Stickoxid: Weiterhin dicke Luft in der Innenstadt

Heilbronn  Die Stadt Heilbronn liegt nach wie vor deutlich über dem Grenzwert beim Luftschadstoff Stickoxid. Nach Stuttgart und Reutlingen gab es hier 2017 die landesweit dritthöchste Stickoxidbelastung.

Von Carsten Friese

Es bleibt dabei: Die Stadt Heilbronn und das Land Baden-Württemberg als Aufsichtsbehörde für den Luftreinhalteplan schaffen es nach wie vor nicht, die Werte für den Luftschadstoff Stickoxid in der Innenstadt unter den gesetzlichen Grenzwert zu drücken. Zwar ist der Jahresmittelwert im Jahr 2017 gegenüber dem Vorjahr an der Station Weinsberger Straße minimal von 57 auf 55 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gesunken. Aber: Vom Grenzwert (40 Mikrogramm) ist die Stadt Heilbronn nach wie vor deutlich entfernt.

Nach Stuttgart und Reutlingen hat Heilbronn landesweit die dritthöchste Stickoxidbelastung. Auf ihrer Homepage schreibt die Stadt, dass bei den Stickoxiden seit Beginn der Messungen im Jahr 2007 „aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens in der Stadt der Grenzwert noch nie eingehalten“ worden sei.

Ende Februar fällt richtungsweisendes Gerichtsurteil

Vor allem Diesel sind für den Ausstoß des Reizgases Stickstoffdioxid verantwortlich, aber auch mit fossilen Energieträgern befeuerte Kraftwerke. Die Diskussion um Fahrverbote, die nach Klagen der Deutschen Umwelthilfe in vielen deutschen Großstädten wie in Stuttgart intensiv geführt wird, könnte bald beschleunigt werden.

Ende Februar entscheidet das oberste Verwaltungsgericht im Streit um ein gerichtlich angeordnetes Fahrverbot in der Stadt Düsseldorf. Gewinnt die Deutsche Umwelthilfe, könnte das nachfolgend juristische Auswirkungen auch für andere Städte mit dauerhaft zu hohen Stickoxidwerten haben – auch für Heilbronn. Umwelthilfe-Geschäftsführer Jürgen Resch hatte die Stadt Heilbronn bereits im September aufgefordert, „mit allen Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität sofort zu beginnen“.

Bei Mobilitätsfonds Maßnahmenbündel eingereicht

Was tun? Die Stadt hat beim Mobilitätsfonds der Bundesregierung ein Maßnahmenbündel eingereicht, um die Stickoxidwerte zu reduzieren. Bis zum Sommer soll zudem ein Masterplan „Green City“ durch ein Fachbüro erarbeitet werden. Auch am Sofortprogramm „Sauberer Luft“ erhofft die Stadt, Fördermittel zu erhalten.

Das Landesverkehrsministerium in Stuttgart sieht insgesamt erste Erfolge im Vorgehen gegen die hohe Stickoxidbelastung. An insgesamt zehn Messstellen, darunter Heidelberg, Ilsfeld, Freiberg, Schwäbisch Grmünd und Bietigheim, habe man den Grenzwert im Vorjahr „erstmals einhalten können“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann. 2016 sei dies zudem erstmals in Karlsruhe und Pforzheim gelungen.

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In Orten mit nach wie vor überhöhten Stickoxidwerten müssten notwendige Maßnahmen „schnellstmöglich umgesetzt“ werden, teilte Hermann in einer Pressemitteilung mit. Wie das in Heilbronn konkret geschehen soll und was das Land dafür investiert, ist offenbar noch unklar.

Beim Feinstaub gibt es dagegen keine Probleme. Hier lag die Stadt Heilbronn an der Innenstadtstation Weinsberger Straße mit 13 Tagen mit mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub je Kubikmeter Luft deutlich unter dem Grenzwert (35 Tage mit Überschreitungen sind im Jahr erlaubt).

 

Stimme-Feinstaub-Projekt

 

Die Onlineredaktion misst seit Anfang November die Feinstaub-Belastung in Heilbronn. Dafür haben wir mehr als 15 selbstgebaute Messgeräte in der Innenstadt, in Wohngebieten und an stark befahrenen Straßen aufgestellt. Bis zum Frühjahr 2018 berichten wir regelmäßig auf stimme.de über unsere Messungen. Alle Werte unserer Messgeräte können Sie unter feinstaub.stimme.de einsehen.