Immer wieder heißt es in Heilbronn: Anlegen verboten

Heilbronn  Mit dem Sportboot lassen sich tolle Orte am Neckar erkunden. Halten kann man in Heilbronn aber nur an wenigen Stellen und oft nur mit einem Boot.

Von Jan Söfjer
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Auf der Durchfahrt: Am Neckar gebe es kaum Möglichkeiten, ein Boot festzumachen, klagen Mitglieder des Wassersportvereins Osthafen.

Foto: Jan Söfjer

Als Rolf Ritter vergangenen Sommer mit seinem Sportboot in Bad Friedrichshall anlegte, wusste er noch nicht, dass er etwas Verbotenes getan hatte. Es war ein warmer, sonniger Vormittag am Wochenende, erzählt der 59-Jährige. Seine Tochter, deren Mann und ihr Hund genossen den Ausflug an Bord der sechs Meter langen Schubert 606. Kurz zuvor hatte das Passagierschiff Neckarbummler abgelegt. Ritter, der Mitglied im Wassersportverein Osthafen in Heilbronn ist, wusste, dass es erst um 16 Uhr zurückkommen würde. Zeit genug also. Seine Tochter ging vor dem Frühstück ein paar Meter mit dem Hund. Dann kam das Auto.

Der Kapitän der Neckarbummler hatte gesehen, dass ein fremdes Boot an seinem Anleger halt machte. Er stoppte an der nächsten Haltestelle, an der sein Auto stand, und fuhr zurück. Zu Ritter sagte er, entweder er zahle 20 Euro Strafe oder er würde die Wasserschutzpolizei rufen. So erzählt es Ritter. Er zahlte.

Sportbootfahrer bemängelt fehlende Bootskultur 

Diese Geschichte zeige, wie schwer es Sportbootfahrer auf dem Neckar haben. Sei es in Marbach, Bad Wimpfen oder Heilbronn: "Man kann fast nirgends anlegen", sagt Ritter, "die Städte haben das nicht im Blick. Diese Bootskultur, wie es sie in Frankreich oder den Niederlanden gibt, fehlt in Deutschland komplett." Auf dem Neckar sei es besonders schlimm. In Bad Friedrichshall gebe es am Ufer ein "Herzlich-Willkommen"-Schild, sagt Ritter. Gleich daneben stehe: "Anlegen verboten". Man dürfe eigentlich nicht einmal auf dem Fluss tanken. Auch ankern sei schwierig. Ritter: "Das ist ein Gesamt-Neckarproblem." Der Schiffsverkehr auf dem Neckar sei industriell geplant worden, sagt Jürgen Binder, zweiter Vorsitzender des Wassersportvereins.

Am Samstag fährt Rolf Ritter mit seinem Vereinskollegen Peter Knobloch über den Neckar. Als sie das Bundesgartenschaugelände passieren, zeigen sie auf eine sogenannte Spundwand nahe dem Restaurant Alte Reederei. Die Uferkante ist nicht sehr hoch. Es gibt Leitern, aber anscheinend nur an einer Stelle sogenannte Festmacher, um ein Boot zu vertauen. Das sei beispielhaft.

Vor dem Marrahaus ist nur Platz für ein Boot

Vor vier Jahren wurde am Marrahaus eine öffentliche Bootsanlegestelle eingeweiht. "Wir wollen die Innenstadt zunehmend auch vom Wasser aus erlebbar machen", erklärte damals Steffen Schoch von der Heilbronn-Marketing GmbH. Doch Rolf Ritter verweist darauf, dass an dem Steg lediglich ein einzelnes Boot festmachen könne. Andere Anlegestellen in der Nähe, wie etwa beim Insel-Hotel, seien privat.

"Es gibt so viele Städte am Neckar, wo es kaum oder keine Möglichkeiten gibt, ein Boot festzumachen", sagt Knobloch. "Da fahren die Leute einfach vorbei. Dabei würde es den Städten so viel bringen." Ein Steg mit einer Länge von vielleicht 50 Metern beim Marrahaus, an dem mehrere Boote anlegen könnten, würde nicht viel kosten, sagt Ritter. Der Verein würde ihn mitpflegen. Ritter sagt: "Es wäre eine wunderbare Sache, Sportbootfahrer von der Mosel, dem Rhein oder dem Main oder aus anderen Ländern anzulocken."


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