Warnstreiks in sozialen Berufen und an der Hochschule Heilbronn

Region  Mit mehreren Warnstreiks haben Beschäftigte im öffentlichen Dienst der Länder bei ASB und ZfP Weinsberg ihre Forderung nach mehr Geld unterstrichen. An der Hochschule gibt es am Nachmittag einen Streik. Am Dienstag könnte die Region von einem Busfahrer-Streik betroffen sein.

Von Christian Gleichauf
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Zeit für mehr Menschlichkeit und Anerkennung
Sylvia Brunn. Foto: Mario Berger

Am Dienstag und Mittwoch finden die nächsten Verhandlungsrunden in Potsdam statt. "Wir sind gespannt auf das Angebot der Arbeitgeber - und ob sie überhaupt eins vorlegen", sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Arne Gailing.

Seit zwölf Jahren pflegt Sylvia Brunn ältere Menschen im ASB-Seniorenzentrum in Neckarsulm-Amorbach. Jetzt, mit 68 Jahren, ist sie in die Gewerkschaft eingetreten. "Viele Kollegen brauchen einen Nebenjob, um über die Runden zu kommen", sagt sie. Dass das zu körperlichem und psychischem Stress führe, sei eine logische Folge. "Viele fühlen sich ausgebrannt."

Deshalb habe sie auch niemand überzeugen müssen, bei dem Streik jetzt mitzumachen, sagt Sylvia Brunn. "Man muss nur anfangen zu denken." Irgendwann werde sie wohl auch selbst einmal einen Heimplatz brauchen. "Dann werde ich wahrscheinlich auch einmal einen schlechten Tag haben. Dann erwarte ich doch, dass die Leute sich mal etwas Zeit für mich nehmen können. Das gehört zur Menschlichkeit einfach dazu." Doch das sei heute nicht mehr vorgesehen.

Streiks in Neckarsulm, Weinsberg und Heilbronn

Von mehreren Dutzend Beschäftigten des ASB-Pflegeheims sind nur rund 20 in den Ausstand getreten. Nach einem ersten Protest in Amorbach sind sie nun nach Heilbronn an die ASB-Kindertagesstätte Kinderbunt gekommen, um auch hier lautstark und mit vielen Plakaten auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Am Nachmittag wird das ZfP in Weinsberg und die Hochschule Heilbronn bestreikt. Kleine Nadelstiche nur, wie Gewerkschaftssekretär Gailing weiß. "Aber wir schaffen es, mehr zu werden." Alle zwei Jahre müsse man auch mal an sich denken.

Verdi-Gewerkschaftssekretär Gailing: "Die Steuereinnahmen sprudeln!"

In seinem Appell an die Streikenden geht er auf die geforderten Verbesserungen ein: Sechs Prozent mehr Gehalt sind das Ziel, mindestens 200 Euro mehr. In der Pflege sollen es mindestens 300 Euro mehr sein, für Auszubildende 100 Euro mehr. "Die Steuereinnahmen sprudeln, und wir kriegen nichts ab?" Nein, jetzt gelte es für die Aufwertung der sozialen Berufe zu kämpfen.

Sorge um die Zukunft des Berufs

Zeit für mehr Menschlichkeit und Anerkennung
Kundgebung vor der ASB Kindertagesstätte Kinderbunt.

Das sei auch deshalb wichtig, weil immer weniger junge Leute in soziale Berufe wollen, erklärt Ulrike Neisius, die im Amorbacher Pflegeheim die Hausleitung hat. Seit 30 Jahren ist sie in der Pflege tätig und hat erlebt, wie sich der Beruf verändert hat. Es sei schwierig, die Schichten zu besetzen, schon die Auszubildenden würden im Plan voll berücksichtigt. Sonn- und Feiertagsdienste machten den Beruf nicht attraktiver. Deshalb will auch sie an diesem Tag ein Zeichen setzen. Und ausdrücklich gibt sie nicht ihrem Arbeitgeber die Schuld, sondern der Politik. In Deutschland komme eine Pfegekraft auf acht Gepflegte. "Das ist Stress pur."

"Wir sind zwar sozial, aber nicht blöd", zitiert die ASB-Betriebsratsvorsitzende für Heilbronn-Franken, Annarita Vellucci aus Neckarsulm, den Spruch, den sie auch auf ihrem Schild mit sich herumträgt. Es ist auch ein Aufruf, die eigene Verantwortung nicht überzubewerten. Manche seien "zu sozial", wenn sie denken, man könne in einem sozialen Beruf gar nicht streiken.

Kinder werden nicht allein gelassen

Dass es mitunter nicht ganz einfach ist, zeigt sich in der Kita Kinderbunt an der John-F.-Kennedy-Straße im Heilbronner Süden. Weil einige Neuzugänge intensiver betreut werden müssen, haben es nur drei Erzieherinnen und Erzieher nach draußen geschafft. Christoph Lemke ist einer davon. "Wirtschaftlich ist unser Beruf immer noch nicht anerkannt", sagt der 38-Jährige. Zufrieden ist der gelernte Schreiner mit seiner Arbeit trotzdem. "Es hat sich bei den Erziehern etwas zum Positiven verändert." Aber eben auch nur durch den Protest, wie er betont. Wenn es richtig los geht, dann werden die Eltern vorab informiert.

 


Busfahrer streiken

Auch Busfahrer bei privaten Unternehmen kämpfen derzeit für mehr Geld. Die Gewerkschaft Verdi fordert 5,8 Prozent, die Arbeitgeber haben bisher kein Angebot vorgelegt. Am Dienstag, 5. Februar, könnte auch die Region betroffen sein. Busfahrer der Verkehrsunternehmen OVR und Zartmann sind zum ganztägigen Streik aufgerufen. Dies betrifft insbesondere den Stadtbusverkehr Neckarsulm (Linie 91/692, 92, 93, 94) und die Busverkehre im Kochertal (Linie 620, 621, 622, 623, 624, 625, 626, 628, N20, 49).

 

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