In den Springbrunnen statt ins Freibad

Heilbronn  Die Schwimmbäder in Heilbronn sind bei den heißen Temperaturen oft ausgebucht. Es gibt aber andere Orte, an denen insbesondere Kinder sich erfrischen können

Von Jan Söfjer
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Eine willkommene Erfrischung: Carlo spielt mit seiner Schwester Vanessa in den Fontänen am Bollwerksturm.

Fotos: Jan Söfjer

Bianca Weischedel macht es richtig. Mit einem Glas Aperol-Spritz in der Hand steht sie im Schatten eines Sonnensegels und schaut ihren Kindern zu, wie diese mit den Wasserfontänen spielen. Das Wasser kommt an etlichen Stellen neben dem Bollwerksturm direkt aus dem Boden. Rund ein Dutzend Kinder spielen mit dem kühlen Wasser im Schatten. Es sind 35 Grad. Weischedel ist mit ihrer Familie zum ersten Mal hier. Sie kommt gebürtig aus Heilbronn, wohnt aber mittlerweile in Steinheim an der Murr.

Durch Zufall zur Erfrischung gefunden

Genau wie ihre Freundin Jennifer Papa. "Wir haben diesen Platz durch Zufall vergangenen Sonntag entdeckt", sagt Papa. Die Kinder wollten sofort ins Wasser, aber sie hatten keine Badesachen und keine Handtücher dabei. Also kam sie mit ihrem Partner und den zwei Kindern am Donnerstagnachmittag besser vorbereitet wieder - und nahm ihre Freundin Bianca mit deren Familie gleich mit.

Dem Papa gefällt es, dass es hier auch Sonnensegel gibt, die Schatten spenden. "Dafür muss man die Stadt Heilbronn wirklich loben." Abends seien die Kinder von all der Toberei tiefenentspannt, so die Eltern. Eben waren sie ein Eis essen. Später wollen sie sich noch in ein Restaurant setzen. Alles ist nah hier am Neckarufer.

Ein paar Meter weiter schaut Mario Härdtner zu, wie seine Kinder Carlo (7) und Vanessa (5) mit dem Wasser spielen. "Macht euch nicht zu sehr nass", ruft er ihnen zu. Sie wollen gleich noch in die Stadt und die Mutter von der Arbeit abholen. "Wenn das Wetter gut ist, sind die Freibäder schnell ausgebucht", sagt Härdtner. Die Springbrunnen am Bollwerksturm seien da eine kleine Alternative.

Skulpturen stören nicht beim Spielen

Auch am Neuen Stadtbrunnen auf dem Kiliansplatz spielen Kinder mit dem Wasser. Aus mehreren der bis zu 2,80 Meter großen Bronzefiguren schießt das Wasser hervor. Der neue Stadtbrunnen, der wegen seiner Skulpturen auch Komödiantenbrunnen genannt wird, wurde 1996 vom Bildhauer Eberhard Linke auf einer Fläche von rund neun mal 16 Metern aus Bronze, Beton und Sandstein gestaltet. Der Brunnen zeigt Motive, welche der italienischen Commedia dell"arte entstammen - der Theaterschauspielkunst vom 16. bis 18. Jahrhundert. Es gibt Maskenträger, Musikanten sowie Instrumente.

In den Springbrunnen statt ins Freibad

Ins Freibad möchte Sengil Rasiti derzeit noch nicht gehen. Deshalb sitzt er mit seiner Tochter Aleyna am Kiliansbrunnen.

Sengil Rasiti sitzt mit seiner Frau Carina und seinen Töchtern Aleyna (4), Khadija (2) und Marion (1) am Rand des Komödiantenbrunnens. Sie waren gerade Geschenke für Aleyna kaufen, die am Tag drauf Geburtstag feiert. Ins Freibad möchte Rasiti wegen der Corona-Pandemie noch nicht gehen. Trotz der reduzierten Zahl an maximalen Badegästen sind dort für Rasitis Geschmack zu viele Menschen auf zu engem Raum. Dann sitzt er lieber mit seiner Familie im Garten.

Für die Kinder hat er dort ein kleines Planschbecken aufgebaut. Gerade hatten Aleyna und Khadija ihre Füße in den Brunnen getaucht. Damit soll es aber auch gut sein.

Die Kinder von Alexej Zeiderer sind da hemmungsloser. Die Familie war gerade in der Stadt einkaufen, nun toben Alicia, Steven und James ausgelassen am Brunnen herum. Die neunjährige Alicia findet es herrlich, "sich mit dem Wasser erfrischen zu können, wenn es so heiß ist".

Heilbronn trägt den Brunnen im Namen

Heilbronn hat das Wort "Brunnen" in seinem Namen. Laut dem Stadtarchiv trat Heilbronn namentlich erstmals um die Mitte des 8. Jahrhunderts als "Helibrunna" in Erscheinung. "Brunna" bezieht sich dabei auf die Quelle, die einst neben der heutigen Kilianskirche aus dem Boden trat. 1541 errichtete Balthasar Wolff dort den Siebenröhrenbrunnen oder Kirchbrunnen. Im 19. Jahrhundert versiegte die Quelle. Ob der erste Wortteil "heli" "heilig", "heilend" oder "Erfrischung bietend" bedeutet, ist nicht eindeutig geklärt. In der Heilbronner Kernstadt gibt es über 30 Brunnen.

 

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