Karotten für umsonst: Aktion in Heilbronn löst riesige Nachfrage aus

Heilbronn  An den ersten drei Tagen haben Menschen rund 15 Tonnen Möhren vom Acker im Heilbronner Stadtteil Frankenbach geholt. Dadurch wurden bereits 5000 Euro an Spenden für die Stiftung "Große Hilfe für kleine Helden" eingenommen. Die Karotten-Aktion läuft bis Weihnachten.

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Der Ansturm am Karottenberg in Frankenbach ist groß. Jedermann kann so viele Möhren mitnehmen wie er mag. Wer will, kann etwas spenden.

Foto: privat

"Es ist der pure Wahnsinn. Das hätte ich mir nicht träumen lassen", sagt der Karotten-Bauer Werner Hoffmann fassungslos. Etwa 15 Tonnen Möhren haben Menschen seit Beginn der Aktion am vergangenen Samstag bis Dienstagmorgen von einem Acker neben seinem Aussiedlerhof an der Bamberger Straße 99 im Heilbronner Stadtteil Frankenbach geholt. Dank des sehr guten Wachstums gibt es täglich Nachschub.

Manche spenden sogar, ohne Möhren mitzunehmen

Wie berichtet, kann jeder so viele Gelbrüben gegen eine Spende für die Stiftung "Große Hilfe für kleine Helden" einpacken wie er mag. An den ersten drei Tagen kamen 5000 Euro zusammen. Das ist doppelt so viel Geld, wie Hoffmann insgesamt erwartet hat. "Manche werfen Geld in die Box, ohne Möhren mitzunehmen, nur, weil ihnen die Aktion so gut gefällt", ist er baff erstaunt.

Die Karotten-Aktion wird 2022 wiederholt

Für den Landwirt Grund genug, die Kampagne bis kurz vor Weihnachten fortzuführen. Zum Abschluss ist ein Glühweinfest geplant: "Das ist allemal besser, als die Früchte einfach unterzupflügen", erklärt der 64-jährige Bauer den Sinn seiner spontanen Idee. Eines steht für ihn schon heute fest: "Die Aktion wird im nächsten Jahr wiederholt, egal wie die Ernte ausfällt."

Karotten-Spendenaktion
Kleines Dankeschön: Diesen Korb mit frisch gebackenem Karottenbrot hat eine Frau zum Dank vorbeigebracht. Foto: privat

Am vergangenen Wochenende geht es neben dem Aussiedlerhof zu wie in einem Taubenschlag. Autos mit Kennzeichen aus den Räumen Heilbronn, Heidelberg, Hohenlohe, Ludwigsburg, Mosbach und Karlsruhe suchen sich einen Parkplatz. Fährt einer weg, kommt schon der nächste. Wäschezuber, Eimer, Einkaufskörbe und stabile Tragetaschen werden aus dem Kofferraum geholt und dann bis zum Rand gefüllt.

Selbst die Polizei holt Gelbrüben ab

Manche Karottensammler tragen Handschuhe und wühlen sich auf der Suche nach den schönsten Exemplaren durch den Möhrenberg. Bei Einbruch der Dunkelheit leuchten Kinder mit der Handytaschenlampe und knabbern mit Freude an einer Gelbrübe der süßen und saftigen Sorte Bastia, während die Eltern Karotten auflesen. Ein Radler aus Willsbach füllt sich seine Satteltaschen. Gestern Morgen um 10 Uhr stehen neun Autos auf dem Acker mit den aufgehäuften Karotten. "Selbst das Polizeipräsidium Heilbronn hat angefragt, ob es sich noch lohne, einen Wagen vorbeizuschicken", freut sich Hoffmann über das allgegenwärtige Interesse.

Aktion findet im Netz sehr viel Zuspruch

Viele haben von der Karotten-Aktion aus der Heilbronner Stimme erfahren oder den Artikel auf stimme.de gelesen. Knapp 400 Mal wurde der Beitrag auf der Stimme-Facebookseite geteilt, mehr als 300 Mal kommentiert und rund 1600 reagierten positiv mit einem Daumen hoch (Stand: Dienstagnachmittag). Die Kommentare reichten von "super Idee" über "nachahmenswert" und "geile Aktion" bis "Die sind sooo lecker". Nur einer war, wie Hoffmann im Netz gelesen hat, sauer: "Danke fürs Geschäft versauen", schrieb ein Landwirt aus Massenbachhausen. Hoffmann nimmt's gelassen.

Anregung: Karotten auch für das Ahrtal spenden

Aufgeschlossen ist der Frankenbacher Großbauer dem Vorschlag von Andreas Kappes gegenüber, einen Teil der Möhren auch für die Flutgebiete zu spenden: "Im Ahrtal sind die Versorgungsstellen froh und dankbar für jede Lebensmittelspende." Ein Gedanke, der Hoffmann auch schon gekommen ist: "50 Tonnen Karotten könnte ich sponsern. Jetzt muss nur noch der Transport organisiert werden. Das geht aber leider nicht von heute auf morgen."


Joachim Friedl

Joachim Friedl

Stv. Leiter der Stadtkreis-Redaktion

Joachim Friedl arbeitet seit Ende 1979 bei der Heilbronner Stimme. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Kommunalpolitik.

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