Impfen in chilliger Atmosphäre mit DJ-Musik kommt an

Heilbronn  Erstmalige Aktion von Stadt Heilbronn und Transferstelle Nachtleben zieht rund 100 Impfwillige an. Einige wollen zunehmende Einschränkungen vermeiden, andere freuen sich über Angebot am Abend. Die besondere Atmosphäre loben viele - auch Zaungäste am Rande.

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Der Versuch, mit einem chilligen Angebot samt Musik vor allem die noch wenig geimpfte junge Generation für eine Corona-Impfung zu gewinnen, hat geklappt. Als die Stadt Heilbronn gemeinsam mit der Transferstelle Nachtleben Heilbronn am Samstagabend zum „Impfclub“ mit DJ-Musik und Disco-Atmosphäre ruft, bilden sich am Anfang längere Schlangen vor dem Impfbus auf dem Marktplatz.

Gegen 21.30 stehen dort gut 25 Menschen in der Reihe, warten auf die Registrierung  und den Zutritt in den Bus mit drei Ärzten, medizinischem Personal und den Impfdosen. Wo DJ Josha gerade bassbetonte Rhythmen am Mischpult kreiert, wo bunte Discolichter flackern und farbige große Lichtkegel eine besondere Atmosphäre  vor dem Rathaus verbreiten, geht es entspannt zu. 

Diana Zowada (30) ist aus Wiesbaden zu Besuch bei ihrer Mutter in Heilbronn. Sie wollte sich zuerst nicht impfen lassen. Da nun alles für Nicht-Geimpfte verschärft werde, hat sie sich umentschieden. Ein etwas mulmiges Gefühl hat sie immer noch. Aber: Das Angebot mit dem Impfclub findet sie „eine gute Idee“. 

Impfen als Reaktion auf zunehmende Einschränkungen für Ungeimpfte

Keine Lust mehr auf Dauer-Tests und weitere Einschränkungen hat die Heilbronnerin Yesim Cakir (25). Tagsüber arbeitet sie, da sei so ein Angebot abends einfacher. Ihr Freund dagegen hat nur „unter Zwang“ eingewilligt, sich auch impfen zu lassen. Seinen Namen möchte er nicht nennen. Durch die zunehmenden Einschränkungen sieht er eine Art Impfzwang. „Anders bekommst du keine Freiheit.“

Wer die Impfung hinter sich hat, muss in der Wartezone auf bereitgestellten Stühlen wie im Impfzentrum noch einige Minuten im Freien ausharren, ob Impfreaktionen auftreten. Bananen, Äpfel und alkoholfreie Getränke stehen bereit. „Alles in Ordnung“, sagt der Donnbronner Hannes Friedle (18). Er wollte sich schon länger impfen lassen, jetzt hat es gut gepasst. Es sei schon eine gute Atmosphäre beim Impfclub. „Das ist ein schöner Bonus.“

Sozialbürgermeisterin Agnes Christner ist sehr zufrieden. Als der Bus noch nicht da war, hätten schon rund 30 Impfwillige hier gewartet. Es zeige, dass man mit so einem Angebot gerade die jüngere Generation erreichen kann. Der Impfbus sei ein Erfolg, werde überall stark nachgefragt. Vielleicht dächten viele auch, es gehe schneller als in einem Impfzentrum.

Wege verkürzen und Botschaft verbreiten, dass Impfen schützt

Die DJ-Rhythmen schallen weiter. Security-Mitarbeiter weisen Neuankömmlingen den Weg. Martin König von der Transferstelle Nachtleben gefällt die entspannte Atmosphäre. Von Gastronomen, die bei der Transferstelle dabei sind, verteilt er Freigetränk-Gutscheine an die Geimpften.  Man wolle mit der Aktion die unterstützen, „die geimpft werden wollen“. Man wolle Wege verkürzen und die Botschaft verbreiten, „dass Impfen schützt“. Falls die Stadt noch einmal so eine Aktion plane, sei man wieder dabei.

Es gibt aber auch Zaungäste, die das Treiben um den Impfbus am Rande nur interessiert beobachten. Wie ein jüngeres Pärchen, das an E-Zigaretten zieht. Ob sie sich selbst impfen lassen möchten? „Nein“, sagt der Mann, „kein Interesse. Wir schauen nur zu.“

Arzt Dominic Keller hat sich eine Spritze in sein Haar gesteckt. Es soll wohl die chillige Atmosphäre unterstreichen. Man wolle verdeutlichen, dass so viele Impfungen wie möglich eminent wichtig für die gesamte Gesellschaft seien. Er ist von der Nachfrage begeistert.

Ärztin Dr. Annemarie Janssen schaut bei den DRK-Helfern an der Registrierung vorbei. Es geht unkompliziert zu. Wer kein Impfbuch dabei hat, bekommt ein Ersatzdokument. „Minimum 50 Prozent“ seien heute ohne Impfbuch gekommen, überschlägt die Ärztin.  

Gegen 22.30 flaut der Andrang deutlich ab. Am Rand verweilt der Flensburger Martin Bahr dennoch weiter. Er ist schon lange geimpft, sagt der Audi-Mitarbeiter. Er genießt die Live-Musik, hat sich in einem Geschäft in der Nähe ein Bier geholt. „Ich finde das Angebot gut.“ So etwas könnte es hier im Zentrum ruhig öfter geben. 

Seit Ende Juli erhielten 6046 Bürger im Impfbus eine Spritze gegen Corona

Am Ende haben sich 98 Bürger am Abend gegen Corona impfen lassen. Ein Wert, der ins Bild passt, keine herausragende Zahl, aber eine übliche Größe. Tagsüber haben sich an den Stationen Edeka-Markt Südbahnhof und Möbel Rieger rund 200 Bürger die Corona-Spritze geben lassen. 

Insgesamt sind im Heilbronner Impfbus seit dem Start Ende Juli bisher 6046 Bürger geimpft worden. Bis Ende September gibt es das Angebot noch. An diesem Sonntag steht der Impfbus noch bis 18 Uhr am Biergarten Foodcourt in der Badstraße, am Montag von 9 bis 18 Uhr auf dem Marktplatz.


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.

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