wegen der späteren Unterhaltungskosten nehme das Rathaus Abstand vom Erwerb. Nicht zuletzt stünden aktuell durch die Corona-Krise viele Vorhaben auf dem Prüfstand, manche müsste geschoben werden. "Wir werden uns jetzt auf das Notwendige konzentrieren müssen", betont Britzke.

Gleichzeitig laufen bis Herbst Arbeiten zum Bau eines Fahrrad- und Fußgängerwegs durchs Südbahnhof-Quartier in die Oststadt: unter der Stuttgarter Brücke hindurch vorbei am Eidechsen-Reservat bis zur Straßenkreuzung im Gemmingstal. Der Weg endet vor den stillgelegten Bahngleisen, die in den Lerchenbergtunnel münden.

 

Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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