Verkehr in der Gerberstraße schwillt weiter an

Heilbronn  Eine neue Zählung in der kleinen, aber viel befahrenen Gerberstraße hat ergeben: Dort sind am Tag 4500 Kraftfahrzeuge mehr unterwegs als im vergangenen Herbst. Das ist aber nicht das einzige bemerkenswerte Resultat der Messung.

Von Carsten Friese

Verkehr in Gerberstraße schwillt weiter an
Blechlawine in der Gerberstraße: Wie soll es in dem Problemquartier weitergehen? Die Verwaltung will kleinere Maßnahmen prüfen. Eine schnelle Alternative scheint derzeit nicht in Sicht. Foto: Mario Berger  

Das Ergebnis ist für viele überraschend, und es birgt ein Dilemma in sich: Laut einer 24-Stunden-Zählung der Stadt Heilbronn macht der reine Durchgangsverkehr in der Gerberstraße vom gesamten Kfz-Verkehr nur rund zehn Prozent aus.

Die Blechlawine, die sich jeden Tag durch die enge Innenstadtstraße schiebt, sucht demnach zum überwiegenden Teil Ziele in der Innenstadt oder fährt aus dem Quartier heraus. Aber: Die Zahl der Kfz in der Gerberstraße insgesamt hat gegenüber einer Zählung im Herbst noch einmal stark zugenommen.

Verwaltung will kleinere Maßnahmen zur Regulierung prüfen

14.000 Kfz waren es Anfang Juli, 9425 im September 2017 (beides an Werktagen gemessen). Diese Zunahme "kommt uns sehr hoch vor, wir werden auch noch mal messen", sagt Dirk Herrmann vom Amt für Straßenwesen auf Anfrage. Es sei für die Anwohner eine extreme Belastung, räumt er ein. Kurzfristig gebe es keine Alternative, es sei eine sehr komplexe Situation. Zunächst will das Amt kleinere Maßnahmen prüfen, um den Zufluss in die Gerberstraße zu regulieren.

Die Größe des reinen Durchgangsverkehrs in der Gerberstraße war Thema im Bauausschuss. "Der Quell- und Zielverkehr ist ein sehr großer Anteil. Es ist nicht so, dass hier alle abkürzen", erläutert Dirk Herrmann das Messergebnis.

Im Vorfeld hatten Anwohner vielfältig gegen eine starke Verkehrszunahme, gegen Stau, Lärm, Abgase und gefährliche Situationen protestiert. Sie forderten eine Zufahrtsbeschränkung für Anlieger, weil nach der neuen Verkehrsführung in der Stadt ohne die Kranenstraße viele Autofahrer den Weg über die kleine Gerberstraße nehmen würden.

Messung mit Kameras 

Mit Kameras an verschiedenen Standorten hatte ein Fachbüro Anfang Juli fahrende Autos samt Kennzeichen aufgenommen und überprüft, welche in kurzer Zeit auch wieder auf den Ausfahrtstraßen (Bahnhofstraße/Weststraße oder Mannheimer Straße) auftauchen.

Das Resultat: Während in der einen Richtung (Ausgang: Mannheimer Straße) von anfangs erfassten 7218 Fahrzeugen in der Bahnhofstraße noch 2006 Kfz (28 Prozent) binnen fünf Minuten ankamen, waren es in der Weststraße nur noch 610 (neun Prozent). In der Gegenrichtung blieben von in der Weststraße erfassten 5293 Kfz in der Bahnhofstraße noch 2055 Fahrzeuge übrig (32 Prozent), im Bereich Gerberstraße/Mannheimer Straße kamen am Ende noch 653 an (zwölf Prozent).

Fraktionen fordern Entlastung der Anwohner

"Erstaunlich" findet Heiner Dörner (Freie Wähler) diese rund zehn Prozent. Er kritisiert, dass man die direkte Zufahrt von der Schaeuffelenstraße geradeaus in die Gerberstraße nicht einmal versuchsweise unterbunden habe. Zudem fordert er mehr Kontrollen.

"Wir zweifeln die Zahlen ein bisschen an", äußert Gerd Kempf (SPD). Er plädiert dafür, zur Entlastung der Anwohner die Gerberstraße von der Bahnhofstraßenseite zu schließen und nur noch eine Zufahrt zum dortigen Parkhaus zuzulassen. Die Ein- und Ausfahrt zu erschweren fordert auch Anna Christ-Friedrich (SPD). Sie habe keine Sorge, dass die Innenstadt dadurch "verarmt".

Dass nach den neuen Zahlen die Kunden der Einzelhändler weiter in die Stadt fahren können, freut Gottfried Friz (FDP). Es wäre sonst "eine Katastrophe", wohin sich eine Stadt mit immer mehr Verboten entwickele.

Gut 60 Prozent des Kfz-Verkehrs verbleiben in der nördlichen Innenstadt, folgert Alexander Habermeier (Grüne) aus den Zahlen. Für ihn ist es ein Argument, die Durchfahrt zu regulieren und alternative Parkplätze zu schaffen. Auch Uwe Mettendorf (CDU) fordert verkehrslenkende Maßnahmen und bei Baumaßnahmen zu prüfen, wie man die Anwohner entlasten kann.