Heilbronn nähert sich weiter dem kritischen Corona-Wert

Heilbronn  Im Stadtkreis Heilbronn gilt weiter die sogenannte "Vorwarnstufe", die Lage hat sich am Montag nochmals zugespitzt. Demnach liegt die Zahl der Corona-Neuinfektionen bezogen auf 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen bei 41,2. Wird der kritische Wert von 50 erreicht, ist mit weiteren Einschränkungen zu rechnen.

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Schon am Wochenende war für Heilbronn die Vorwarnstufe ausgerufen worden. Sie gilt, sobald die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz 35 erreicht. Während Landkreis Heilbronn (16,9) und Hohenlohekreis (6,2) deutlich unter den relevanten Grenzen bleiben, erreichte die Stadt Heilbronn zeitweise den dritthöchsten Inzidenz-Wert aller Kreise bundesweit.

Großteil der Neuinfektionen bei Reiserückkehrern

"Diese Entwicklung ist kein Grund zur Panik, aber zur Sorge und erfordert von uns allen besondere Vorsicht", sagte Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel am Montag. Nach wie vor gebe es keine "diffuse Streuung" in der Stadt, so die Einschätzung des Rathauses. Die Aufmerksamkeit gelte den Reiserückkehrern. Auf sie entfielen zuletzt fast 80 Prozent der neu gemeldeten Infektionen. Besonders häufig betroffen waren Rückkehrer aus dem Kosovo und aus Kroatien.

"Die Gefahr besteht, dass wir die Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern erreichen", sagte Thomas Weber, Chef der SLK-Kliniken, am Montag beim Corona-Forum der Heilbronner Stimme. Sollte die Zahl weiter steigen, würden "weitere Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Virus ergriffen", teilte das Rathaus mit.

 

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Das bayerische Rosenheim hat die 50er-Marke gerissen und mit strikten Regeln etwa für die Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen reagiert. Bewohner besonders betroffener Stadt- oder Landkreise müssen in manchen Bundesländern 14 Tage in Quarantäne, etwa in Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern.

Das Stuttgarter Sozialministerium verschickt an Kreise - dies ist auch in Heilbronn der Fall - Handlungsempfehlungen, sobald der 35er-Wert überschritten wird. Darin rät das Ministerium dazu, öffentliche Veranstaltungen unter freiem Himmel auf 250 Personen zu begrenzen, private Veranstaltungen mit höchstens 50 Personen zuzulassen, in geschlossenen Räumen, in der Öffentlichkeit sowie im ÖPNV verstärkt den Mindestabstand und die Maskenpflicht zu kontrollieren - und eine Maskenpflicht für Gäste in Restaurants und Bars nach Verlassen des Tisches zu erlassen.

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Sozialminister Manne Lucha (Grüne) nahm die Entwicklung in Heilbronn zum Anlass, die Bürger zur Vorsicht zu mahnen. Es zeige sich , "dass wir uns im Land in einer überaus fragilen Situation befinden. Wir müssen jetzt besonders wachsam bleiben - nicht nur in Heilbronn, sondern in ganz Baden-Württemberg", sagt Lucha gegenüber der Heilbronner Stimme. Er erklärt weiter, die Situation in Heilbronn sei kein Einzelfall. Würde die Bevölkerung die Regeln nicht einhalten, seien weitere Einschränkungen unumgänglich.

Der aus Heilbronn stammende Landesinnenminister Thomas Strobl erklärt, er habe der Stadt für seinen Bereich jede Unterstützung zugesagt. Für Urlaubsreisende, die sich im Ausland nicht an Hygiene- und Abstandsregeln hielten, habe er kein Verständnis. "Wer sich im Urlaub nicht an die Regeln hält, hat aus Ischgl nichts gelernt", so Strobl.

Landesregierung mahnt zu Vorsicht

Beim Stimme-Corona-Forum wurde deutlich, dass die Testkapazitäten bei Ärzten und Laboren weitgehend ausgereizt sind. Der Heilbronner Ärztesprecher Martin Uellner, der eine große Corona-Schwerpunktpraxis in der Region betreibt, warnte vor einer Ausweitung der Test. Diese sei von den Niedergelassenen nicht zu leisten - auch die Wartezeit auf Laborergebnisse würde sich dadurch deutlich erhöhen.

Aktuell, so Uellner, teste er rund 100 Personen am Tag, vor allem Rückkehrer aus dem Kosovo oder Kroatien. "Die meisten haben gar keine Symptome, sondern kommen, weil sie einen negativen Befund brauchen, um an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren." Dabei sein ein negativer Test womöglich nur eine Momentaufnahme, so SLK-Ärztin Maria Martin. Im SLK-Verbund werde im Verdachtsfall im Drei-Tages-Rhythmus getestet, nur dadurch sei Sicherheit möglich.

 

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Kommentar: Richtiger Vorstoß

Von Valerie Blass

Es ist eine Kehrtwende, die Gesundheitsminister Jens Spahn am Montag ankündigte: Die Pläne des CDU-Politikers sehen vor, dass Corona-Tests für Reiserückkehrer am Ende der Ferien eingestellt werden. Stattdessen soll eine Quarantäneregelung für Menschen aus Risikogebieten her: Jeder Betroffene soll in Absonderung, diese kann frühestens nach fünf Tagen durch ein negatives Testergebnis beendet werden.

Medizinisch ist das Vorhaben richtig. Ein Test, so viel wurde beim Corona-Forum der Stimme deutlich, muss richtig ausgeführt werden, um ein korrektes Ergebnis zu bringen. Ein bisschen über die Zunge wischen reicht nicht. Ob diese Qualität an Autobahn-Teststellen, wo Freiwillige Tausende Abstriche am Tag nehmen, gewährleistet werden kann, ist fraglich. Zudem ist ein Test nur eine Momentaufnahme. Gerade, wenn sich Urlauber erst am Ende ihres Aufenthalts infizieren, ist das Risiko hoch, dass ein Test bei der Rückreise nicht anschlägt. Viel Aufwand also, der womöglich in Tausenden Fällen ins Leere läuft.

Das können wir uns nicht leisten. Tests müssen zielgerichtet eingesetzt werden, wo sie wirklich Sinn machen. Ein Test darf zudem kein Freifahrtschein für eine Reise in ein Risikogebiet sein. Wer weiß, er muss nach seiner Rückkehr in Quarantäne, wird seine Pläne sicher gründlicher überdenken.

 


Hettich

Alexander Hettich

Stellvertretender Leiter der Regionalredaktion

Alexander Hettich ist stellvertretender Leiter der Regionalredaktion. Er arbeitet seit 2003 bei der Heilbronner Stimme, berichtet über Verkehrsthemen, über Kommunalpolitik und Heilbronn.

Michael Schwarz

Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

Valerie Blass

Valerie Blass

Autorin

Valerie Blass ist Autorin im Politik-Team. Ihr besonderes Interesse gilt Themen aus dem Bereich Gesundheit.

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