Wie zwei junge Syrer mit Falafel und Co. durchstarten

Heilbronn  Im Falafelo in Heilbronn interpretieren Mohamad Kotimesh und Ammar Zarzour syrische Klassiker auf ihre eigene Art. Für Rezepttipps fragen sie auch gerne mal bei Mama nach. Angefangen hat alles mit einem Food Truck.

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Wie zwei junge Syrer mit Falafel und Co. durchstarten

Mit einem Food Truck fingen Mohamad Kotimesh und Ammar Zarzour (v.l.) an.

Da fehlt doch was, denken Mohamad Kotimesh und Ammar Zarzour, als sie in der Region vor mehr als zwei Jahren auf Food Festivals unterwegs sind. "Die syrische Küche ist zu schwach vertreten", so der Eindruck von Zarzour beim Blick auf das damalige Essensangebot. Schon bald reift bei beiden der Entschluss, etwas dagegen zu unternehmen - und die Gerichte ihrer Heimat auch hierzulande populärer zu machen. "Mit einem Food Truck haben wir angefangen", erzählt Kotimesh rückblickend.

Damit sind sie fortan selbst auf Food Festivals unterwegs und auf Weihnachtsmärkten wie demjenigen in Mosbach 2017. "Die ersten zwei, drei Tage hatten die Leute dort eher Lust auf traditionelle Sachen wie Currywurst und Steak. Dann haben sie uns entdeckt und gesagt: Oh, endlich mal etwas Neues, Anderes", erinnert sich Zarzour.

Den Traum vom Restaurant verwirklicht

Das Geschäft mit dem Imbisswagen läuft gut, Falafel und Co. werden super angenommen, so der 28-Jährige. Und weil mit der Zeit auch immer mehr Catering-Anfragen für Messen und Events an sie herangetragen werden - vor allem aus dem Raum Heilbronn - beschließen die zwei, mit einem eigenen Restaurant dauerhaft in der Käthchenstadt Fuß zu fassen.

Seit gut drei Monaten hat das Falafelo, wie Kotimesh und Zarzour ihr Restaurant in der Gerberstraße genannt haben, nun geöffnet. Neben veganen Speisen gibt es dort auch Gerichte mit Fleisch. Auf der Karte stehen Wraps (zwischen 5 und 5,90 Euro), Falafel- und Hühnchen-Teller (6,90 bis 8,50 Euro) sowie Salate (3,90 bis 5,90 Euro) und Beilagen.

"Bei uns ist alles handgemacht", versichert Zarzour. Die Grundlage von allem sind Traditionsrezepte. "Wir haben viel von unseren Familien gelernt. Manchmal fragen wir aber auch noch nach: Mama, wie macht man das am besten?", erzählt Zarzour. Eins zu eins übernommen werden die Gerichte aber nicht. "Wir interpretieren sie auf unsere eigene Art", ergänzt Kotimesh.

Serviert werden Klassiker mit eigener Note

Ein Klassiker seien beispielsweise Falafel mit Hummus-Creme. "Wir haben uns dazu was Neues ausgedacht und servieren sie auch mit einer Avocado- oder Rote-Beete-Creme", so der 31-Jährige. Eine Eigenkreation seien auch die Pommes, die es im Falafelo mit einer Kräuterwürzmischung gibt. "Die sind bombe", sagt Zarzour. Die Gewürze, die das Küchenteam dafür braucht, sind nicht überall im Supermarkt zu finden, weswegen sie teilweise extra importiert werden müssen.

"Wir machen alles Schritt für Schritt und nicht auf einmal", sagen Zarzour und Kotimesh über ihre Geschäftsstrategie. Werbeaktionen haben sie zum Beispiel noch nicht gestartet, im Internet ist das Falafelo lediglich in den sozialen Netzwerken präsent. Den Zuspruch, den das Restaurant bisher erfahren hat, haben sich die beiden vielmehr durch Mund-Propaganda erarbeitet.

Überhaupt war es für die zwei Freunde, die sich seit Kindertagen kennen, nicht einfach, ihren Traum zu verwirklichen - der Papierkram bei den Behörden, die Überzeugungsarbeit bei den Banken. "Wir sind ja erst 2015 nach Deutschland gekommen und daher noch neu hier", erklärt Zarzour, der nach eigenen Angaben in Ägypten einen Bachelor in Mass Communication gemacht hat. Kotimesh hat als Brand Manager zuerst in Syrien, dann in Ägypten gearbeitet, sagt er.

Mit Kellnern und Gabelstaplerfahren schlugen sie sich hierzulande zunächst durch. Der Stolz, mit dem sie sich nun etwas Eigenes aufbauen, ist ihnen deutlich anzumerken.

 

Christoph Feil

Christoph Feil

Autor

Seit 2015 ist Christoph Feil bei der Heilbronner Stimme. Er arbeitet im Ressort Leben und Freizeit. Darüber hinaus schreibt er für das Thementeam Wissen, hat den aktuellen Buchmarkt im Blick und stellt für das "Interview der Woche" Menschen gerne Fragen.

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