Der Heilbronner Wohnungsmarkt bleibt angespannt

Heilbronn  Die Preise pro Quadratmeter für Eigentumswohnungen und Häuser in Heilbronn steigen weiterhin. Dabei sinkt gleichzeitig die Qualität der Immobilien. Baubürgermeister Hajek setzt Hoffnungen in Neubauprojekte wie zum Beispiel am Neckarbogen.

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Am Neckarbogen entstehen viele neue Wohnungen. Die Stadt sieht sich mit solchen qualitativ hochwertigen Neubauten für die Zukunft gut aufgestellt.

Foto: Mario Berger

Eine eigene Wohnung oder ein Haus zu kaufen, wird in Heilbronn immer teurer. Und Baubürgermeister Wilfried Hajek sieht die Preise in nächster Zeit auch nicht fallen. "Der Markt wird angespannt bleiben", sagt er.

Ein Blick auf die Preisentwicklung im letzten Jahr bestätigt diese Einschätzung: Die Kurven zeigen stetig nach oben. Pro Quadratmeter kostete eine neue Eigentumswohnung 2019 im Schnitt 4567 Euro, das sind 4,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei gebrauchten Wohnungen sieht es ähnlich aus. Wo der Quadratmeter 2018 noch 2576 Euro kostete, lag der Preis letztes Jahr 6,4 Prozent höher, bei 2740 Euro.

Weniger Käufer bei gleichen Umsätzen

Insgesamt sind 2019 weniger Kaufverträge abgeschlossen worden als im Vorjahr, etwa zehn Prozent weniger. Gleichzeitig sind die Umsätze aus dem Verkauf von Immobilien und Grundstücken aber fast gleich geblieben. Das bedeutet: Es gibt zwar weniger Käufer, aber die Preise steigen.

Erstaunlich ist das unter anderem, weil die sogenannte LAZ-Zahl der meisten Objekte sich verschlechtert hat. Diese bezieht sich auf die Lage, Ausstattung und den Zustand (LAZ) einer Immobilie. "Die Qualität der Objekte ist im Vergleich zu 2018 deutlich schlechter geworden", sagt Marisa Röder-Sorge, Leiterin der Geschäftsstelle des Gutachterausschusses.

Und dennoch kosten auch Ein- und Zweifamilienhäuser weiterhin immer mehr. In der Heilbronner Kernstadt wird das besonders am Beispiel der gebrauchten Doppel- und Reihenhäuser deutlich: Der Preis pro Quadratmeter stieg hier im letzten Jahr um ganze 32 Prozent auf 3344 Euro. Auch hier trotz schlechterer Qualität.

Geplante Neubauten sollen vernünftiges Angebot sicherstellen

Die Marktentwicklung überrascht Wilfried Hajek nicht. Auf eine Entspannung der Lage werde zwar hingearbeitet, aber in nächster Zeit geht der Baubürgermeister eher davon aus, dass sich die Preiskurven weiter nach oben entwickeln. Auf der anderen Seite, betont er, seien geplante Neubauten, wie zum Beispiel am Neckarbogen, ein guter Weg in die Zukunft.

Mit dem Aktionsprogramm Wohnen habe die Stadt einiges vor, um Kunden vernünftige Angebote liefern zu können. Dies solle, so der Baubürgermeister, vor allem durch die intensive Bebauung von Flächen wie dem Neckarbogen möglich werden. "Wer hätte gedacht, dass dieses Grundstück sich so entwickelt? Noch vor zehn Jahren war der Neckarbogen die reinste Wüste", sagt Hajek. Auch bei Studentenwohnungen seien weitere Projekte in der Pipeline. Es solle verhindert werden, dass zu viele Studenten den regulären Markt strömen. Eine WG mit vier Studenten könne sonst quasi jede Familie bei der Wohnungssuche ausstechen.

Immobilienmarktbericht 2020 liefert Übersicht

Die gesamte Marktentwicklung 2019 kann man nun im Immobilienmarktbericht auf 72 Seiten nachlesen. Für potenzielle Käufer und Verkäufer von Wohnungen und Häusern sei er die Grundlage schlechthin, um eine Übersicht über die Marktentwicklungen zu bekommen, erklärt Hajek. Der Bericht selbst kostet 40 Euro, eine Bodenrichtwertkarte zusätzliche 17 Euro.

Der Immobilienmarktbericht sei zwar kein Ersatz für ein Gutachten, aber er könne die Kunden vor schweren Enttäuschungen und Geldverlust bewahren, indem er aufzeige, welche Preise sich im normalen Bereich bewegen. Der Bericht aus dem Vorjahr über die Entwicklungen 2018 ist mittlerweile übrigens kostenlos verfügbar.


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Annika Heffter

Autorin

Annika Heffter arbeitet seit 2018 bei der Heilbronner Stimme und ist seit 2020 Redakteurin im Stadtkreisressort.

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