Heilbronn übernimmt die aktuelle Corona-Verordnung des Landes

Heilbronn  Das Coronavirus war Thema im Gemeinderat. SLK-Geschäftsführer Thomas Weber und Dr. Peter Liebert vom Gesundheitsamt schilderten die Situation. Um die Abstands- und Hygieneregeln zu vereinfachen, hebt Heilbronn nun die eigene Allgemeinverfügung auf.

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Bei ausreichendem Abstand von mindestens 1,50 Meter muss in den Fußgängerzonen in Heilbronn keine Maske mehr getragen werden.

Foto: Ralf Seidel

Es war eine denkwürdige Sitzung des gemeinderätlichen Verwaltungsausschusses im Großen Ratssaal des Heilbronner Rathauses. Auf Empfehlung von Oberbürgermeister Harry Mergel - eine Anordnung seitens des Landes gibt es nicht - trugen erstmals Mitarbeiter der Verwaltung sowie 12 von 14 Stadträten wegen der Corona-Pandemie einen Mund-Nasen-Schutz auch während der Sitzung.

Alle Teilnehmer müssten in Quarantäne

Lediglich die Stadträte Christoph Troßbach (CDU) und Raphael Benner (AfD) setzten am Platz wie berichtet keine Maske auf. Mergel begründete seinen Appell mit dem Wissen, dass bei einer Besprechung ohne Maske bei einem infizierten Teilnehmer alle anderen Personen in Quarantäne müssten: "Mit Maske ist das nicht der Fall."

Die OB-Bitte, Maske zu tragen, war Malte Höch allerdings zu willenlos: "Statt einer Empfehlung hätte ich mir Stärke und eine klare Ansage seitens der Verwaltung gewünscht", monierte der FWV-Stadtrat. Gleiches gilt für ihn auch bei der unterschiedlichen Ausweisung der Maskenpflicht in der Heilbronner Innenstadt: "Hin und Her ist nicht das Gebot der Stunde." Besonnen reagierte Mergel auf die Kritik: "Ich kann nichts anordnen, was dem Recht nicht standhält. Heilbronn hat einen führungsstarken OB." Danach war dieses Thema vom Tisch.

Regeln zur Maskenpflicht in Heilbronn

Um den Heilbronnern das Leben in der Corona-Zeit einfacher zu machen, übernimmt die Stadt in allen Punkten die aktuelle Corona-Verordnung des Landes. Dazu der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel in der Sitzung des Verwaltungsausschusses am Montag: "Wir heben deshalb unsere Allgemeinverfügung auf."

Die Maskenpflicht gilt weiterhin in Fußgängerzonen, wenn der Mindestabstand von 1,50 Metern zu anderen Passanten nicht eingehalten werden kann. Nur wenn der Abstand ausreichend ist, zum Beispiel in den Abend- und Nachtstunden, muss keine Maske getragen werden. Die Hinweisschilder bleiben. Der kommunale Ordnungsdienst wird die Einhaltung der Regeln weiter kontrollieren. Außerhalb von Fußgängerzonen besteht in Heilbronn im Freien keine Maskenpflicht. 

Regelbetrieb am SLK Klinikum läuft normal weiter

Nachdenklich stimmten die Worte von Thomas Weber: "Die Corona-Situation verschärft sich wieder. Jede Woche haben wir etwa zehn mit dem Virus infizierte Patienten mehr. Das ist ein Treppeneffekt", sagte der Geschäftsführer der SLK-Kliniken Heilbronn. Deshalb werde die Last auf die Kliniken Gesundbrunnen und Löwenstein verteilt. Damit werde sichergestellt, dass der Regelbetrieb noch nicht eingeschränkt werden müsse.

Um die Sicherheit am Klinikum zu gewährleisten, werden 60 Prozent der Besucher nicht mehr eingelassen. Ausnahmen gelten bei Sterbenden, Patienten, die älter als 80 Jahre sind, bei Schwangeren und Kindern.

Private Feiern werden zunehmend zu Hotspots

Klare Worte fand in der Sitzung auch Dr. Peter Liebert, Leiter des städtischen Gesundheitsamts Heilbronn: "Man kann das Virus nicht wegtesten, aber erreichen, dass rechtzeitig Maßnahmen ergriffen werden." Zunehmend zu Hotspots würden private Feiern: "Je diffuser eine Infektion wird, desto schwerer wird die Nachverfolgung", erklärte der Mediziner. In diesem Zusammenhang merkte SLK-Geschäftsführer Weber an: "Wir stellen zunehmend fest, dass die Hygiene nachlässt und auch der Abstand nicht mehr so konsequent wie früher eingehalten wird."

Mehr Personal und Platz für das Gesundheitsamt

Froh ist Peter Liebert, dass sein Gesundheitsamt, in dem die Belastung der Mitarbeiter derzeit "sehr hoch" ist, durch Bundeswehrsoldaten unterstützt wird: "Sie sind sehr angenehm, ganz gut im Geschäft und packen zu." Erleichtert ist er auch darüber, dass das Amt in der Lohtorstraße weitere Räume erhält, um Personal unterzubringen: "An der Bahnhofstraße ist es personell rappelvoll." Wert legte Liebert auf die Feststellung, dass die Teststation auf der Theresienwiese keine Institution des Gesundheitsamtes ist, sondern von der Kassenärztlichen Vereinigung betrieben wird.

Gut und regelmäßig lüften ist wichtig

97 Prozent der Klassenräume in Heilbronn können nach den Worten von Sozialbürgermeisterin Agnes Christner natürlich belüftet werden: "Gut und regelmäßig lüften ist nach Expertenmeinung ausreichend". Zur Situation in den Seniorenheimen in der Stadt sagte sie: "Alle Träger gehen sehr verantwortungsbewusst mit dem Thema um."

Das Telefon steht nicht mehr still

Ordentlich zu tun haben die Mitarbeiter an der städtischen Corona-Hotline: "Zurzeit gehen 800 bis 1500 Anrufe täglich ein", erklärte Tilo Schilling, Leiter des Personalamts. Hilfreich sei dabei die Unterstützung durch Mitarbeiter der Kreissparkasse Heilbronn. Zudem sei Hilfe bei der Bundeswehr angefordert.


Joachim Friedl

Joachim Friedl

Stv. Leiter der Stadtkreis-Redaktion

Joachim Friedl arbeitet seit Ende 1979 bei der Heilbronner Stimme. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Kommunalpolitik.

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