Kirchen sammeln in Ökumene alte Handys ein

Heilbronn  Es geht um nichts Geringeres, als ein Stück Nachhaltigkeit zu leben und den Raubbau an der Natur zu verringern. In Kirchhausen, Biberach und Neckargartach gehen Kirchengemeinden gemeinsam als Handy-Sammler neue Wege.

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Die drei Pfarrer Sefer Jakob (v. links), Thomas Binder und Felix Dolderer mit den Handy-Spendenboxen. Die erste Altgeräte sind bereits im Innern.

Foto: Andreas Veigel

Ab sofort werden in den Gemeinden große Sammelboxen aufgestellt, in die Kirchgänger, aber auch jeder andere Bürger, nicht mehr genutzte Handys abgeben dürfen. "Wir wollen ein Zeichen setzen, dass Kirche auch praktisch Themen umsetzt, um die Schöpfung zu bewahren", umreißt Pfarrer Thomas Binder von der evangelischen Gemeinde Kirchhausen/Biberach den Ansatz.

Diakonie, Brot für die Welt oder Ärzte-Mission sind mit im Boot

Im evangelisch-katholischen Arbeitskreis in Kirchhausen ist die Idee entstanden, an der "Handy-Aktion Baden-Württemberg" mitzumachen. Die Initiative wird von der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg, Brot für die Welt, Diakonie, evangelischer Landeskirche oder auch dem Deutschen Institut für Ärztliche Mission unterstützt. Schirmherr ist Umweltminister Franz Untersteller. Der Erlös soll in Bildungs- und Gesundheitsprojekten in Entwicklungsländern fließen. Zum Beispiel für mangelernährte Kinder im Kongo oder für Wasser- und Agrarprojekte im von Dürre betroffenen Uganda.

Rund 200 Millionen alte Handys sollen in deutschen Schubladen ungenutzt schlummern

In Handys seien bis zu 30 verschiedene Metalle enthalten, verweist Kirchengemeinderätin Regina Geppert auf den Umweltaspekt der Sammelaktion. Der Abbau der Rohstoffe gehe in vielen Ländern auf Kosten von Mensch und Umwelt. Allein in Deutschland schlummerten nach Angaben von Bitkom Research rund 200 Millionen ungenutzte Mobiltelefone in Schubladen. Dies seien umgerechnet 1794 Tonnen Kupfer, 760 Tonnen Kobalt, 30 Tonnen Silber oder fünf Tonnen Gold. Wertvolle Rohstoffe, "die durch Recycling zurück in den Produktionskreislauf gelangen könnten", findet Geppert.

Grund genug für die Kirchengemeinden, die Aktion möglichst breit anzugehen. Die evangelische Gemeinde in Biberach und Kirchhausen, die katholische Kirchengemeinde St. Alban in Kirchhausen machen ebenso mit wie die syrisch-orthodoxe Gemeinde in Kirchhausen, die katholische Kirchengemeinde St. Cornelius und Cyprian in Biberach, die katholische Gemeinde St. Michael in Neckargartach und die Kita St. Franziskus in Kirchhausen.

Langer Atem: Sammelaktion soll mehrere Jahre laufen

An festen Standorten, am Anfang sind es die Pfarrbüros, sollen Bürger ihre Alt-Handys samt Akku abgeben können. Gottesdienste oder Gemeindefeste sollen später auch Sammelorte werden, wenn es Corona-Entwarnung gibt. Pfarrer Felix Dolderer und Regina Geppert haben zum Auftakt gleich ein altes Modell für die Spendenboxen dabei. Dolderer ist überzeugt, dass viele Gläubige mitmachen. Rund 200 gespendete Handys "wären schon ein guter Anfang", hofft Pfarrerkollege Thomas Binder.

"Jedes Handy zählt", sagt Regina Geppert. Die Kirchen wollen einen langen Atem an den Tag legen. Über mehrere Jahre soll die ökumenische Handysammelaktion laufen.

 


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.

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