Hochwasserschutz im Leintal: Damit nicht alle Dämme brechen

Region  Am Leinbach wird zwischen Eppingen und Frankenbach derzeit an acht Rückhaltebecken der Hochwasserschutz auf Vordermann gebracht. Erinnerungen an große Überschwemmungen werden wach.

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Es soll nicht wieder zu Überflutungen wie hier im März 2002 in Frankenbach kommen. Foto: Archiv/Sattar

Dezember 1993, Februar 1997, März 2002: Wer alte Fotos von den großen Hochwassern im Leintal sieht, wähnt sich in einer anderen Welt, oder zumindest in einem Katastrophenfilm. Unvorstellbar mutet es für junge Frankenbacher an, dass damals selbst mitten im Ort Straßen und Keller entlang des Leinbachs unter Wasser standen und provisorische Stege den "See" überbrücken mussten.

Unvorstellbar ist das auch, weil derzeit in unseren Breitengraden meist über Trockenheit geklagt wird. Doch im Zuge des Klimawandels nehmen die Extreme in jede Richtung zu: So ist nicht nur verstärkt mit Dürre und Hitze zu rechnen, sondern punktuell auch mit starken Unwettern und Niederschlägen.

Elf Ortslagen werden geschützt

Entlang der 24 Kilometer langen Lein, die oberhalb von Eppingen-Kleingartach entspringt und in Neckargartach in den Neckar mündet, hat man aus den Hochwassern und aus dem Klimawandel schon lange gelernt.

1998 schlossen sich die Anliegergemeinden Eppingen, Schwaigern, Leingarten, Massenbachhausen und Heilbronn zum Zweckverband Hochwasserschutz Leintal zusammen, wobei die Geschäftsführung bei Schwaigern liegt. Ziel: Elf Ortslagen mit einem Einzugsgebiet von 119 Quadratkilometern vor einem sogenannten 100-jährlichen Hochwasser zu schützen, also vor einer Flut, die alle 100 Jahre kommt - zumindest statistisch.

Ursprünglich war der Bau von zwölf Hochwasserrückhaltebecken (HRB) und mehreren kleineren örtlichen Maßnahmen geplant. 2007 schob man zwei HRB nach, weil der Deutsche Wetterdienst im Zuge des Klimawandels eine Zunahme punktuell starker Niederschläge vorhersagte. Außerdem wurde ein schon Anfang der 1980er gebautes Becken in Kirchhausen in den Verband integriert. 90 Prozent der Schutzmaßnahmen sind inzwischen angeschlossen, bis Ende 2025 soll alles fertig sein, erklärt Jakobine Biehl vom städtischen Amt für Straßenwesen, wo das Thema angesiedelt ist. Dann dürften 31 Millionen Euro in die Bauten geflossen sein, also in Dämme, Mauern, Becken oder etwa automatisierte Staustufen.

Aktuelle Arbeiten mit Baggern

Aufmerksame Spaziergänger, aber auch Autofahrer auf der Leintalstraße, sind dieser Tage hie und da auf Bagger gestoßen. Dabei handelt es sich laut Biehl um Unterhaltungsmaßnahmen. An acht Rückhaltebecken mussten Ablagerungen entfernt und das Bachbett ausgebaggert werden. Zudem wurden hölzerne Treibholzfänger durch Betonpfeiler ersetzt. Kostenpunkt: insgesamt 177.522 Euro.

Hochwasserschutz im Leintal: Damit nicht alle Dämme brechen

Dieses Frühjahr sind an acht Hochwasserrückhaltebecken im Leintal Bagger im Einsatz. Foto: Krauth

Neben kleineren lokalen Maßnahmen fehlt allein in Massenbach, das zu Schwaigern gehört, noch ein Becken, dessen Bau aber laut Biehl "in den letzten Züge liegt", das heißt: Ende Mai soll es fertig sein.

Auf Markung Heilbronn steht noch die örtliche Maßnahme plus Gewässerrenaturierung an der Corell´schen Insel entlang der Widmannstraße in Neckargartach aus. Dabei sollen zwei Wehranlagen weichen, die die ökologische Durchgängigkeit des Baches blockieren. "Die Abstimmungen mit den Grundstückseigentümern waren zeitintensiv", berichtet Biehl. "Eine Realisierung ist aus heutiger Sicht für Ende 2022 vorgesehen." Kostenpunkt: 1,2 Millionen Euro.

Außerdem stünden für das HRB am Bruchbach, Markung Kirchhausen, nördlich der Autobahn A6, Sicherheitsanpassungen an. Und in Massenbachhausen muss noch die Verdolung des Gießgrabens vergrößert werden.

 

Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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