Sechstklässler treten beim Vorlesewettbewerb an

Heilbronn  Wer ist Heilbronns bester Vorleser? Neun Schüler aus Heilbronn führten ihre Lesekünste vor. "Meine Superkraft: Vorlesen" ist das Motto des 60. Vorlesewettbewerbs.

Von Marie-Luise Schächtele

Sechstklässler treten beim Vorlesewettbewerb gegeneinander an

Schülerin Liesa Zentler vom Bildungszentrum St. Kilian liebt das Lesen, weil sie in Büchern in andere Welten abtauchen kann.

Fotos: Dennis Mugler

Liesa Zentler (11) hat einen Ausschnitt aus dem Buch "Herr der Diebe" von Cornelia Funke vorbereitet. "Wir haben es in der Schule gelesen", sagt sie. Sie hat eine Stelle ganz am Anfang der Geschichte gewählt. "Weil ich nicht so gut erklären kann." Denn jeder Schüler muss zunächst ausführen, worum es in seinem Buch geht, sodass die Textstelle verständlich ist.

"Meine Superkraft: Vorlesen" heißt das Motto des 60. Vorlesewettbewerbs. Neun Sechstklässler aus Heilbronn treten am Montagnachmittag gegeneinander an. Nach Klassen- und Schulentscheid sind die Schüler beim Stadtentscheid gefragt. Alle Kinder tragen einen dreiminütigen Ausschnitt aus einem Buch ihrer Wahl vor. Anschließend müssen die Teilnehmer mehrere Seiten aus aus einer Erzählung, die sie noch nicht kennen, vorlesen.

Erst der Klassenentscheid, dann der Schulentscheid

Liesa beginnt ihren Text. Lebhaft steigt sie ein, macht Pausen, die englischen Wörter gehen ihr problemlos über die Lippen. "Ich bin aufgeregt, weil ich die anderen nicht kenne." Im Sommer gewann sie den Klassenentscheid, vor Weihnachten wurde sie beim Schulentscheid zur besten Vorleserin der Realschule am Bildungszentrum St. Kilian gekürt.

Aber sie liest auch außerhalb des Unterrichts viel. "Seitdem ich lesen kann", sagt sie. Was sie am Lesen besonders mag? "Man taucht mit Büchern in eine andere Welt ab, ich versetze mich in andere Personen. Ich muss dafür aber auch ein Buch finden, das zu mir passt."

Rémy Sengöz (11) vom Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium kann beim Vorlesewettbewerb gleich noch sein neues Lieblingsbuch vorstellen, "Allein in der Wildnis" von Gary Paulsen. "Es ist so spannend wie kein Buch", erzählt er begeistert. Vor dem Lesen hat er sich wie alle anderen Schüler gut vorbereitet. "Ich habe geübt, indem ich meine Stelle laut vorgelesen habe."

Drei Freundinnen unterstützen Charlotte

Sechstklässler treten beim Vorlesewettbewerb gegeneinander an

Alle lauschen in der Jugendbuchabteilung der Heilbronner Stadtbibliothek gespannt den Textausschnitten, die die Vorleser vortragen.

Sechstklässlerin Charlotte Schilling ist mit drei Freundinnen aus ihrer Klasse am Theodor-Heuss-Gymnasium da. "Ich habe richtig viele Bücher", verrät sie. Sie mag Geschichten mit einem realistischen Bezug. Das Buch, das sie ausgesucht hat: "Der hamsterstarke Harry" von Katja Frixe, der zweite Band der Reihe "Der zauberhafte Wunschbuchladen". "Das habe ich neulich gelesen und fand es richtig gut", sagt sie. Wenn Clara und Leo in dem besonderen Buchladen übernachten und Clara mitten in der Nacht aufwacht und eine laute Stimme hört, überträgt sich die Spannung, mit der Charlotte vorliest, auf den Zuhörer. Sie bricht plötzlich ab, als enthüllt wird, wer der geheimnisvolle Rufende ist.

"Ich bin froh, dass ich nicht in der Jury sitze. Alle, die vorlesen, sind Unikate und Persönlichkeiten", findet Andrea Autenrieth, die Mutter von Leserin Paula Schupp. Ursula Steudel, die Deutschlehrerin am Robert-Mayer-Gymnasium war und zur Jury gehört, hat bei allen Schülern gleich stark mitgefiebert, wie sie sagt. In ihrem "Vorlese-Herzen" hätten alle gewonnen. Doch es ist Charlotte Schilling, die den ersten Preis erhält und zum Bezirksentscheid fahren darf. Deren Freundinnen nehmen sie in den Arm. Ursula Steudel rät ihr, sie solle auch beim Folgewettbewerb so locker bleiben.

Jeder der Schüler darf als Preis ein Buch und eine Urkunde von Agnes Christner in Empfang nehmen. "Ich finde es wunderbar, dass mit dem Vorlesewettbewerb die Lesekompetenz gefördert wird", sagt die Sozialbürgermeisterin.

 

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