Aktion von Klimaschützern: Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Heilbronner Rathausdach

Heilbronn  Energiewende und BUND fordern die Stadt Heilbronn auf, mehr für den Klimaschutz zu tun. Diese verweist auf deutlich zunehmende Anstrengungen und auf fünf geplante Projekte in diesem Jahr. Der Masterplan allerdings verzögert sich.

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Lichtinstallation mit symbolischer Photovoltaikanlage auf dem Rathausdach: Energiewende und BUND fordern von der Stadt mehr Tempo beim Klimaschutz. Foto: Berger

Sie wollen mit Lichtinstallationen an der historischen Rathausfassade Zeichen setzen für mehr Klimaschutz in der Stadt. Mit Laptop, Kabelmast und großem Beamer haben das Aktionsbündnis Energiewende Heilbronn und der BUND Heilbronn-Franken am Mittwochabend das Rathaus verfremdet.

Gegen 20.30 Uhr war die steile Dachfläche am Marktplatz mit vier Bildern von Photovoltaikmodulen überzogen. Darunter standen in großen Lettern die Worte "Energiewende und Klimaschutz" neben der astronomischen Rathausuhr. Ein rotes "1,5 C" soll das angestrebte Ziel des Pariser Klimaabkommens verdeutlichen, auf welche Gradzahl die Erderwärmung begrenzt werden soll.

Für den Energiewendesprecher tut die Stadt nicht genug

"Die Stadt tut noch nicht genug in dem Umfang, der notwendig wäre, um die Klimaziele zu erreichen", findet Energiewende-Sprecher Daniel Knoll. Es gebe keine günstigere Energie als Photovoltaik, seiner Ansicht nach gehört diese "auf jedes Dach". Zudem fordert Knoll die Stadt auf, auch Bürger über Möglichkeiten und Details der Photovoltaik zu beraten. Eine Anlage für ein Einfamilienhaus koste heute nur rund 5000 Euro. Wenn man die Energie fürs eigene Heim nutze, habe man die Kosten "in rund zehn Jahren wieder drin", überschlägt er.

Auch BUND-Regionalgeschäftsführer Gottfried May-Stürmer erwartet von der Stadt mehr Engagement in Sachen Klimaschutz. 2035 sollte das Ziel einer Klimaneutralität mit erneuerbaren Energien erreicht werden. "Das sind nur noch 14 Jahre." Zudem fragen sich die Klimaschützer, warum das angekündigte Klimaschutzkonzept der Stadt unter dem Stichwort "Masterplan Klimaschutz" so lange auf sich warten lässt. Es scheine "in irgendeiner Schublade zu liegen", mutmaßt Daniel Knoll, es sollte rasch in den Gemeinderat kommen. Auf der Homepage der Stadt wird auf ein Klimaschutzkonzept von 2010 verwiesen mit Fortschreibung im Jahr 2013.

In den nächsten Monaten soll ein großes Plankonzept vorgestellt werden

Aufgrund der Corona-Pandemie habe sich der Prozess etwas verzögert, teilt Andre Gützloe mit, der Klimamanager der Stadt. Der Klimaschutz-Masterplan werde "innerhalb der kommenden Monate" dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit vorgestellt. Energiemanager Bernd Eisenmann erklärt, dass die Stadt in Kooperation mit Energeno die installierte Leistung "innerhalb der vergangenen zwei Jahre verdoppelt" habe.

Bisher seien 35 Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Dächern in Betrieb. Es gebe noch Potenzial, das nur schrittweise erschlossen werden könne, da die Sanierung abgewartet werden müsse. "Zudem wird die Installation bei kleinen Gebäuden deutlich teurer als bei großen Dächern." Mindestens fünf weitere Anlagen würden 2021 fertiggestellt.

Geplant sei auch, bei der Vorstellung des Klimaschutz-Masterplans eine breite Öffentlichkeit über die Nutzung von Photovoltaik-Anlagen zu informieren. Zu Energiefragen berate zudem die Energieagentur Heilbronn.

Nach Angaben des Aktionsbündnisses Energiewende gibt es in ganz Heilbronn 1509 Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 31 Megawatt Peak. Auf allen Dachflächen der Stadt, so Knoll, könne eine Leistung von rund 259 Megawatt Peak installiert werden. "Es gibt also noch sehr viel Potenzial", sagt er.

Weltweiter Klimastreik

Die Forderung, durch die vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien das Pariser Klimaziel zu erreichen, wird auch beim globalen Klimastreik von Fridays for Future unterstützt. Diesen Freitag ruft die Bewegung weltweit zu Kundgebungen auf. In Heilbronn beginnt die Kundgebung um 16 Uhr auf dem Kiliansplatz. Anschließend ist eine Fahrrad-Demonstration geplant. Auch in Öhringen und Künzelsau soll am Freitag zwischen 11 und 13 Uhr fürs Klima gestreikt werden. Was genau die Fridays-for-Future-Ortsgruppen in der Region geplant haben, fassen wir im folgenden Artikel zusammen:


Carsten Friese

Carsten Friese

Autor

Mit der Einführung des Euro kam Carsten Friese im Januar 2002 zur Heilbronner Stimme. Seine Schwerpunkte sind Verkehr, Gericht- und Polizeithemen, Wetter/Klima, Umweltthemen, Soziales, Heilbronner Stadtteile. Zudem leitet er das Thementeam Wissen.

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