Druckzentrum der Heilbronner Stimme wird 25 Jahre alt

Heilbronn  Jeden Tag und jede Nacht werden in der Heilbronner Austraße zehntausende Tageszeitungen und viele weitere Produkte gedruckt. Seit 2014 sind zwei neue Maschinen im Einsatz.

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Selbst für alle, die beim Medienunternehmen Heilbronner Stimme arbeiten, ist ein Besuch im Druckzentrum in der Austraße 50 in Heilbronn immer wieder aufs Neue ein beeindruckendes Erlebnis - wenn in der Nacht die Maschinen anlaufen und in Windeseile zehntausende Zeitungen produzieren, die nur wenige Stunden später druckfrisch im Briefkasten der Abonnenten in der Region liegen. In früheren Tagen der Stimme wurde direkt im Verlagsgebäude an der Allee 2 im Herzen der Stadt gedruckt. Heute vor 25 Jahren wurde dann im Industriegebiet, genauer gesagt in der Austraße 50, das neue Druckzentrum, der Pressedruck, eingeweiht.

Offsetdruck war 1995 eine Revolution

Neben dem Gebäude an sich war die eingesetzte Technik eine Revolution, denn mit den neuen Räumlichkeiten führte die Tageszeitung Nummer eins in der Region den sogenannten Offset-Druck ein. Die Bezeichnung kommt vom englischen "offset" oder "set off" und bedeutet nichts anderes als das "Absetzen", also das Übertragen der Druckfarbe von der Druckform (Druckplatte) auf ein Drucktuch (Gummituch) und von dort auf das Papier. Apropos Papier: Jede der Papierrollen, die für den Druck verwendet werden, wiegt an die 1400 Kilogramm. "Der Offsetdruck gilt inzwischen schon sehr lange als das qualitativ und produktionstechnisch ausgereifteste aller Hauptdruckverfahren", erläutert Jochen Engelbrecht, Technischer Leiter der Heilbronner Stimme.

Alt-Verleger Frank Distelbarth war der visionäre Baumeister des Verlags

"Eine Stimme mit zwei Adressen: Allee und Austraße, so lautete der Titel des Editorials von Frank Distelbarth in der Sonderbeilage, die am 29. September 1995 erschien. Der verstorbene Alt-Verleger hatte damals frühzeitig die Weichen für das neue Druckzentrum und technische Innovationen gestellt. "Mein Vater war ein bodenständiger Visionär und Baumeister des Verlags", sagt Tilmann Distelbarth, der seit 1997 als Verleger die Geschicke des Medienunternehmens in dritter Generation lenkt.

1995 eingeführtes Farbleitsystem hat bis heute Bestand

Nicht nur die Druckerei war 1995 eine Neuheit, auch die Zeitung selbst erhielt ein frischeres Gesicht, mit dem Farbleitsystem, das bis heute erhalten blieb. Die einzelnen Teile der Tageszeitung, die sogenannten Bücher, haben Farben zur Wiedererkennung. So ist das erste Buch, die Politik, in blau getaucht. Das zweite, ockerfarbene Buch, beinhaltet die Service- und Wirtschaftsseiten. Grün ist dem dritten Buch, dem Sport, vorbehalten. Das Herzstück der Stimme, Buch Nummer vier, ist rot eingefärbt - der Regionalteil. "Das Farbleitsystem ist bis heute genial einfach und einfach genial", sagt Chefredakteur Uwe Ralf Heer. "Neben den Farben hat sich bis heute nichts an unserem Anspruch geändert: Wer wissen will, was in der Region los ist, erfährt es von der Stimme."

