Wegen Baustellendreck liegen die Nerven am Sonnenbrunnen blank

Heilbronn  Bürger wehren sich am Böckinger Sonnenbrunnen gegen Staub und Dreck von Baustellenfahrzeugen. Das geht schon seit Jahren so. Jetzt verzögert sich auch noch das Ende der Bauarbeiten.

Von Helmut Buchholz

Wegen Baustellendreck liegen die Nerven blank

Ein Dauerärgernis schon seit Jahren: Immer wieder kommt es zu Verschmutzungen in der alten Großgartacher Straße.

Die neue Verkehrslösung am Böckinger Sonnenbrunnen finden alle gut. Das sehen auch die Anwohner in der alten Großgartacher Straße so. Aber dass sie schon seit Jahren unter dem Dreck und Staub der Baustellenfahrzeuge leiden, finden sie - gelinde gesagt - weniger gut.

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Jetzt verzögert sich bekanntlich auch noch das Ende der Bauarbeiten um ein halbes Jahr. Das strapaziert die Geduld der Bürger über Gebühr, lässt sie verzweifeln. Sie sprechen von unzumutbaren Zuständen und fühlen sich von der Heilbronner Stadtverwaltung im Stich gelassen.

Einige Anwohner sind "stinksauer" über die Verzögerung

Heide Karle bezeichnet die Situation als eine Frechheit. "Ich bin stinksauer." Sie führt die Gaststätte Neckartal in der alten Großgartacher Straße und wohnt über dem Lokal. "Ich bin doppelt gebeutelt." Seit drei Jahren gehe das schon so. "Wir atmen den ganzen Dreck ein." Im Sommer seien ihre Pflanzen an dem Dreck und Staub erstickt. Im Lokal könne sie nicht mehr die Türe geöffnet lassen. Die Gäste würden sich auch beschweren.

Die Kehrmaschinen der Baufirma würde zwar durch die Straße fahren. "Aber ohne Wasser." Das wirbele den Staub noch mehr auf, der sich überall drauflegt. Außerdem hätten die Baufahrzeuge keine Abdeckplane. Die Wirtin habe schon mehrfach die Stadt angeschrieben. "Ich dachte, das wäre eine Kleinigkeit, die Straße sauber zu halten." Aber passiert sei nichts.

Kurt Häusele: "Wir können kein Fenster mehr aufmachen."

Wegen Baustellendreck liegen die Nerven blank

Staub und Dreck legen sich in der alten Großgartacher Straße auf geparkte Autos nieder.

Fotos: privat

"Wir können kein Fenster mehr aufmachen", erklärt Kurt Häusele. Er hat auch das Gefühl, "Fahrzeuge pfeifen hier durch wie die Sau". Die alte Großgartacher Straße werde als Schleichweg und Abkürzung benutzt. Die Bürger würden vernachlässigt, so der Anwohner. "Wenn wir Besuch bekommen, fragt der: Wo wohnt ihr denn?" Kurt Häusele hat auch schon versucht, beim Ordnungsamt anzurufen und sich zu beschweren. "Doch da wird man nur von einem zum nächsten verbunden."

Als die Bürger davon erfuhren, dass sie die ganze Chose durch Bauverzögerungen auch noch ein halbes Jahr länger als geplant ertragen müssen, platzte ihnen schier der Kragen. Mit Unterstützung von CDU-Stadtrat Karl-Heinz Kübler sammelten die Anrainer Unterschriften, die der Böckinger Rat der Stadtverwaltung und Oberbürgermeister Harry Mergel schickte. "Ich halte es für paradox und schwer verständlich, dass im Gemeinderat ein Klimaschutz-Masterplan thematisiert wird", so Kübler, "während die Bürger weitere Monate Staub und Dreck in ihren Wohnzimmern einatmen müssen."

Es sei ärgerlich, dass die Bauarbeiten nicht wie geplant vor der Bundesgartenschau fertig wurden. Es gebe vertretbare Alternativen. Kübler zweifelt an, dass der Verkehr über die alte Großgartacher Straße fahren muss. Schließlich sei die Verkehrslösung am Sonnenbrunnen schon frei gegeben. Zumindest, so Kübler, könnten die Kehrmaschinen mit Wasserunterstützung die Straße reinigen.

Die Stadtverwaltung kündigt intensivere Kontrollen an

Wegen Baustellendreck liegen die Nerven blank

OB Mergel hat Kübler mittlerweile geantwortet. Auch die Stimme erhielt eine Stellungnahme von der Pressestelle der Stadtverwaltung. In beiden Schreiben heißt es seltsamerweise, "aktuelle Beschwerden" von Bürgern würden nicht vorliegen. Die Verschmutzung der Großgartacher Straße sei aber bekannt. Die Baufirma sei aufgefordert, erklärt Pressesprecher Christian Britzke, "jeden Tag die Straße zu reinigen". Bei größeren Verschmutzungen auch zwei Mal am Tag. Mit Hochdruck (Wasser) werde rund alle zwei Wochen je nach Verschmutzungsgrad gereinigt.

Das Amt für Straßenwesen habe bisher stichprobenhaft kontrolliert, ob die Baufirma die Vorgaben einhält. Aufgrund der aktuellen Beschwerden "werden wir die Kontrollen intensivieren", so Britzke. Allerdings sei die alte Großgartacher Straße der einzige Zufahrtsweg zu dem Gelände, auf dem sich die Baustelleneinrichtung befinde. Britzke: "Leider gibt es keine alternative Zufahrt, weshalb die Fahrten bis zum Ende der Gesamtmaßnahmen andauern müssen."

 

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