Nach Wohnungsbrand: Enkelin startet Spendenaktion für ihre Oma

Heilbronn  In den sozialen Netzwerken ruft die 22-jährige Justine Deeg zu freiwilligen Spenden auf, nachdem die Wohnung ihrer Großmutter am Donnerstag in Heilbronn ausbrannte. Eine Welle der Solidarität setzt sich in Bewegung. Am Freitag kommen rund 1.500 Euro zusammen. 

Email
Justine Deeg will ihrer Großmutter helfen, nachdem deren Wohnung nach einem Feuer unbewohnbar geworden ist. Foto: privat

Sonst sei ihre Großmutter immer diejenige, die anderen hilft, sagt Justine Deeg. Doch jetzt braucht die 80-Jährige selbst Hilfe: Denn nach einem Brand gestern Vormittag ist ihre Wohnung in der Sontheimer Straße vorerst unbewohnbar. Wegen zu stark erhitztem Öl brach ein Feuer aus, das sich schnell in der Wohnung ausbreitete. Die Seniorin kam mit leichten Verletzungen davon, verlor aber ihren gesamten Besitz. Der Sachschaden beläuft sich laut Polizeimeldung auf 200.000 Euro. Auch viele persönliche Erinnerungsstücke sind den Flammen zum Opfer gefallen: Ihre Großmutter lebte rund 30 Jahre in der Wohnung, erzählt die Enkelin im Gespräch mit stimme.de.

Der Schock sitzt tief

Nach dem tragischen Vorfall gestern kommt die Großmutter derzeit bei ihrem Sohn unter. Der Schock sitzt tief, auch beim Rest der Familie, erzählt Justine Deeg: „Alles ist weg, Ausweis, Dokumente, Kleidung, Alltagssachen, alles.“

Zur Spendenaktion auf Paypal: https://www.paypal.com/pools/c/8wRrU9g6ud

Für die 22-Jährige ein Grund, zu handeln: „Meine Oma mag es eigentlich nicht, Hilfe anzunehmen, aber das ist mir egal. Sie muss auch mal an sich denken.“ Noch am Abend des Unglückstags entschließt sich Deeg, über die Sozialen Netzwerke eine Spendenaktion für ihre Großmutter ins Leben zu rufen. Das Geld soll sie dabei unterstützen, die verloren gegangenen Dokumente und Dinge des alltäglichen Gebrauchs zu ersetzen, sagt die junge Frau.

Spontan schreibt Deeg die Betreiber von Instagram-Accounts mit großer Reichweite an, darunter auch „Heilbronnmemes“. Der Account mit rund 20.000 Abonnenten teilte den Aufruf als Erster, es folgten weitere wie das „Winterdorf“ und die „Laube“.

Reichweite sorgt für Spenden

Die Aktion nahm an Fahrt auf: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell gehen würde“, sagt Deeg, völlig überwältigt von der großen Resonanz und der Welle der Solidarität. Wenige Minuten nach dem Aufruf kamen auf dem Spendenportal von Paypal 600 Euro zusammen. Bis zum Freitagnachmittag stieg die Summe auf knapp 1500 Euro an. Auch auf Go Fund Me hat Justine Deeg eine Spendenmöglichkeit eingerichtet. „Ich bin vor allem Heilbronnmemes sehr dankbar, dass sie nicht lange gezögert haben und ihre Reichweite zur Verfügung stellen, um auf die Sache aufmerksam machen“, sagt sie. Zuzüglich zu den Geldspenden haben Bekannte, Nachbarn und Freunde Sachspenden angekündigt.

Während der Spendenbetrag weiter wächst, machst sich Justine Deeg Gedanken darüber, wie das Geld übergeben wird. Der erste Schock müsse erst mal verdaut werden, sagt sie. In ihre Wohnung werde ihre Großmutter wohl aber nicht mehr zurückkehren.

 


Linda Möllers

Linda Möllers

Autorin

Linda Möllers kam im November 2019 aus Weinheim zur Heilbronner Stimme. Nach einem Jahr in der Lokalredaktion ist sie seit 2021 in der Jugendredaktion.

Kommentar hinzufügen