Licht am Ende des Heilbronner Lerchenberg-Tunnels

Heilbronn  Der Verein "Erlebnisweg Lerchenbergtunnel" übergibt eine Petition für einen Fuß-, Rad- und Erlebnisweg durch den stillgelegten Bahntunnel im Heilbronner Osten. OB Mergel holt überraschend ein Gutachten aus der Tasche, das spätestens im Januar in den Gemeinderat kommt.

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1438 Heilbronner unterstützen die Radweg-Idee. Unterschriften-Übergabe mit (von links) Wolf Theilacker, Hartmut Seitz-Bay, OB Harry Mergel und Martin Bücker.

Anfang April startete der Verein "Erlebnisweg Lerchenbergtunnel" eine Online-Petition zur Erschließung des stillgelegten Bahntunnels zwischen Heilbronner Süd- und Oststadt. Jetzt steht fest: 1872 Unterschriften, davon 1438 von Heilbronner Bürgern, kamen innerhalb der Halbjahresfrist zusammen. Das Quorum von 1300 sei damit erfüllt, erklärte Martin Bücker gestern bei der Übergabe der Petition an Oberbürgermeister Harry Mergel.

Firmen begrüßen die Idee

Unterstützt wird die Idee von Gewerbetreibenden und Dienstleistern im Südviertel wie etwa Großbäcker Nicolas Härdtner, Steffen Ueltzhöfer von Edeka, der Feinkost-Metzgerei Staab und nicht zuletzt von den Offenen Hilfen, wie deren Chef Hartmut Seitz-Bay betonte.

OB Mergel begrüßte die basisdemokratische Initiative ausdrücklich und holte gestern "am Tatort" sogar ein aktuelles Gutachten des Ingenieurbüros Holzhäußer aus Ettlingen aus der Tasche. Danach ist der Tunnel statisch in einem "guten bis befriedigenden Zustand". Gleichzeitig seien aber Sicherungsmaßnahmen im Millionenbereich notwendig. In welcher Höhe genau, könnte erst ein auf 100.000 Euro veranschlagtes Detailgutachten zeigen, so Mergel. Zudem verlange die Bahn AG 2,2 Millionen Euro für die drei Hektar große Fläche, also die 800 Meter lange Trasse, inklusive 400 Meter langem Tunnel.

Kostenfrage größtes Problem

Licht am Ende des Heilbronner Lerchenberg-Tunnels

Unterhalb des Hauptfriedhofs ist der Tunneleingang zugänglich. Auf der anderen Seite im Gemmingstal ist die Eisenbahntrasse verwachsen.

Fotos: Ekkehart Nupnau

Über weitere Schritte und "ob wir hier große Steuergelder setzen wollen", müsse der Gemeinderat entscheiden, dem der OB die Sache spätestens im Januar vorlegen will. Der Verein werde zuvor in den Fraktionen für seine Idee werben, sagte der Vorsitzende Wolf Theilacker, der auch Grünen-Stadtrat ist.

Die teils mit Gestrüpp zugewachsene, 120 Jahre alte Trasse verläuft zwischen dem Wohnquartier im Südbahnhof-Areal durchs Gemmingstal und Wannental zur Jägerhausstraße. Die Petition fordert den Ankauf durch die Stadt sowie eine Umwidmung in einen Fuß-, Rad- und Erlebnisweg. Er könnte die Südstadt bequem und sicher mit der Oststadt verbinden. Darüber hinaus sollte auch der erste Abschnitt vom Südbahnhof über die Bottwartalbahntrasse zur Sontheimer Landwehr ausgebaut werden. Damit wären Sontheim-Ost, inklusive Hochschule und Schulzentrum, sowie der Neckartalradweg vernetzt.

Es entstehe ein autofreier, naturnaher, nahezu steigungsfreier innerstädtischer Verkehrsweg ohne Abgas- und Lärmbelästigung, betonten die drei Sprecher. Als "Sahnehäubchen" bezeichneten die Initiatoren den Anschluss an den geplanten Radschnellweg am Neckar zwischen Heilbronn und Wimpfen.

 

Historische Bedeutung für Industriestadt

Bisher sei die Idee "nie im Detail" geprüft worden, um so mehr freuten sich die Vereinsvertreter gestern. Sie regten außerdem Vergleiche zu bestehenden Bahntrassen-Radwegen an. Auch den gesamtgesellschaftlichen Nutzen dieses "nachhaltigen Verkehrswegs" habe das Rathaus bisher nicht näher betrachtet, gab Theilacker zu bedenken. Der Vereinsvorsitzende führte nicht zuletzt die industrie- und kulturhistorische Bedeutung der beiden Bahnverbindungen in Normal- und Schmalspur ins Feld. Sie hätten um die Jahrhundertwende die Entwicklung des ersten Heilbronner Industriegebiets im Süden vorangetrieben. Auch dieser Aspekt könnte mit der Erschließung "hervorgehoben und erlebbar gemacht werden". Durch die Einbindung des 1901 eingeweihten Lerchenbergtunnels entstehe "ein Erlebnisweg und eine touristische Attraktion zugleich", heißt es in der Petition.

Neuer Radweg hört einfach auf

Ein neuer Fahrrad- und Fußgängerweg durchs Südbahnhof-Quartier in Richtung Bahntrasse ist fast fertig, die Bauzäune waren gestern teils zur Seite gerückt: Er führt unter der Stuttgarter Brücke hindurch vorbei am Eidechsen-Reservat zur Straßenkreuzung im Gemmingstal. Der Weg endet abrupt vor den stillgelegten Bahngleisen, die in den Lerchenbergtunnel münden.

 

 

Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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