Als die Stadt die Landesgartenschau zurückgab

Heilbronn  Heilbronner Wissenspause blickt auf die Umweltthemen der 1990er Jahre zurück. Eine Bürgerinitiative engagierte sich gegen eine Landesgartenschau im Pfühlpark.

Email

Eine Bürgerinitiative machte Stimmung gegen die Landesgartenschau-Pläne 1995 im Heilbronner Osten. Die Stadt machte einen Rückzieher.

Foto: Archiv/Dirks

Grüne Themen standen in den 1990er Jahren verstärkt im Fokus und wurden auf sehr unterschiedliche Weise wahrgenommen und diskutiert. Im Jahr nach der Bundesgartenschau ist der Blick zurück ins Jahr 1995 besonders interessant. "Warum ist die Landesgartenschau im Pfühlpark gescheitert?", möchte Archivdirektor Christhard Schrenk bei der Wissenpause zum Thema Umweltveränderungen wissen.

Laut Michael Schmid, Abteilungsleiter im Heilbronner Grünflächenamt, reichte der politische Wille damals nicht aus. Die Stadtverwaltung mit Oberbürgermeister Manfred Weinmann an der Spitze machte einen Rückzieher. Das Projekt wurde trotz Zusage wieder zurückgegeben.

Pläne waren fertig

Die beteiligten Ämter hatten bereits eine Planung ausgearbeitet, mit der die Parkflächen für die Zukunft aufgewertet werden sollten - um auch danach ein Anziehungspunkt für die Bürger zu sein. Einigen Einwohnern im Heilbronner Osten gefiel die Vorstellung einer Landesgartenschau nicht, sie gründeten eine Bürgerinitiative dagegen. Der Slogan, mit dem damals Stimmung gegen die Laga gemacht wurde, lautete: "Mir schwant Übles". Nach der Absage der Stadt wurde der bislang dunkle, mit zahlreichen Fichten und Eiben bewachsene Pfühlpark zumindest saniert.

Auch ohne das Laga-Projekt waren die 90er Jahre für Heilbronn eine bedeutende Zeit für die Grünentwicklung. "Die Stadt als Garten" war zentraler Punkt des Grünleitbilds, unter anderem mit dem Ziel: "Jedem Stadtteil einen Park", erinnert sich Schmid. Besonders erfolgreich war der Ziegeleipark in Böckingen, der als ökologischer Landschaftspark ebenfalls 1995 den renommierten Deutschen Landschaftsarchitekturpreis erhielt.

Als die Stadt die Landesgartenschau zurückgab

Michael Schmid vom Grünflächenamt und Jörg Kuebart, Förster im Ruhestand, im Gespräch mit Archivdirektor Christhard Schrenk (v. li.).

Foto: Ralf Seidel

Viel zu tun gab es in dem Jahrzehnt für die Umweltverbände. Jörg Kuebart, ehemaliger Revierförster und Vorsitzender des Naturschutzbunds Nabu, ruft die Diskussion um die Gestaltung des Jägerhaus-Krankenhaus-Areals mit seinem alten Buchenbestand ins Gedächtnis. Die Klinikgebäude wichen Neubauten, für Bäume war kein Platz mehr. "Das würde man heute anders machen", glauben Kuebart und Schmid.

Artensterben schon lange Thema

Die ausgeräumte Landschaft und die Folgen für das Artensterben alarmierten Fachleute schon vor 30 Jahren. Erkenntnisse von Tierökologen sollten in die Biotop-Verbundplanung einfließen, berichtet Schmid. Geplant wurde in dem Bereich seitdem sehr viel. Dennoch haben sich in dem Zeitraum eine Reihe von Vogelarten verabschiedet.

 

Wissenspause am Freitag
Im Deutschhof sind am Freitag, 10. Juli, um 12.30 Uhr Pressesprecherin Suse Bucher-Pinell und Artur Kübler zu Gast. Das Thema lautet: Abschied nach vier Jahrzehnten, die US-Streitkräfte ziehen ab. Tickets gibt es digital beim Stadtarchiv Heilbronn.


Bärbel Kistner

Bärbel Kistner

Autorin

Bärbel Kistner schreibt seit 1999 im Stadtkreis-Ressort der Heilbronner Stimme über Stadtentwicklung und Wohnen, über Trends im Einzelhandel und den demografischen Wandel.

Kommentar hinzufügen