Wegbegleiter einer Kinderbuch-Legende stellt in Neuenstadt aus

Neuenstadt  Angerer der Ältere ist Künstler, Architekt und Wegbegleiter von Kinderbuch-Legende Michael Ende. Bekannt wurde er durch die Ausgestaltung des Kinohits "Die unendliche Geschichte II". Das Neuenstadter Museum im Schafstall zeigt seine Werke in einer Retrospektive.

Von Vanessa Müller
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Wegbleiter einer Fantasy-Legende stellt in Neuenstat aus
„Verdrehte Welt“.

Im Flyer zur Ausstellung ist es gar nicht erwähnt - vielleicht, weil das Werk von Angerer dem Älteren so vielseitig ist. Doch wer sich diesem nähern will, der kann sich zunächst den Blockbuster "Die unendliche Geschichte II" nach der Romanvorlage von Michael Ende ansehen.

Denn der Architekt, Schriftsteller und Künstler hat große Teile der Filmausstattung beigesteuert. Dafür erhielt er 1989 den Bayerischen Filmpreis. Doch auch in der realen Welt hat er sichtbar Zeichen gesetzt.

Als Wegbegleiter der Kinderbuch-Legende gestaltete Angerer der Ältere Michael Endes Grab auf dem Münchner Waldfriedhof. Er schuf die Erlöserkirche im bayerischen Biburg, zu der ihn Papst Benedikt XVI em. per persönlicher Notiz beglückwünschte.

Daneben arbeitet er an zahlreiche Skulpturen und Gemälden. Das Neuenstadter Museum im Schafstall widmet ihm nun vom 21. Oktober bis 3. Februar 2019 eine Retrospektive.

Entwurf zum Kino-Blockbuster

Wegbleiter einer Fantasy-Legende stellt in Neuenstat aus
„Silberstadt bei Nacht“, ein Entwurf zum Kino-Blockbuster „Die unendliche Geschichte“. Fotos: Mugler

Zu sehen sind mehr als 150 Werke des 80-jährigen Niederbayern, dessen Gemälde dem Magischen Realismus zugeordnet werden können. In immer neuen Variationen zeigen sie die Verschmelzung der Wirklichkeit mit Halluzinationen oder Träumen. Da ist zum Beispiel die "Silberstadt bei Nacht", ein Entwurf zum Kino-Blockbuster, den Angerer der Ältere in Acryl auf Holz gebannt hat. "Mich begeistert die märchenhafte Idee", sagt Museumsleiter Hubert Sawatzki. "Die Elemente, die aus der Antike und dem Orient entliehen sind."

Angerer der Ältere sehe seine Aufgabe darin, der Kunst Schönheit und Fantasie, Geheimnis und Mythos zurückzugeben - und stehe der Moderne kritisch gegenüber. Nahezu philosophisch setze er sich mit Gesellschaft, Religion und Kunst auseinander. Nicht ohne anzuecken: Seine 55 Meter große Christusstatue zum Beispiel wollte vor zehn Jahren keine bayerische Kommune haben.

Der Künstler passe sich eben keinem Zeitgeist an, sagt Sawatzki. Tatsächlich sind viele seiner Werke spöttisch, auch provokativ. Das Drehgemälde "Verdrehte Welt" von 2007 etwa zeigt Feministin Alice Schwarzer beim Tanz mit Toten.

So kam der Kontakt nach Neuenstadt zustande

2013 erhielt Angerer der Ältere beim Pariser Salon Art en Capital die Bronzemedaille für sein Werk "Don Quijote", ein Jahr später die Silbermedaille für sein christliches Themengemälde "Absoluter Höllensturz". Beide sind ebenfalls im Schafstall ausgestellt. Daneben sind auch Zeichnungen, Aquarelle und Radierungen zu sehen.

Wegbleiter einer Fantasy-Legende stellt in Neuenstat aus
„Absoluter Höllensturz“: Museumsleiter Hubert Sawatzki zeigt das christliche Themengemälde, für das Angerer der Ältere beim Pariser Salon Art en Capital die Silbermedaille bekam.

Spannend sind seine Skulpturen wie der "Fantastische Ventilator" oder die "Getriebe-Burg", Leihgaben eines bayerischen Unternehmens, dass die Heiztechnik im Kreml installiert hat, verrät der Museumschef. Passenderweise hält die Einführung zur Ausstellung bei der Vernissage mit geladenen Gästen Professor Ivan Czeczot, Kunsthistoriker an der Universität St. Petersburg. "Er hat wohl Interesse, Angerer den Älteren in der Eremitage zu zeigen." Immerhin eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Wie der Künstler nun ausgerechnet auf Neuenstadt gekommen ist?

Angerer der Ältere stelle viel in Frankreich aus, unter anderem im Grand Palais, weiß der Museumsleiter, der selbst kürzlich von der Arts-Sciences-Lettres die Goldmedaille für die Förderung der französischen und internationalen Kunst bekam. Auch mit Galerien in Polen, Sawatzkis Heimatland, arbeite er viel zusammen. So sei der Kontakt entstanden. 2005 hat das Museum mit Wojtek Siudmak bereits Werke eines Vertreter des Fantastischen Realismus in Polen gezeigt. 2015 folgte der Franzose Claude Verlinde. "Da hat es mich gereizt, einen deutschen Künstler zu haben."


Am Sonntag ist Signierstunde

Ludwig Valentin Angerer, bekannt als Angerer der Ältere - sein Bruder Walter Andreas gilt als "der Jüngere" - wurde 1938 in Bad Reichenhall geboren, studierte Architektur in München und danach an der Akademie für Bildende Künste. Mitte der 1970er-Jahre kehrte er dem Architektenberuf den Rücken und widmete sich der Kunst.

Die Retrospektive ist vom 21. Oktober bis 3. Februar 2019 immer Mittwoch und Sonntag von 10 bis 17 Uhr und nach telefonischer Absprache unter 07139 3924 im Museum im Schafstall zu sehen. Führungen: sonntags um 11 Uhr. Am Sonntag, 21. Oktober, 14 bis 16 Uhr, signiert der Künstler vor Ort.

Das Museum zeigt zeitgleich die "Beweinung Christi" aus der Werkstatt von Sir Anton van Dyck (1599 bis 1641).

 

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