15 Millionen Euro für zwei hochmoderne Druckmaschinen

Die Technik im Druckzentrum ist seit 1995 nicht stehen geblieben. Ganz im Gegenteil: Hier wurde im Lauf der Zeit immer wieder investiert und modernisiert. Der entscheidende Schritt in Richtung Zukunft reicht sechs Jahre zurück: Im September 2014 nahm das Medienunternehmen Heilbronner Stimme in der Austraße zwei neue Druckmaschinen in Betrieb. 15 Millionen Euro hatte der Verlag seinerzeit investiert. "Ein deutlicheres Bekenntnis zur gedruckten Zeitung kann es kaum geben", sagt Verleger Tilmann Distelbarth. "Diese Investition sorgt seither dafür, dass die mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Druckqualität auch in Zukunft jederzeit auf höchstem Niveau bleibt."

Das Herz der Zeitung schlägt zum einen an der Allee, wo die Redaktion tagtäglich alle Kanäle von der gedruckten Zeitung bis zur Internetseite stimme.de bestückt. Zum anderen schlägt es in der Austraße. Es schlägt nachts. Und es schlägt zigtausendfach in der Stunde - wenn zwischen etwa 22 und 2 Uhr die neuen Ausgaben der Heilbronner Stimme, Hohenloher Zeitung und Kraichgau Stimme gedruckt werden und pro Sekunde zwölf Meter Papier durch die "Commander CL" zischen, eine imposante und hochmoderne Zeitungsrotation.

Wie eine Operation am offenen Herzen

"Die neue Anlage während des laufenden Betriebs zu installieren, glich 2014 einer Operation am offenen Herzen", blickt Michael Beck, Leiter Einkauf, Service und Organisation, zurück. Im Januar 2014 begann die Demontage der alten Rotation, um Platz für die vier neuen Drucktürme zu schaffen. Das Projekt war technisch und vom Ablauf her äußerst anspruchsvoll, musste doch während der gesamten Bauphase mit der bestehenden Anlage weiter produziert werden. Bereits im April konnten der Lokalteil der Tageszeitung sowie die Echo-Wochenblätter und andere Produkte mit der neuen Rotation gedruckt werden. Mitte November 2014 ging die "Commander CL" der Würzburger Firma Koenig & Bauer schließlich komplett in Betrieb.

"Wir sind in der Technik ganz vorne", sagt Tobias Sobkowiak, Leiter des Pressedrucks. "Das ist auch wichtig, wenn man neu investiert", erklärt er mit Blick auf die Nutzungsdauer von mindestens 15 Jahren. Neben Tageszeitungen wird in der Austraße das Echo gedruckt, dazu viele Beilagen und Sonderprodukte. Für die Tageszeitung werden je nach Umfang zehn bis 15 Papierrollen mit je rund 20 Kilometer Länge benötigt. Das Drucken der Hohenloher Zeitung dauert 40 Minuten, das der Kraichgau Stimme 20. Zum Schluss wird die Stadtausgabe gedruckt, weil der Weg für die Zustellung hier der kürzeste ist.

Jeden Tag ein qualitativ hochwertiges Produkt

So erhält jeder Abonnent und Käufer der Tageszeitung am Kiosk von Montag bis Samstag stets ein qualitativ hochwertiges Produkt - sowohl was den Druck als auch den Inhalt angeht. "Glaubwürdigkeit und journalistische Unabhängigkeit sind unser höchstes Gut. Die Eigenständigkeit der Redaktion wird auch heute, fast 75 Jahre nach der ersten Ausgabe der Heilbronner Stimme, so intensiv gelebt, dass die Redakteure ihrer journalistischen Aufgabe vollumfänglich nachkommen können", sagt Chefredakteur Uwe Ralf Heer. "Ich bin fest davon überzeugt, dass die gedruckte Tageszeitung noch lange ein Erfolgsmodell sein wird."


Alexander Schnell

Alexander Schnell

Ressortleiter Leben und Freizeit

Alexander Schnell leitet seit 1. Juni 2006 das Ressort Leben und Freizeit und ist damit für alle Sonderveröffentlichungen des Medienunternehmens zuständig. Dazu gehören unter anderem auch das Wochenendmagazin Freizeit und die Autostimme. Ein Spezialgebiet des gebürtigen Heilbronners sind alle Themen rund ums Auto und Mobilität. Darüber hinaus ist Schnell Mitglied der Chefredaktion.

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