DHBW Heilbronn startet neues Forschungsprojekt in Pferdehaltung

Horkheim  Am Freitagmittag waren Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch und Astrid von Velsen-Zerweck, Leiterin des Landesgestüts Marbach, auf dem Reiterhof in Horkheim zu Besuch. Die DHBW Heilbronn will im Bereich der Pferdehaltung Arbeitsabläufe digitalisieren.

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Der Reiterhof in Horkheim hatte Freitagmittag hohen Besuch.

Foto: Ralf Seidel

Passend zum Besuch auf dem Reiterhof in Horkheim hängt um den Hals von Friedlinde Gurr-Hirsch eine Kette mit einem sandfarbenen Pferdeanhänger. "Ich saß mit Ende 50 recht spät das erste Mal auf einem Pferd", erinnert sie sich. Reiten sei in ihrer Jugend etwas Exklusives gewesen.

DHBW Heilbronn stellt neues Projekt vor

Die Staatssekretärin ist mit Astrid von Velsen-Zerweck, Leiterin des Landesgestüts Marbach, nach Horkheim gekommen, um sich einen Eindruck von der Entwicklung der Kinder- und Jugendarbeit im dortigen Reitschulbetrieb zu verschaffen. Außerdem lernen sie das Forschungsprojekt der DHBW Heilbronn kennen, das Abläufe auf dem Reiterhof digitalisieren will.

Los geht es mit einem Einblick in die Arbeit von Juliane Jänsch, Leiterin des Ponyclubs. Rund 400 Kinder pro Woche sind auf dem Reiterhof zu Besuch, erzählt sie. In der Spiel- und Theorieecke lernen die Kleinen alles rund ums Pferd, darunter den Umgang beim Führen und Reiten oder wie man sicher im Sattel sitzt.

Auffällig sei, dass mehr Mädchen als Jungen das Reitangebot wahrnehmen. Zu Denken geben Juliane Jänsch Erzählungen von Jungs, die in der Schule gehänselt werden, weil sie reiten. "Ich spreche ihnen dann Mut zu und sage, dass dieser Sport toll ist. Dann sind sie schnell wieder glücklich."

Auch Nicole Graf, Rektorin der DHBW Heilbronn, ist an diesem sonnigen Freitagmittag vor Ort in Horkheim. Seit 2015 ist die Hochschule Kooperationspartner des Reiterclubs. "So ermöglichen wir unseren Studenten, die verstreut aus ganz Deutschland oder aus dem Ausland kommen, ihren Reitsport weiter auszuüben", erklärt sie.

Projekt auf drei Jahre angesetzt

Aber: Heute geht es weniger um die Vergangenheit als um die Zukunft. Denn die DHBW Heilbronn hat in Kooperation mit der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) und der Universität Hohenheim ein Forschungsprojekt namens DiWenkLa ins Leben gerufen, dass digitale Prozesse in der Pferdehaltung etablieren will. Der Reiterhof Horkheim und das Landesgestüt Marbach sind als Projektpartner eingebunden.

Pferdehaltung gehört neben dem Acker- und Gemüseanbau sowie der Rinderhaltung zu den vier Schwerpunkten im Bereich der Landwirtschaft. Wie können Prozesse speziell im Bereich der Pferdehaltung digitalisiert und miteinander vernetzt werden? Diese Frage wird DiWenkLa unter anderem die nächsten drei Jahre beschäftigen, erklärt Dirk Winter.

Sensorgesteurte Futtersilos und Mist-Roboter

Der Studiendekan der HfWU gibt ein praxisnahes Beispiel zur Veranschaulichung: Sensorgesteuerte Futtersilos könnten beispielsweise Auskunft darüber geben, wie lange der Vorrat noch ausreicht und wann eine neue Futterlieferung erfolgen muss. Die Meldung setze dann den Landwirt, der den Hafer drischt, über den erforderlichen Nachschub in Kenntnis. Eine Verzahnung der Prozesse, das sei bei DiWenkLa das Ziel. Ein weiteres Beispiel: "Pferde haben einen empfindlichen Verdauungstrakt und sind sehr anfällig für Krankheiten", räumt Dirk Winter ein. Im Stall installierte Kameras könnten Bewegungsmuster der Tiere beobachten, wie sie sich unter normalen Umständen verhalten und wie mit Krankheit. Bei Auffälligkeiten könnte der Tierärzt rechtzeitig informiert werden.

Laut Dirk Winter steht im Forschungsprojekt aber nicht nur die Wirtschaftlichkeit im Fokus, wie man Zeit spart oder Arbeitskräfte entlastet, sondern auch das Wohl der Tiere. "Wir müssen beobachten, wie die Pferde mit der neuen Technik klarkommen. Wenn ein Roboter durch den Stall fährt und den Mist beseitigt, kann das auch beunruhigen."

 

Wie alles begann
Eine Idylle vor dem Verfall retten – das war das Motiv, warum der Heilbronner Unternehmer Ralf Klenk 2010 den Aussiedlerhof im Horkheimer Kelterweg gekauft hat. Die ehemalige Gärtnerei war nach Insolvenz in einen Pferdebetrieb umgewandelt worden, doch auch dieser ging pleite. Über Ralf Klenks Tochter, eine begeisterte Reiterin, erfuhr er von der Misere und so nahm alles seinen Lauf. Heute ist der Reiterhof rund fünf Hektar groß und hält 50 Pferde sowie 18 Schulpferde. Betriebsleiter ist Steffen Kuhn, seine Stellvertretung sowie Leiterin der Reitschule ist Ehefrau Silke Kuhn.


Lisa Könnecke

Lisa Könnecke

Volontärin

Lisa Könnecke arbeitet seit Februar 2020 als Volontärin bei der Heilbronner Stimme.

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