Schüler streiken heute zum ersten Mal in Heilbronn

Heilbronn  Der Protest für die Umwelt ist in Heilbronn angekommen: Zirka 400 Personen haben sich ab dem späten Freitagvormittag zu einem Demonstrationszug durch die Innenstadt getroffen. Auch einige Eltern mischen sich unter die Schüler.

Von Tanja Ochs
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Die Protestwelle „Fridays for Future“ (Freitage für die Zukunft) ist in Heilbronn angekommen. Heute streiken Schüler erstmals in der Käthchenstadt. Seit Wochen gehen Jugendliche jeden Freitag überall auf der Welt auf die Straße, um für eine nachhaltige Klimapolitik zu demonstrieren. 

Sie folgen damit dem Vorbild der schwedischen Schülerin Greta Thunberg, die seit August jeden Freitag die Schule verpasst, um vor dem Stockholmer Reichstag gegen die Erderwärmung zu demonstrieren. Mit ihrem „Schulstreik für das Klima“ ist die 16-Jährige zur Ikone einer Jugendbewegung geworden. Erst gestern hat die Aktivistin bei der EU in Brüssel Politiker dazu aufgefordert, mehr für das Klima zu tun. 

In Heilbronn hatten sich am späten Freitagvormittag zirka 400 Personen, vor allem Schüler aus allen Klassenstufen von weiterführenden Schulen, aber auch Eltern versammelt. Ab 11.30 Uhr startete ein gemeinsamer Marsch in Richtung Allee, an der Harmonie kommt es zu einem Abschlusstreffen. 

Angesichts der Schulpflicht ist das Engagement hierzulande jedoch umstritten. Schwänzen gilt als unentschuldigtes Fehlen. Das kann Konsequenzen haben.  

700 Mitglieder in drei Gruppen

Rund 700 Mitglieder aus Heilbronn haben sich in drei Whatsapp-Gruppen zusammengefunden. Dort wird seit einigen Tagen diskutiert, wie die Aktion vor Ort aussehen könnte. „Das wird was bewegen“, glaubt ein Teilnehmer. Ein anderer betont: „Jeder darf kommen, das ist doch die Zukunft von uns allen.“ Aber auch die Schulpflicht ist ein Thema im Chat. Einige haben die Lehrer vorab informiert. Aber wer eine Arbeit schreibt, muss zum Unterricht, bei unentschuldigtem Fehlen kann sonst eine Sechs oder null Punkte die Folge sein. 

„Die Schulbesuchspflicht muss umgesetzt werden“, betont der Heilbronner Schulamtsdirektor Markus Wenz. Für eine politische Veranstaltung könne man Schüler aus Gründen der Neutralität nicht beurlauben. Grundsätzlich sei politisches Engagement begrüßenswert, aber nicht während des Unterrichts. Über Konsequenzen entscheidet allerdings jede Schule selbst. „Wir versuchen das niederschwellig zu lösen“, sagt Wenz. 

Streik in der Unterstufe untersagt

Am Heilbronner Mönchsee-Gymnasium (MSG) werden Eltern informiert, wenn ihre Kinder dem Unterricht unentschuldigt schwänzen.  Direktor Andreas Meyer betont, dass die Teilnahme an der Demo für die Klassen fünf bis sieben strikt untersagt sei: „Da haben wir die Aufsichtspflicht.“ Allerdings rechnet der Schulleiter damit, dass ältere Schüler des MSG sich an der Demonstration beteiligen. 

Über Konsequenzen werde man im Einzelfall entscheiden, sagt Marco Haaf, Schulleiter am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Neckarsulm. Er hat seine Kollegen aufgefordert, Demokratiebildung im Gemeinschaftsunterricht zu behandeln. Auch mit dem Thema Klimaschutz müsse man sich in der Schule beschäftigen, ergänzt Andreas Meyer.

Organisatoren erwarten große Beteiligung

Die Heilbronner Gruppe organisiert sich ausdrücklich als Team. Einer, der sich dabei engagiert ist Ruben Fleiderer. Er geht von einer großen Beteiligung aus. „Ich weiß von ganzen Klassen, die kommen“, erzählt der Heilbronner Schüler. Als 18-Jähriger kann er seine Entschuldigung für den Unterricht selbst schreiben. Andere brauchen dafür die Eltern, aber selbst einige Mütter haben in der Gruppe bereits ihre Teilnahme angekündigt.

Die Demonstration beginnt um 11.30 Uhr am Bollwerksturm und soll mit einer Kundgebung an der Harmonie enden. Die Organisatoren versprechen „Musik und Stimmung“. Die Teilnehmer haben sie dazu aufgefordert, sich „coole und lustige Sprüche“ zu überlegen und „kreative Plakate“ zu basteln. „Eigeninitiative ist wichtig“, heißt es in dem Aufruf zur Demonstration.

 

 


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