Was die Bomben von Heilbronn übrigließen

Heilbronn  Am 4. Dezember 1944 versank die Heilbronner Innenstadt in Schutt und Asche. Der frühere Stimme-Fotograf Hermann Eisenmenger kämpfte an diesem Tag als 19 Jahre alter Soldat an der Ostfront. Nach seiner Rückkehr dokumentierte er das zerstörte Heilbronn.

Von Andreas Sommer
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Wie kaum ein anderes Datum der Stadtgeschichte hat sich der 4. Dezember 1944 tief ins kollektive Bewusstsein der Heilbronner eingebrannt. An diesem verheerenden Montag verbrennen mehr als 6500 Menschen im Feuersturm, ersticken in Luftschutzkellern, werden von Trümmern erschlagen, von Bombensplittern zerfetzt. Unter den Opfern sind schätzungsweise 1000 Kinder unter zehn Jahren.

282 Lancaster-Bomber der britischen Royal Air Force (RAF) werfen in 37 Minuten, zwischen 19.18 und 19.55 Uhr, 1,6 Millionen Kilogramm Bomben über dem Stadtkern und dem Böckinger Bahnhofsgebiet ab.

 

Fotos aus dem Stimme-Archiv zeigen Zerstörung

Zunächst markieren Leuchtraketen, sogenannte Christbäume, das Ziel, dann decken Trümmerbomben die Dächer ab. Brandbeschleuniger entfachen schließlich einen Feuersturm, der alles niederwalzt. 62 Prozent des Stadtgebiets sind zerstört, wie die Bilder des früheren Stimme-Fotografen Hermann Eisenmenger (1925-2007) auf dieser Seite eindrucksvoll belegen.

Hermann Eisenmenger selbst kämpft am 4. Dezember 1944 noch als 19-jähriger Soldat an der Ostfront. Am 8. Dezember schickt ihm seine Mutter eine Postkarte: "Wir leben alle. Haus steht noch." Am 13. Dezember notiert er in sein Tagebuch: "Habe im Radio gehört, dass Heilbronn angegriffen wurde."

Erst am 30. Juli 1945 kommt er nach Hause zurück. "Heilbronn in einem trostlosen Zustand", notiert Eisenmenger. Und später: "Trümmeraufnahmen machen. Bin begeistert dabei." Später sollte er 50.000 Fotos zwischen seinem ersten Arbeitstag bei der Heilbronner Stimme, dem 1. Mai 1950, und seinem letzten am 31. Oktober 1990 produzieren.

Eisenmenger dokumentiert neues Leben zwischen den Ruinen der Stadt

Hermann Eisenmenger hat die Trostlosigkeit dokumentiert, aber auch, wie nach dem Kampf um Heilbronn, nachdem die Amerikaner am Karfreitag 1945 in die zerstörte Stadt vorgerückt waren, neues Leben zwischen den Ruinen erwacht. Schon ab Juli 1945 verkehrt die liebevoll "Spatzenschaukel" genannte Straßenbahn wieder.

Die Trümmer werden vom "Ehrendienst" geräumt, Nahrung, Wasser, Wohnraum und Strom müssen beschafft, Schulen und Verwaltungsgebäude gebaut werden. Relativ früh erwacht die Kultur in der Nachkriegszeit.

Vieles bleibt von diesem grauenhaften und traumatischen 4. Dezember 1944: Erzählte und aufgeschriebene Erinnerungen, Bücher, Fotos und Kunstwerke, Friedhöfe, Grabsteine und Gedenkhallen, die von den Tausenden Toten künden. Sie sollten uns für alle Zukunft zum Frieden mahnen.

 

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