Heilbronner Veranstaltungsbranche macht auf schwierige Lage aufmerksam

Heilbronn  Kurz nach Einbruch der Dunkelheit tauchen am Dienstag zwölf Scheinwerfer die Fassade des Clubs „Creme 21“ und den „Block E’“ in rotes Licht. Feierstimmung herrscht hier jedoch seit Beginn der Corona-Krise nicht mehr. Vielmehr ist die Aktion Teil der bundesweiten Protestaktion „Night of light“.

Von Linda Saxena
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Die Fassade des Heilbronner Clubs „Creme 21“ wurde Dienstagnacht in rotes Licht getaucht. Foto: Dominik Hotzy

Mittels roter Beleuchtung soll unter dem Hashtag #alarmstuferot auf die schwierige Lage der Veranstaltungsbranche in der Corona-Krise aufmerksam gemacht werden. In dieser Nacht ist Heilbronn einer von etwa 1800 Standorten, in denen Kulturstätten, Clubs und Veranstaltungsorte rot illuminiert werden. Für die Protestaktion haben sich mit Creme21-Betriebsleiter Felix Seeger (35), aus der Veranstaltungstechnik Twinsisters-Geschäftsführer Julian Braun (30) und Florian Staiger (37) von hms design solutions drei Vertreter der regionalen Veranstaltungsbranche zusammengeschlossen.

Kurzarbeit und finanzielle Sorgen

„Für unsere Branche herrscht Alarmstufe rot, da es keine Perspektive gibt“, erklärt Julian Braun. Großveranstaltungen, Konzerte und Clubnächte können weiterhin nicht stattfinden, Kurzarbeit und finanzielle Sorgen sind die Folge. Zudem „läuft die Überbrückungshilfe III Plus im September 2021 aus“, sagt Felix Seeger. Die mögliche Neubildung einer Regierung nach der Bundestagswahl und die politische Sommerpause verstärken die Ungewissheit in der Branche. Nun müsse es ein klares Zeichen seitens der Politik geben, wie etwa ein „Stufenplan für den Veranstaltungsbereich“, fordert Florian Staiger.

 

„Wir sind nicht das Problem, sondern ein Teil der Lösung“, gibt Seeger zu Bedenken. „Auf öffentlichen Flächen wird ohne Regulation gefeiert,“ sagt der Creme21-Betriebsleiter. Das sei pandemiebedingt und unter Betrachtung des Sicherheitsaspekts ein großes Problem. Dagegen sollen Maßnahmen wie „die professionelle Kontaktnachverfolgung, Lüftungsanlagen, antivirale Luftreiniger sowie die Einhaltung des Mindestabstandes“ ein sicheres Feiern gewährleisten, so Seeger. Statt der großen Tanzfläche im Club gebe es eine festzugewiesene Sitzordnung, „was auch im Konzertbereich und beim Fußball klappen würde“, ergänzt Braun.

Bundesweit einheitliche Regeln gefordert

Ein weiterer Kritikpunkt auf der Liste: Die Sperrstunde. Da diese ab dem 1. Juli beispielsweise in Österreich wegfällt, ist dort wieder Nachtgastronomie möglich. Auch in Hessen dürfen ab Freitag Clubs und Diskotheken unter Vorlagen im Außenbereich öffnen. „So entsteht Partytourismus“, sagt Seeger. Die drei Männer fordern bundesweit einheitlich geregelte Vorgaben für die Veranstaltungsbranche und ein Licht am Ende des Tunnels. Man freue sich über die sinkenden Inzidenzwerte und wolle diese nicht gefährden, so Staiger. „Uns ist es wichtig, dass das Hygienekonzept beim Feiern über lange Zeit berücksichtigt wird“, sagt Seeger. Im Falle einer Lockerung der Corona-Regeln „sind wir bereit, auf alles einzugehen, keine Frage“, stellt Braun sicher.


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