Die Heilbronnerin, die nun sogar in der ARD zu sehen ist

Heilbronn  Alev Seker ist als Moderatorin beim Wirtschaftsmagazin "Plusminus" und als Sprecherin in Nachrichtensendungen tätig. Auf ihre Heimatstadt lässt die Heilbronnerin nichts kommen.

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Alev Seker beim Gesprächstermin in der Bar "Der Ludwig" am Heilbronner Marktplatz. Kleine, inhabergeführte Lokale gefallen ihr. Foto: Christiana Kunz

Korrekt ist das ja nicht, was die Google-Suchanfrage über Alev Seker ausspuckt. "Fernsehschauspielerin" steht da nämlich, wenn man ihren Namen eingibt. Stattdessen müsste es Moderatorin und Nachrichtensprecherin heißen – in puncto Fernsehen hat die Suchmaschine aber recht.

Denn im TV ist die Heilbronnerin häufig zu sehen: Als Sprecherin von "SWR Aktuell" und seit Januar sogar in der ARD, wo sie die vom SWR produzierten Ausgaben des Wirtschaftsmagazins "Plusminus" moderiert. Die 34-Jährige hat in kurzer Zeit einen großen Karrieresprung hingelegt.

Zunächst war Alev Seker im Radio zu erleben

Begonnen hat Seker ihre Laufbahn als Radio-Reporterin beim SWR-Studio Heilbronn. Es folgen weitere Stationen beim Sender, meist mit dem Fokus Hörfunk. "Radio ist unmittelbar und schnell", sagt Seker über die Vorzüge des Mediums, "manchmal habe ich das Gefühl, dass man den Menschen näher kommt".

Nah an den Menschen zu sein, das ist es auch, was die 34-Jährige an ihrer ersten TV-Station schätzt. Für die Nachmittagssendung "Kaffee oder Tee" macht sie Reportagen, ist etwa auf Weinfesten im Land unterwegs. Ihre Arbeit fällt auf. Von einer Kollegin wird sie für das neue Format SWR Zeitreise vorgeschlagen – nicht als Reporterin, sondern als Moderatorin. Erstmals durch eine Sendung führen – das ist Neuland für die Heilbronnerin. Beim Sender traut man es ihr zu. Elf Folgen werden 2019 ausgestrahlt.

Beim Fernsehen geht es eitler zu 

Schnell bemerkt Seker einen weiteren Unterschied zum Radio: "Fernsehen ist viel eitler. Man wird häufig auf die Bluse angesprochen, die man getragen hat, oder darauf, wie man geschminkt war. Ich entgegne dann immer: 'Ja, und wie war der Inhalt?'"

Es folgt der nächste Schritt: Seker kommt ins Blickfeld von "SWR Aktuell" und "Plusminus" – und bekommt beide Jobs. "Ich dachte mir schon, 'wow, Plusminus ist so eine traditionsreiche Sendung – traue ich mir das zu?'" Sie tut's, denn "man sollte Herausforderungen annehmen, wie sie kommen".

In ihren Moderationen legt Seker Wert auf Bodenständigkeit, gerade bei "Plusminus". "Ich versuche mir treu zu bleiben und nicht so zu tun, als sei ich die größte Wirtschaftsexpertin der Welt. Ich gehe davon aus, dass die Zuschauer das auch nicht sind." Komplexe Themen gelte es nahbar zu machen.

Seit zwei Jahren wohnt Seker wieder in ihrer Heimatstadt Heilbronn, auf die sie nichts kommen lässt. Zu den Aufzeichnungen pendelt sie nach Stuttgart. "Es stört mich total, dass Heilbronn bei einigen negativ belegt ist, das verletzt mich richtig. Die tolle Landschaft mit den Weinbergen, großartige Weinfeste, die Besenwirtschaften – für mich ist es die schönste Stadt der Welt."

Die Moderatorin mag Heilbronn

Zumal jene jetzt auch noch den Neckar für sich entdeckt habe, auf dem Seker gerne mal paddelnd unterwegs ist. Hinzu kommen neue Cafés und Bars. "Ich bewundere es, wenn jemand den Mut hat und ein kleines, inhabergeführtes Lokal eröffnet – es sind die Menschen, die etwas aus einer Stadt machen."

Nächste Sendung: Die nächste "Plusminus"-Moderation von Alev Seker ist am kommenden Mittwoch um 21.50 Uhr in der ARD zu sehen.

Aufgewachsen ist Seker als Tochter türkischer Einwanderer in Neckargartach. "Ich profitiere davon, mit zwei Kulturen aufgewachsen zu sein." Als Beispiel für jemand, der es mit Migrationshintergrund vor die Kamera schafft, will sie sich nicht abstempeln lassen. "Klar, wenn ich dazu beitrage, dass ich Menschen mit einem anderen Background ermutige, dann freut mich das. Aber ich möchte darüber bewertet werden, wie ich meinen Job mache."

Der ist herausfordernd in der Corona-Zeit, in der es nur so wimmelt von Nachrichten, die eingeordnet werden wollen und die sich auch mal als falsch herausstellen. Die Wichtigkeit der Öffentlich-Rechtlichen sieht sie darin, "in schwierigen Zeiten ein Anker zu sein". Ihr eigener Anker ist ihre Heimatstadt, deren Vorzüge sich auch kulinarisch ausdrücken: "Mit Linsen und Spätzle kann man mich glücklich machen."

 

Stationen auf dem Bildungsweg

Ihr Bildungsweg führt Alev Seker von der Haupt- über die Werkrealschule ans Ernährungswissenschaftliche Gymnasium der Christiane-Herzog-Schule in Böckingen, wo sie Schülersprecherin ist und ihr Abitur macht. Durchaus steinig sei dieser Weg gewesen. „Ich habe aber immer gute Lehrer gehabt, die mir gesagt haben: ‚Alev, du hast Potenzial!’“ Größte Antreiber seien ihre Eltern in Neckargartach gewesen, wo sie nicht mit türkischem Fernsehen, sondern mit deutschsprachigen Sendern und Zeitungen aufwächst. „Sie sagten mir, dass ich die Chancen nutzen soll, die dieses Land bietet und ermutigten mich, zu studieren– vielleicht weil sie diese Chance nicht hatten.“ Zum Studium geht Seker nach Ludwigsburg, Studiengang Kultur- und Medienbildung, und für ein Semester nach Bangkok. Die 34-Jährige ist verheiratet und nach Stationen in Baden-Baden und Tübingen wieder in Heilbronn wohnhaft. 


Tobias Wieland

Tobias Wieland

Onlineredakteur

Tobias Wieland kümmert sich um die onlinespezifische Aufbereitung eigener und fremder Artikel auf Stimme.de. Er erstellt Zeitleisten, Listicles, Grafiken und mehr.

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