Wahlcheck-Besucher verzeihen den Buga-Fauxpas

Heilbronn  Die Gäste beim Stimme-Wahlcheck sehen in Robert Habeck überwiegend einen überlegten, authentischen Politiker. Dass Habeck von der Bundesgartenschau in Heilbronn nichts wusste, verzeihen sie schnell.

Von Christian Gleichauf

Der Fauxpas Buga wird verziehen

Rainer Kopf will sich möglichst wieder alle Wahlchecks anschauen.

Mit den weichen Fragen zu Heilbronn konnte Robert Habeck bei diesem Stimme-Wahlcheck nicht punkten. Umso mehr freuten sich die Besucher unter der Pyramide der Kreissparkasse beispielsweise über die wohlgesetzten Worte zu Parteifreund und Ministerpräsident Winfried Kretschmann. "Er kam authentisch rüber", fand Susanne Hauck aus Heilbronn, und war mit dieser Einschätzung nicht allein.

Dass er Kleists "Käthchen" wohl "doch sicher" mal gelesen hat, mochte man dem Parteivorsitzenden der Grünen glauben oder auch nicht. Doch Stimmung brachte Habeck in den Saal, als er auf die Frage von Chefredakteur Uwe Ralf Heer, ob er von der Buga gehört habe, antwortete: "Nee, hab ich nicht."

Für Susanne Hauck zwar ein Fauxpas, doch sie sieht die Verantwortung nicht allein bei Habeck: "Das war auch ungeschickt von seinen Mitarbeitern, die hätten das vorbereiten müssen."

Urteil: Ein sehr engagierter Mensch

Der Fauxpas Buga wird verziehen

Die Sympathiewerte stimmen, finden Susanne und Harry Hauck.

Es ging allerdings um die Europawahl an diesem Abend, und nicht um ein Quiz zum Unterland. Als Diesel-Fahrer haben Susanne und Harry Hauck beispielsweise mit Interesse zugehört, als Habeck hier von "Enteignung" sprach. "Natürlich kommt das gut an, wenn er sagt, dass man die Bosse bestrafen muss", sagt Susanne Hauck. Das wisse wohl auch Robert Habeck. Doch ist bei ihrem Mann mehr als das hängen geblieben: "Ich habe einen sehr engagierten Menschen gesehen, und so jemand ist durchaus wählbar, selbst wenn man nicht in allen Punkten zusammenpasst."

Die Menschlichkeit betont auch Martha Fahrbach. Die 59-Jährige aus Oedheim war mit ihrem Ehemann Ulrich zum ersten Mal bei einem Wahlcheck − nachdem es bei Christian Lindner noch eine Absage gab. "Wir haben Robert Habeck ja schon oft in Talkshows gesehen und wollten ihn jetzt mal live erleben." Für Ulrich Fahrbach hat es sich gelohnt. "Er hat gezeigt, dass er nicht nur vorgefertigte Meinungen vorträgt, sondern sich Gedanken macht."

Meinungen zum Thema Wolf

Der Fauxpas Buga wird verziehen

Erstmals dabei: Martha und Ulrich Fahrbach aus Oedheim.

Fotos: Andreas Veigel

Das Urteil von Karsten Lowack aus Öhringen fällt ähnlich aus: "Er hat tiefgründig argumentiert", findet der 56-Jährige. Inhaltlich habe er allerdings auch wenig wirklich Überraschendes gehört. "Manches war erwartbar" − beispielsweise seine Aussagen zum Wolf. Hier hatte Habeck gewarnt, dass gesenkte Hürden für einen Abschuss, wie sie derzeit von Bundesumweltministerin Svenja Schulze vorgeschlagen werden, nur die Illusion einer Lösung seien. Rainer Kopf aus Ellhofen meint: "Ich habe beim Wolf noch was dazugelernt." Allerdings schränkt er gleich wieder ein: "Der Wolf ist jetzt auch nicht gerade das Existenziellste unserer Probleme."

Wie Habeck insgesamt mit Themen umgeht, ist für Kopf entscheidend: "Dass er an die Schnittstellen der Gesellschaft rangehen möchte, um Lösungen für die Fragen der Gesellschaft anbieten zu können. Dieses Bild hat mir gefallen." Die weiteren Wahlchecks sind für Rainer Kopf wie auch für Karsten Lowack gesetzt.

Der Heilbronner Grünen-Stadtrat Wolf Theilacker freute sich, dass so viele der Besucher positiv auf den Parteivorsitzenden reagiert haben. "Und es hat auch mich beeindruckt, wie überlegt und gefühlvoll er über Winfried Kretschmann gesprochen hat", sagt der 71-Jährige.

 

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