Wie der Heilbronner ÖPNV attraktiver werden kann

Heilbronn  Der Heilbronner Gemeinderat spricht an diesem Donnerstag über das Mobilitätskonzept. Dabei geht es um den Ausbau von Bahnlinien, E-Busse und eine Fußgängerbrücke.

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Wie der ÖPNV attraktiver werden kann

Vor kurzem wurden die ersten E-Busse der Verkehrsbetriebe Heilbronn vorgestellt. Die ersten Erfahrungen sind laut Stadtverwaltung positiv.

Foto: Archiv/Seidel

Eine schon vor der Kommunalwahl ans Rathaus übermittelte dicke ÖPNV-Anfrage der FWV wurde jetzt von Stadträten im Bauausschuss diskutiert und nicht nur als "Wahlkampfgetöse" abgetan. Vielmehr regte allen voran Tanja Sagasser-Beil (SPD) an das "Kernthema Mobilität" 2020 in einer Ratsklausur umfassend zu beleuchten. Dabei könnte auch mehr zu Kosten gesagt werden, befand Thomas Randecker (CDU).

Während sich Marion Rathgeber-Roth (FWV), Eva Luderer (Grüne) und Konrad Wanner (Linke) vor allem eine ÖPNV-Offensive wünschten, erfuhr Gottfried Fritz (FDP), dass die Kranenstraße Radlern und Fußgängern vorbehalten werden soll. Dort auch Busse fahren zu lassen, hält Baubürgermeister Wilfried Hajek für wenig zielführend, "weil erfahrungsgemäß dann auch andere Autos durchfahren".

Anfragen bündeln

Besonders reizvoll fände Rathgeber-Roth sogenannte "On-demand"-Angebote: Unabhängig vom Bus-Fahrplan könnten über eine Zentrale mehrere Anfragen gebündelt und die Personen per Sammeltaxi abgeholt werden. Höhere Priorität räumt das Rathaus der konsequenteren Bevorrechtigung des ÖPNV ein, etwa durch Pförtnerampeln, wofür man tatsächlich schon Fördergeld beantragt habe.

Die Busanbindung des Neckarborgens sei ab Ende 2022 über die neue Paula-Fuchs-Allee gewährleistet, bis dahin müssten die Bewohner am nahen Europaplatz einsteigen, sagte Hajek. Ideal wäre eine weitere innere Erschließung per E-Bus-Linie. Mit den neuen E-Bussen mache man bisher gute Erfahrungen, sagte Stadtwerke-Direktor Tilo Elser auf Anfrage von Michael Seher (AfD). Für Fußgänger wäre der Neckarbogen "hervorragend" über eine Fußgängerbrücke anzubinden, heißt es in der Rathaus-Stellungnahme.

Zwölf Millionen Euro Defizit

Der auch von der Stadt gewünschte Ausbau der Zabergäubahn stehe und falle mit der standardisierten Bewertung. Nur wenn sich darin ein volkswirtschaftlicher Nutzen ergibt, könnten Fördergelder fließen und konkreter geplant werden, erläuterte Florian Baasch von der Stabsstelle Stadtentwicklung und Zukunftsfragen. An der Behebung der Stadtbahn-Engstelle bei Schwaigern werde sich Heilbronn mit einer Millionen Euro beteiligen.

Das Defizit im Heilbronner ÖPNV beträgt derzeit zwölf Millionen Euro/Jahr: bei den Stadtbussen rund fünf, bei der Stadtbahn rund sechs Millionen Euro, hinzu kommen Ausgleichszahlungen im HNV-Verbundtarif von 1,5 Millionen.

Unabhängig von der aktuellen Finanzierungsreform des Landes liefen bei Stadt, Landkreis, Stadtverwerken und im HNV viele Überlegungen zur ÖPNV-Attraktivitätssteigerung: Busbeschleunigungsspuren, Ausbau E-Ticket, barrierefreie Haltestellen, Echtzeit-Information an Haltestellen, bessere Ampelschaltungen sowie Straßenumbauten zur Verkürzung von Fahrzeiten − wobei das Geld dafür, so heißt es, "bei Weitem" nicht ausreiche.


Kilian Krauth

Kilian Krauth

Autor

Kilian Krauth kümmert sich um die Heilbronner Kommunalpolitik, um historische und kirchliche Themen sowie um den Weinbau der Region und weit darüber hinaus.

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