Die "St. Anna-Linde" gilt als ältester Baum in Heilbronn

Heilbronn  Der Baum ist eine Legende, seine Geschichte ist es auch. Die "St. Anna-Linde" in Kirchhausen gilt als der älteste Baum auf Heilbronner Gemarkung. Nicht nur Bewohner von Kirchhausen lieben den Platz rund um das Naturdenkmal.

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Ein beeindruckendes Naturdenkmal: Die St. Anna-Linde im Stadtteil Kirchhausen.

Foto: Andreas Veigel

Die auf einer Anhöhe zwischen Kirchhausen, Frankenbach und Leingarten gelegene mächtige Winterlinde steht bereits seit 1941 unter Naturschutz.

"Noch heute kommen Leute an einem schönen Sommertag zu der Anhöhe, setzen sich unter den Baum und genießen ganz einfach das wunderbare Ambiente", weiß Bruno Bopp. Auch für den langjährigen Gemeinde- und Bezirksbeirat des Ortsteils Kirchhausen zählt der idyllische Ort rund um die St. Anna-Linde zu den bezauberndsten Plätzen in der Stadt Heilbronn.

Unglück in der Kapelle

Seinen Namen trägt der Baum von einer der heiligen Anna geweihten Kapelle, die im 14. Jahrhundert an der Stelle erbaut worden sein soll. Sie sei, so berichtet die Sage, nach einem Unglück während eines Festgottesdienstes zusammengestürzt und habe Priester und viele Gläubige unter sich begraben. Zur Erinnerung wurde dort, wo die Kapelle gestanden haben soll, ein Gedenkkreuz, das "Annakreuz", errichtet, das bald von einer Linde überwachsen wurde.

Der weit über 300 Jahre alte Baum mit einem Stammumfang von 7,64 Meter und einer Höhe von rund 25 Meter ist für Bruno Bopp "noch schöner geworden", nachdem ein Experte des Grünflächenamtes die Linde im Jahr 2011 ertüchtigt und behutsam geschnitten hat. Um ihre Statik zu sichern, wurden in den vergangenen Jahren zudem rund 270 Meter Stahlseile gespannt. "Wenn der Baum heute blüht und seine besonderen Duftwolken entwickelt, ist das ein Traum", sagt Bopp.

Besondere Aura

Vom Duft der "St. Anna-Linde" schwärmt auch Joachim Hetzel. "Der Baum hat für mich eine besondere Aura. Er strahlt Ruhe und Gelassenheit aus. Wenn man sich ihm nähert, ist das für mich wie heimkommen", betont der 56-Jährige. Hetzel, selbst gelernter Forstwirt, schätzt das Alter des Baumes sogar auf rund 380 Jahre. "Als ich 16 Jahre alt war, haben die älteren Bewohner von Kirchhausen schon gesagt, dass der Baum rund 350 Jahre alt ist", erinnert er sich. Diese Schätzung wird auch durch eine Umrechnungstabelle gestützt, die den Umfang der Winterlinde zugrunde legen.

Die Liebe zum Naturdenkmal hat Hetzel mit einigen Mitstreitern dazu bewogen, im Jahr 2012 eine drei mal drei Meter große Stehkapelle unweit der Linde zu errichten. Die Idee kam den neun Handwerkern aus Kirchhausen beim geselligen Beisammensein bei einem Dorffest. Auch den Gedenkstein unter dem Baum haben die Freunde restaurieren lassen. Dort findet seither immer am 1. Mai eine Andacht statt.

Krone mit 25 Meter Durchmesser

Das soll noch viele Jahre so bleiben, wenn es nach den Naturfreunden geht. Dafür spricht der gute Zustand, in dem sich der Baum befindet. "Von der Vitalität her ist die Linde wunderbar und macht einen sehr guten Eindruck", betont Joachim Hetzel. Das liege auch an dem fruchtbaren und nährstoffreichen Lössboden, auf dem die Winterlinde steht. Er sorgt auch dafür, dass sich der Baum so majestätisch entwickelt. Allein die Krone hat inzwischen einen Durchmesser von 25 Meter.

"Wenn Sie von unten auf die Krone schauen, ist das wie wenn Sie in eine Gewitterwolke schauen", schwärmt Hetzel. Und Linden sind die langlebigsten Bäume. Sogar eintausend Jahre sind keine Seltenheit. So wird das Alter des ältesten Baumes Deutschlands, der Schenklengsfelder Linde in Hessen, auf 1200 Jahre geschätzt. Bis dahin hat die "St. Anna-Linde" bei Kirchhausen noch viel Zeit. "Uns überlebt die Linde jedenfalls locker", ist sich Joachim Hetzel sicher.

 


Thomas Zimmermann

Thomas Zimmermann

Autor

Thomas Zimmermann ist seit Dezember 2020 in der Stadtredaktion der Heilbronner Stimme. Zuvor arbeitete der ehemalige Radioreporter und Magazinmacher ab Februar 2015 in der Hohenloher Zeitung und berichtete vor allem über Künzelsau und Umgebung. In der Stadtredaktion berichtet Zimmermann vor allem über Handel, Gastronomie, Stadtpolitik und Gerichtsverhandlungen.

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