US-Gebäude auf Waldheide wird zum Politikum

Heilbronn  Protest wird laut. Nach Stadträten fordern jetzt auch viele Heilbronner Bürger den Erhalt des ehemaligen Army-Hangars auf der Waldheide. Eine Idee der Bürger: Der heutige Schafstall soll zum Museum über die Historie des besonderen Ortes werden.

Von Kilian Krauth
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Dieses teils als Schafstall genutzte Doppelgebäude auf der Waldheide ist der letzte bauliche Zeuge der US-Atomraketenfestung Fort Redleg. Foto: Dennis Mugler

Ein schönes Ei ins Nest gelegt hat sich rechtzeitig vor Ostern Heilbronns Erster Bürgermeister Martin Diepgen. Wie berichtet teilte er der Stimme und dem Gemeinderat mit, das letzte US-Gebäude auf der Waldheide nach einem Sturmschaden auf den Prüfstand stellen zu wollen. Abbruch oder Sanierung? Diese Frage wird nicht nur von Stadträten diskutiert, sondern auch von vielen Lesern.

Ex-VHS-Chefin schlägt Alarm

"Alarmiert" reagiert Dorothea Braun-Ribbat. Die ehemalige Volkshochschulchefin betont, "es geht um nichts weniger, als um den Erhalt eines architektonischen Dokuments der jüngsten Heilbronner Zeitgeschichte": die Konversion eines Army-Hangars, inklusive Beschriftungen und Funktionshinweisen an den Wänden, in einen Unterstand für Lämmer und Schafe. Sie spricht von einem "Friedenssymbol schlechthin".

In dieser Stadt sei oft genug und erst im Nachhinein der vorschnelle Abriss historischer Gebäude beklagt worden. Ein solcher Schritt sollte "wohl bedacht, auch öffentlich, diskutiert werden". Wenn das Rathaus die Halle dort "nicht mehr haben will", könne sie wenigstens als historisches politisches Dokument aufbewahrt oder andernorts aufgebaut und museal erhalten werden, so Braun-Ribbat.

US-Bürgerin: "Bloß nicht abreißen!"

Linda Elmore meldet sich per Facebook in englischer Sprache. Ihr Mann habe im ehemaligen Fort Redleg zur Zeit des Pershing-Unfalls 1985 gedient. Sie hoffe, man werde den Flugzeughangar "nicht einfach abreißen". "Bloß nicht abreißen!", postet auch Eleni Alexandra Roth, in dieser Stadt werde schon "viel zu viel" abgerissen.

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"Da man in Heilbronn ja eh nicht viel für die Geschichte der Vergangenheit übrig hat", wundert sich Alexander Franz nicht über die Abbruchgedanken. "Aber hat man schon mal dran gedacht, dieses Gebäude zu einer Art Museum zu machen?" Das Interesse an Historie sei bei vielen Heilbronnern groß, gerade die Waldheide biete viel Potenzial. Auf Stimme-Anfrage sagte Franz, er wolle die Idee ans Rathaus herantragen. Eine Infotafel am Eingang zur Heide sei zu wenig.

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Die Jugend weiß darüber gar nichts", meint Birgit Eichner. "Ein Museum wäre deshalb gut." Kerstin Albus schließt sich an: "Nicht abreißen, das ist ein Teil Heilbronner Geschichte. Das kann man bestimmt mit wenig Mitteln aufrechterhalten." Harald Kirschner bedauert, dass die Stadt beim Rückbau der Festung in den 1990er Jahren zur Erinnerung nicht wenigstens einen Wachturm stehen ließ. Das wäre besser, als dieser "Schandfleck".

Unter dem Motto "Spazieren, Erinnern, Verweilen" sei die Waldheide ein Teil von Heilbronn, der "die Stadt ein Stück liebenswerter" macht, meint Thomas Frese. Er regt an, den Hangar zu renovieren und mit einem Stehcafé plus Kiosk auszustatten. Veranstaltungen oder die Nutzung durch Vereine regt Michael Weber an. Auch wenn ihr "ein negativer Beigeschmack" vom Pershing-Unglück anhafte, sei die Waldheide "ein Ort der Einkehr, des Gedenkens", sagt Markus Sahm und fordert wie viele: "Renovieren statt Abbrechen".

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