Was macht der neue Eventausschuss in Heilbronn?

Heilbronn  Der neue runde Tisch in Heilbronn soll Großveranstaltungen auf öffentlichen Plätze koordinieren und die Buga-Festivalstimmung erhalten. Die Stadt macht sich fit für die Ära nach der Bundesgartenschau.

Von Helmut Buchholz
Was macht der neue Eventausschuss in Heilbronn?

Konzert von Max Mutzke und der SWR-Big-Band auf der Buga-Sparkassenbühne: Was passiert mit der Festivalstimmung in der Stadt, wenn die Bundesgartenschau vorbei ist? Neue Strukturen im Veranstaltungsprogramm zeichnen sich ab.

Foto: Archiv/Mugler

Stell dir vor, die Bundesgartenschau ist vorbei - und alles in Heilbronn ist wie vorher. Keine schöne Zukunftsvision. Das ist einer der Gründe, warum sich im Frühjahr unter der Federführung der Heilbronn-Marketing-GmbH der neue Eventausschuss gegründet hat. "Es geht darum, dass wir nicht nur möglichst viele Veranstaltungen auf öffentlichen Flächen haben, die Publikum anlocken, sondern viele gute, die sich nicht gegenseitig Konkurrenz machen und das Wasser abgraben", erklärt Ideengeber und HMG-Chef Steffen Schoch.

Es sei wichtig, schon jetzt - knapp sieben Wochen vor dem Buga-Ende - zu überlegen, "wie wir Heilbronn nach der Bundesgartenschau kommunizieren wollen". Da gehe es auch um die Marke, die Heilbronn verkörpern will - die Stadt am Fluss, die Bildungsstadt, die Stadt des Weins und Toruismus... Das alles soll nicht im stillen Kämmerlein passieren. "Wir wollen bewusst Mehrheiten finden, Akteure einbeziehen", sagt Schoch.

Welcher Ort ist für welche Veranstaltung geeignet?

Das Problem in Heilbronn ist, dass es tatsächlich viele öffentliche Flächen gibt, auf denen Veranstaltungen stattfinden, für die aber ganz verschiedene Ämter und die HMG zuständig sind. Der Markt- und Kiliansplatz, inklusive Fußgängerzone und Platz am Bollwerksturm stehen zum Beispiel unter der Obhut der HMG. Wer Veranstaltungen im Deutschhof oder Frankenstadion plant, muss sich dagegen ans Schul-, Kultur- und Sportamt wenden. Bei Parkflächen wie Wertwiesen- und Pfühlpark oder Botanischem Obstgarten ist dagegen das Grünflächenamt erster Ansprechpartner. Gleiches gilt für das Buga-Gelände nach Ende der Bundesgartenschau. Zum Schluss ist bei den Genehmigungen für Events auch das Ordnungsamt mit im Boot. Das sind viele Köche für einen Brei.

Nicht alle Orte eignen sich für alle Benutzungsarten. Im Wertwiesenpark ist zum Beispiel geregelt, wie viele Veranstaltungen hier im Jahr stattfinden können, und wie laut sie sein dürfen. Auf dem Platz am Bollwerksturm sollte es keine Events geben, bei denen zum Beispiel Fett von Essensständen auf das empfindliche Pflaster tropfen kann. Es wäre sehr aufwendig, dieses wieder zu reinigen. So hat jede öffentliche Fläche seine Einschränkungen und spezielle Infrastruktur. Das alles wird nun im Eventausschuss koordiniert, der quartalsweise tagen soll.

Das Neckarfestival soll Maßstäbe setzen

"Es war allerhöchste Zeit, dass wir uns zusammensetzen", sagt Schoch. Er nennt den Ausschuss lieber Arbeitsgruppe oder runden Tisch, an dem HMG und die verschiedenen Ämter nun an einem Strang ziehen. "Wir sind noch in der Findungsphase." Der Ausschuss ist beratend, nicht beschließend. Aber gut sei, so der HMG-Chef, dass heikle Entscheidungen auf breiterer Basis gefällt werden können, etwa das Aus für die Feuerwerksshow "Flammende Sterne" 2020 im Wertwiesenpark (wir berichteten).

Vorteile bietet der Ausschuss auch für Veranstalter von außen. Sie haben jetzt eine zentrale Stelle für ihre Anfragen, müssen nicht mehr von Pontius bis Pilatus laufen. "Mit dem Eventausschuss können wir schnell und verbindlich agieren", bekräftigt Schoch. Das ist auch wichtig im Hinblick auf die Frage: Was kommt nach der Buga? Schoch: "Wir stellen uns neu auf, um den Schwung der Buga mitnehmen zu können."

Ein Mosaikstein bildet dabei das Neckarfestival, das 2020 stattfinden und das größte Sommerevent an einem Fluss in einer Großstadt in Süddeutschland werden soll. "Wir wollen weiterhin mit guten Veranstaltungen Akzente setzen, neue Orte ausprobieren", versichert der HMG-Geschäftsführer. Frei nach dem Motto: "Tradition bewahren, Neues entwickeln." Neu könnte auch das Thema Jazz nach der Buga werden, "das jetzt sehr bewusst wahrgenommen wird". Orte hierfür könnten die Neckarbühne oder der Buga-Holzpavillon sein, den die Stadt nach der Buga behalten will und der einen neuen Standort bekommen soll.


Events stehen im Festkalender

Die Heilbronn-Marketing-GmbH (HMG) führt einen Veranstaltungskalender, in dem alle Events, teilweise auch größere außerhalb Heilbronns, verzeichnet sind. Er wird quartalsweise an alle Rathausämter, aber auch an die Ortskartelle verschickt. HMG-Chef Steffen Schoch schätzt, dass es rund 25 Formate in Heilbronn gibt, die sich Jahr für Jahr wiederholen und fester Bestandteil dieses Kalenders sind. Dazu gehören unter anderem Pferdemarkt, Weindorf, Weihnachtsmarkt und Veranstaltungen des Handels, zum Beispiel verkaufsoffene Sonntage wie "Jazz?&?Einkauf". Auch diese "Klassiker" werden ständig weiterentwickelt, so Schoch. 


Neue Ära

Ein Kommentar von Helmut Buchholz

In einigen Wochen ist das Heilbronner Sommermärchen namens Bundesgartenschau vorbei. Und ganz ähnlich wie bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 im eigenen Land wünschen sich alle, dass der Rausch und die Begeisterung über das Ereignis hinaus anhält. Fragt sich bloß, wie? Paralellen zum Fußball drängen sich auf. Der deutsche Fußball hat nach der WM 2006 auch seine Strukturen und seinen Spielstil verändert, um langfristig weiterhin ganz oben mitspielen zu können.

Ähnlich verhält es sich in Heilbronn. Wenn Heilbronn auch nach der Buga schöner werden will, darf es nicht das Buga-Gelände blind zubauen, sondern muss dies so bewerkstelligen, dass ausreichend Grün mitten in der Stadt erhalten bleibt. Die Stadt sollte aber ebenso außerhalb der Buga von den Erfahrungen der Schau lernen. Was zum Beispiel heißt, dass nicht nur der schnöde Mammon Architekt der Stadtentwicklung darf. Das Stadtklima muss mehr Priorität bekommen.

Stadtklima ist auch im übertragenen Sinn gemeint. Die neue Identifikation mit der Stadt muss sich in einer neuen Haltung und Veranstaltungskultur manifestieren. Der Eventausschuss ist dabei ein erster Schritt zu mehr Miteinander. Wenn sich alle − Bürger und Institutionen − dafür engagieren, wird die Buga kein Sommermärchen bleiben.

 

 

 


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