Ehrenamtliche möblieren Zimmer für Obdachlose

Heilbronn  Zahlreiche Helfer bauen Möbel für 43 neue Zimmer in einer neuen Obdachlosenunterkunft an der Ecke Wacksstraße/Franz-Renner-Straße in Heilbronn auf. Die Neubauten sollen zum 1. Dezember bezogen werden.

Von Ralf Schick
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Ein Großteil der Schränke, Betten, Tische, Stühle und Küchenregale wurde am Samstag von den Helfern zusammengebaut.

Foto: Ralf Schick

Etwas teurer als geplant wird es zum 1. Dezember an der Ecke Wacksstraße/Franz-Renner-Straße in Heilbronn 43 neubeziehbare Zimmer für Obdachlose in der Bahnhofvorstadt geben. Rund 4,7 Millionen statt der ursprünglich anvisierten 3,8 Millionen Euro haben die beiden Neubauten mit drei und vier Stockwerken gekostet. 55 Helfer haben am Samstag stundenlang jede Menge Regale, Schränke, Tische und Stühle zusammengeschraubt.

Die Akkuschrauber dröhnen schon von weitem genauso wie die zahlreichen Hammerschläge, um die letzten Nägel für die Rückwand der Schränke zu befestigen. Peter Albrecht, Ralph Dausch und Michael Weis von den Kiwanis stehen am späten Nachmittag in einem der neuen Zimmer und legen letzte Hand an. "Das war jetzt der sechste Schrank heute", sagt Weis und freut sich mit den ehrenamtlichen Handwerkern über die getane Arbeit.

Die Bewohner der neuen Appartements erwarten kleine Annehmlichkeiten auf überschaubarem Raum

Noch sind nicht alle der insgesamt 45 Betten, 45 Schränke, 45 Küchenregale, 45 Tische und über 100 Stühle zusammengeschraubt, die bisher in Kartons verpackt und bei der Aufbaugilde gelagert waren. Doch ein Großteil davon konnte am Samstag für die neuen 43 Appartements mit jeweils 21 Quadratmetern Wohnfläche, darunter ein Doppel-Appartement und eine Pförtner-Loge, fertiggestellt werden.

Und viele haben mitgeholfen, etwa Mitglieder von Rotary Heilbronn-Neckarsulm, ehemalige Frankenbacher Handballer und Mitarbeitende der Aufbaugilde Heilbronn. "Hier werden Menschen, die auf der Straße leben, temporär wohnen können", sagt Dagmar Lägler, Vorsitzende des Vereins Aufbaugilde Heilbronn-Franken. Die Grundsteinlegung für den Neubau war bereits im Januar 2020, und der Bedarf ist groß.

In den neuen Gebäuden wird es nachts einen Pförtner geben, kein Alkoholverbot und tagsüber Sozialpädagogen als Ansprechpartner, erzählt Lägler. "Leben werden hier Menschen alter Altersschichten", sagt die Aufbaugilde-Vorsitzende, viele davon sind durch jahrelangen Drogen- und Alkoholkonsum teils am Ende ihrer Kräfte und benötigen dringend ein zeitweiliges Obdach. Darunter sind auch vier Bewohner, die mit ihrem Krankenbett von der Zwischenunterkunft in der Happelstraße nun in die Bahnhofvorstadt umziehen. Es soll eine Art Steigbügel sein für Obdachlose, um später einmal in einer eigenen Wohnung zurecht zu kommen, deshalb legt Lägler auch Wert auf das "temporäre" Wohnen.

Die Finanzierung ruht auf vielen Schultern

Rund 4,7 Millionen Euro kosten die beiden Gebäude, davon zahlt das Land Baden-Württemberg 1,2 Millionen Euro, der Kommunalverband Jugend und Soziales 300 000 Euro und das Diakonische Werk, zu dem die Aufbaugilde gehört, 860 000 Euro. Hinzu kommen Zuschüsse und Kredite, die die Aufbaugilde aufnehmen muss. 33 Appartements werden so teilgefördert, zehn muss die Aufbaugilde selbst durch Spenden und Eigenmittel bezahlen. "Das Charmante hier ist, dass man zu den Appartements über ein offen zugängliches und zentrales Treppenhaus gelangt und nicht wie bei einem Mietshaus gleich zur Türe eintritt", sagt Architekt Holger Feldmann, der seine ehemaligen Frankenbacher Handballkollegen zum samstäglichen Einsatz mitbrachte.

 


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