Neubau für Wohnungslosenhilfe wird teurer als geplant

Heilbronn  Ende 2021 sollen 43 Zimmer für Obdachlose in einem Neubau in der Heilbronner Bahnhofsvorstadt bezugsfertig sein. Ursprünglich hatte die Aufbaugilde auf März 2020 gehofft.

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Dagmar Lägler, Vorsitzende des Vereins Aufbaugilde Heilbronn Franken, und Aufbaugilde-Geschäftsführer Reiner Knödler vor dem Rohbau an der Ecke Franz-Renner-Straße/Wacksstraße.

Foto: Ralf Seidel

Es soll ein Steigbügel sein für obdachlose Menschen, später einmal in einer eigenen Wohnung zurecht zu kommen: das neue Wohnheim in der Franz-Renner-Straße 2 in der Heilbronner Bahnhofsvorstadt. "Damit setzt sich Heilbronn an die Spitze der Versorgung für Leute auf der Straße", sagt Reiner Knödler, Geschäftsführer der Aufbaugilde. Das sei wichtig, denn im vergangenen Jahr hätten 720 Menschen, die sich ohne festen Wohnraum durchschlugen, die Beratungsstelle aufgesucht. 80 bis 120 Menschen sind in Heilbronn ohne Obdach.

Jetzt steht der Rohbau. Der Weg dorthin war steinig. Denn eigentlich hätten die 43 Zimmer, eines davon für zwei Personen, schon im März fertig sein sollen. Jetzt hoffen die Verantwortlichen, dass die Bewohner Ende 2021 einziehen können. Ein Grund: "Das Genehmigungsverfahren hatte sich verzögert, weil es direkt in die Zeit vor der Buga gefallen war", sagt Dagmar Lägler, Vorsitzende des Vereins der Aufbaugilde Heilbronn Franken. "Damals mussten die Projekte priorisiert werden, wobei einige andere Vorrang hatten", heißt es bei der Stadt. Die Stadt begrüße das Projekt, dessen Überarbeitung seitens des Bauherrn auch Zeit gekostet habe.

Suche nach einer Zwischenlösung war schwierig

Schließlich lief der Mietvertrag für das seitherige Quartier für 23 Wohnungslose in der Happelstraße aus. Zwar hatte die Aufbaugilde ein Vierteljahr als Puffer eingerechnet - aber mehr als zwölf Monate hatte niemand auf dem Schirm gehabt. Bei der Suche nach einer Zwischenlösung liefen die Drähte heiß. "Wir haben sogar im Radio einen Aufruf gestartet, uns Interimsquartiere zur Verfügung zu stellen", erinnert sich Knödler. "Ich habe viele Objekte geprüft." Das Problem: Bei jeder Alternative hätten die Bewohner der Happelstraße auf verschiedene Standorte verteilt werden müssen. Die erlösende Nachricht kam schließlich von der Stadtsiedlung. Jetzt sind alle Betroffenen in einem leer stehenden Gebäude in der John-F.-Kennedy-Straße untergebracht. "Darüber sind wir sehr glücklich," so Knödler.

Doch der Schuh drückt noch woanders: "Das schlimmste Problem ist die Kostensteigerung." Die einstige Kostenberechnung hatte 2016 bei 3,7 Millionen Euro gelegen, inzwischen ist sie auf 4,6 Millionen Euro in die Höhe geschossen. Davon zahlt das Land Baden-Württemberg 1,2 Millionen, der Kommunalverband Jugend und Soziales 300 000 und das diakonische Werk, zu dem die Aufbaugilde als freies Werk gehört, 860 000 Euro. Weitere Zuschüsse kommen dazu. Trotzdem bleiben am Verein statt zuvor eingeplanten 1,1 Millionen nun 1,8 Millionen Euro hängen, die er als Kredit aufnehmen muss.

Patenschaften für einzelne Zimmer sind eine Idee

Neubau für Wohnungslosenhilfe wird teurer als geplant

Die Gebäude werden drei und vier Stockwerke haben. Auch ein ansprechendes Farbkonzept ist den Verantwortlichen wichtig.

Zeichnung: Feldmann Hinderer Architekten

Die Verantwortlichen überlegen nun, wie sie sparen können. Patenschaften für einzelne Zimmer sind eine Idee. Die Möbel belaufen sich für jeden Raum auf 1500 Euro. Inklusive der Gemeinschaftsküche kostet die Ausstattung 120 000 Euro.

Mühsamer als gedacht gestaltete sich auch der Abriss. "Das Gebäude enthielt Schadstoffe wie etwa Asbest, die separat entsorgt werden mussten", erklärt Architekt Holger Feldmann vom ausführenden Büro Feldmann Hinderer Architekten in Heilbronn. Sand und Schwemmmaterial im Untergrund der Neckaraue hätten es nötig gemacht, dass zur Stabilisierung 65 Pflöcke eingeschlagen werden mussten. Reiner Knödler freut sich am Positiven: "Zum Glück gab es keinen Bombenfund." Auf Luftbildern seien viele Bomben zu sehen gewesen, der Kampfmittelbeseitigungsdienst stand bereit.

Bewohner haben 21,5 Quadratmeter zur Verfügung

Vier und drei Stockwerke haben die beiden Gebäude, jedes Zimmer verfügt über ein Bad mit Dusche, ist barrierefrei und wird mit Bett, Tisch, Stuhl und Schrank komplett möbliert. Statt zuvor rund 13 Quadratmeter haben die Menschen künftig 21,5 Quadratmeter in ihrem Reich. Die Pförtnerkabine ist rund um die Uhr besetzt, es gibt einen Wäsche-Raum und eine Werkstatt. Hauswirtschafterin und Sozialarbeiter leiten die Bewohner an. In eigenen vier Wänden hätten sie Schwierigkeiten, auch eine WG würde nicht funktionieren, so Knödler. "Wir bieten Wohnen mit Betreuung, damit sie hier lernen, sich später selbst zu versorgen." Dauerfinanzierung gebe es nicht, sondern "Hilfe zur Überwindung sozialer Schwierigkeiten".

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Petra Müller-Kromer

Petra Müller-Kromer

Autorin

Petra Müller-Kromer ist seit 1999 Redakteurin bei der Heilbronner Stimme. Im Stadtkreis-Ressort liegt ihr Schwerpunkt unter anderem auf sozialen Themen.

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