Heilbronner Stadtbibliothek wird für 3,6 Millionen Euro modernisiert

Heilbronn  Die Heilbronner Stadtbücherei im K3 am Berliner Platz wird im Jahr 2022 für rund 3,6 Millionen Euro erweitert und zeitgemäß umgebaut. Sie soll verstärkt ein Ort der Begegnung sein und nicht nur Info-Quelle.

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Ins erste Obergeschoss der Stadtbibliothek Heilbronn führt künftig ein Treppenkörper. Dort formt er ein Atrium, das ein Lesecafé umschließt. Gleichzeitig bildet die Treppe die Rückwand des Kinderbereichs.

Der Handel im K3 am Berliner Platz ist in stetigem Wandel. Nun soll bis Ende 2022 die dortige Stadtbibliothek Heilbronn zeitgemäß umgestaltet werden, für rund 3,6 Millionen Euro.

Das Rathaus hat hierfür vier Architekturbüros um Pläne gebeten, alle aus Stuttgart: Dittel, Scope, Steinle sowie Blocher. Der Gemeinderat folgte, mit Ausnahme der AfD, am Donnerstag dem Votum einer Wettbewerbsjury. Demnach soll das Büro Dittel Architekten zum Zuge kommen.

Verstärkt auch Laufkundschaft anziehen

Grundidee des Umbaus, der im neuen Erdgeschoss 375 Quadratmeter, im ersten Obergeschoss 3204 Quadratmeter umfasst, ist es, die Bibliothek nicht nur als Info-Quelle zu begreifen, sondern als Ort der Begegnung und des Verweilens. Sie übernehme zunehmend auch soziale und kulturelle Funktionen - für vielschichtige Nutzergruppen. Mitten im K3 wolle man verstärkt auch Laufkundschaft anziehen. So soll der neue, auskragende und farblich akzentuierte Eingang im Erdgeschoss wie ein Anker wirken.

Im EG leitet der Bodenbelag die Besucher entlang einer Funktionswand ins Innere. Hier findet man Rückgabe, Kassenautomat, Kinderwagenplätze, Schließfächer. Für die persönliche Betreuung sind gegenüber Infotheke, Ausleihe und Treppe angeordnet. Die Theke kann, wenn sie nicht besetzt ist, in der Wand verschwinden. Gleichzeitig gibt es im EG Platz für Kommunikation, zum Sitzen und Warten, aber auch für Informations-Stationen wie Flyer, Plakate, Leitsystem, Info-Bildschirm. Hauptgestaltungselement im Inneren wird ein Treppenkörper über beide Geschosse, er soll "Sogwirkung ins Obergeschoss" haben.

Im Obergeschoss formt der Aufgang ein Atrium, das ein Lesecafé umschließt und mit Möbeln und Sitzstufen auch für Workshops oder Lesungen taugt. Gleichzeitig bildet der Treppenkörper die Rückwand des Kinderbereichs mit Lese-Spiel-Nischen, die, so heißt es im Dittel-Entwurf, spannende Blickbezüge ins EG öffnen.

Lesecafé und Veranstaltungsbereich

Heilbronner Stadtbibliothek wird für 3,6 Millionen Euro modernisiert

Der Entwurf des Stuttgarter Architekten Dittel ging aus einem beschränkten Wettbewerb hervor, zu dem die Stadt vier Büros geladen hatte. Hier der neue Eingangsbereich im Erdgeschoss.

Fotos: Dittel/Stadt Heilbronn

Im OG stößt man direkt auf den zentralen Empfang und das Lesecafé. Von dort aus kann der Besucher "in dynamischer Wegeführung" die einzelnen Bereiche erschließen und entdecken. Bei der Einteilung stehe neben den Wegen die Funktionalität im Vordergrund. Der Veranstaltungsbereich kann autark genutzt werden, mit Zutritt zu Teeküche und Sanitärbereich, auch ohne Zugang zur Bibliothek.

Dem Büro Dittel ist es wichtig, den Bestand soweit möglich zu integrieren. An Schlüsselstellen werden gezielt neue Einbauten installiert wie etwa der markante Treppenkörper. Die Funktionswände beinhalten alle neuen Nutzungen oder geben den bestehenden Regalen einen neuen Rahmen. Die Materialien sollen nicht nur schön sein und zur Atmosphäre beritragen, sondern auch robust und lange halten. Bei Bedarf können räumliche Situationen ohne großen Aufwand geändert und neuen Anforderungen angepasst werden, da nur die Schlüsselelemente fest verbaut sind.

Rege Debatte im Gemeinderat

Auf Einhaltung der Finanzen pochte allen voran CDU-Stadtrat Thomas Randecker. Eva Luderer (Grüne) lobte die Pläne, wünschte sich ein Literaturcafé auf der öffentlichen K3-Empore und vermisste angemessene Räume für das Kleist-Archiv. Nachdem das Projekt zeitweise gewackelt hatte, sprach Tanja Sagasser-Beil (SPD) nun von einem "guten Tag für alle Literaturinteressierten, aber auch für alle Kinder". Für Raphael Benner (AfD) ist "alles überdimensioniert", er vermisst die Einbindung der Hochschulen und ein größeres Digital-Angebot.

Er sei "kein Freund des Standorts K3" gewesen, die jetzige Lösung aber stünde der Bildungs- und Unicef-Kinderstadt Heilbronn gut zu Gesicht, so Malte Höch (FWV). Nico Weinmann (FDP) betonte: Über die Neugestaltung hinaus sollte "der Bildungsstandort" auch durch erweiterte Öffnungszeiten gestärkt werden. Als sich verschiedene Räte noch angemessene Mitarbeiter-Räume wünschten, wies OB Harry Mergel Applausgeber im Publikum in die Schranken.

 

Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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