Ein ganzes Jahrhundert voller Abenteuer

Heilbronn  Alfons Keilbach aus Heilbronn-Sontheim wird heute 100 Jahre alt. Er erzählt von seinem Leben, seinen Kriegserlebnissen und der Liebe zu seiner Familie.

Email

Alfons Keilbach wurde 1920 in Sontheim geboren und feiert heute seinen 100. Geburtstag. Auch sein Hund Gismo ist schon 14 Jahre alt.

Foto: Mario Berger

Die 100 Jahre sieht man Alfons Keilbach wahrlich nicht an. Selbst die Treppen im Garten hinter dem Haus sind mit seiner Tochter am Arm kein Hindernis. Munter und glücklich wirkt er, als er von seinem Leben erzählt.

1920 geboren, hat Alfons Keilbach schon viel erlebt - Krieg und Krisen, aber natürlich auch viele glückliche Momente, besonders mit seiner Familie. "Ich bin durch das Leben bisher gut durchgekommen, das Schicksal hat es gut mit mir gemeint", sagt er fröhlich.

Durch den Krieg verändert sich viel

Zu den 100 Jahren, die Alfons Keilbach auf der Welt ist, zählen auch die schwierigen Jahre während und nach dem Zweiten Weltkrieg. "Der Krieg hat zwangsläufig die größten Veränderungen in meinem Leben mit sich gebracht", erzählt er.

Am lebhaftesten ist dem Sontheimer in Erinnerung, wie er zu seinen Marine-Zeiten 1941, mit 21 Jahren, ein Bootsunglück überlebte. "Unser Schiff wurde sabotiert und ist untergegangen. Es war 10 nach 2 Uhr nachts. Mein Fuß war eingeklemmt und erst, als das Schiff auf dem Grund aufkam, kam ich los und konnte nach oben." Nur zwei der 30 Besatzungsmitglieder überleben, Alfons Keilbach ist einer davon.

Dann macht er einen Laufbahnwechsel und kommt nach Danzig. Dort lernt er auch seine spätere Frau kennen, eine gebürtige Danzigerin. Als der 100-Jährige anfängt, von ihr zu erzählen, leuchten seine Augen auf. Gisela. "Weil die Ostfront schon immer näher rückte, musste sie zu Verwandten nach Hamburg fliehen", erinnert er sich.

Keilbach selbst kommt in Kriegsgefangenschaft. "Bis Fronleichnam 1945, dann wurde das Gefangenenlager aufgelöst." Für seine Familie ist Keilbachs Rückkehr eine Riesenüberraschung und Freude.

Auf nach Hamburg und zurück

Vier Wochen lang erholt er sich zu Hause, dann macht er sich auf nach Hamburg: "Ich hatte die Adresse von Giselas Verwandten, und so habe ich meine Braut angetroffen und konnte mit ihr die Reise zurück nach Heilbronn antreten."

Als gelernter Maschinenschlosser findet Keilbach schon im Februar 1946 Arbeit und bleibt bis zum Rentenalter bei seiner Firma. "Nachdem ich Rentner war, konnte ich mich mit meiner Familie mehr beschäftigen, insbesondere mit meiner Frau. Das war sehr schön", sagt der Sontheimer.

Spazierengehen hält fit

Täglich geht er mit den Enkeln und Urenkeln spazieren, zum Teil kilometerweit. "Da sind beim Kinderwagen schon die Räder heiß gelaufen", sagt Keilbach und lacht. Das habe ihn körperlich und mental fit gehalten. 2002 verstirbt dann seine geliebte Frau Gisela. "Das hat mir natürlich einen Schock versetzt", erzählt er traurig. Doch die Familie, seine zwei Kinder, zwei Enkel und fünf Urenkel, bleiben sein Anker. "Dank ihnen bin ich nie allein."

Tipps zum Altwerden

Und wie wird man 100 Jahre alt, was ist Alfons Keilbachs Geheimnis? "Ich war immer mit mir selbst zufrieden. Man sollte sich auf das Wesentliche konzentrieren", sagt er. Das Wesentliche - für ihn bedeutet das, sich um die Familie und die eigene Gesundheit zu kümmern. Die Nähe und Liebe zu seiner Familie ist auf jeden Fall deutlich zu spüren. Und heute kommen sie alle zusammen, um seinen 100. Geburtstag zu feiern.


kom_heffter

Annika Heffter

Autorin

Annika Heffter arbeitet seit 2018 bei der Heilbronner Stimme und ist seit 2020 Redakteurin im Stadtkreisressort.

Kommentar hinzufügen